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| 12:33 Uhr

Achtelfinale in der Champions League
Sevilla will die Bayern im Hexenkessel laufen lassen

Am Wochenende hatte Sevilla den FC Barcelona am Rande einer Niederlage, brachte die 2:0-Führung aber nicht ins Ziel.
Am Wochenende hatte Sevilla den FC Barcelona am Rande einer Niederlage, brachte die 2:0-Führung aber nicht ins Ziel.
Sevilla/München. Der FC Sevilla gilt als vermeintlich leichterer Gegner, aber: Die Andalusier sind gerade in K.o.-Spielen unberechenbar und hatten bei ihrer Generalprobe den FC Barcelona am Rande einer Niederlage.

Einen Gegner von der Qualität des FC Sevilla sucht Bayern München in der Bundesliga vergeblich - meint jedenfalls Ex-Nationalspieler Andreas Hinkel. "Sie spielen so stark, wie es in Deutschland keine Mannschaft neben den Bayern tut", sagte der heutige Trainer des VfB Stuttgart II dem SID. Hinkels Einschätzung ist profund, er trug zwischen 2006 und 2008 das Trikot der Andalusier. Für den deutschen Fußball-Rekordmeister, glaubt er, kann es am Dienstag (20.45 Uhr/ZDF und Sky) "unangenehm" werden.

Wenn es noch einen Beweis dafür gebraucht hätte, dann wäre die Generalprobe am letzten Samstag gegen den FC Barcelona (2:2) geeignet. Erst in den Schlussminuten wendete Barca durch Luis Suarez (88.) und Lionel Messi (89.) im Estadio Ramon Sanchez Pizjuan eine Niederlage ab. "Wir sind verärgert", sagte Sevillas italienischer Coach Vincenzo Montella. Für das Viertelfinal-Hinspiel der Champions League kündigte er Ballbesitzfußball an. Gegen den FC Bayern!

Die Münchner sollen hinterherlaufen, Sevilla will den Takt des Spiels vorgeben. Auch dies sagt einiges über das Selbstverständnis beim Europa-League-Rekordgewinner aus, der im Achtelfinale Manchester United ausschaltete. München sei der Favorit, meinte Piotr Trochowski im SID-Gespräch zwar, er spielte von 2011 bis 2014 für Sevilla. Aber gerade im Hexenkessel Sanchez Pizjuan, schob er nach, "können sie sich auf etwas gefasst machen."

Einfallsreichtum in der Nische

Aber was zeichnet dieses Team aus, dass zwischen 2006 und 2016 fünf Mal den Uefa Cup bzw. die Europa League gewann, von 2014 bis 2016 sogar drei Mal in Folge? Hinkel meint, der erste große internationale Triumph habe für eine neue "Klub-DNA" gesorgt. "Obwohl sie Jahr für Jahr Leistungsträger verlieren, wird diese DNA von denen, die bleiben, vorgelebt und weitergegeben", erklärte Hinkel: "Sie scouten gut, führen immer wieder Qualität zu. Und sie verkaufen Spieler oft um ein Vielfaches. Das ist ihre Nische."

Dieser Einfallsreichtum ist es, der Sevilla in Spanien und Europa die Konkurrenzfähigkeit garantiert. "An Barcelona, Real Madrid und Atletico Madrid ist schwer vorbeizukommen", verdeutlichte Trochowski. Aber beständig ärgern kann Sevilla die großen Drei allemal - etwa mit Hochveranlagten wie den Franzosen Wissam Ben Yedder und Steven N'Zonzi oder dem im Hinspiel gesperrten Argentinier Ever Banega. Auch der Ex-Schalker Sergio Escudero, der in der Bundesliga Schwierigkeiten hatte, hat längst internationale Reife nachgewiesen und ist Kapitän der Mannschaft.

FC Sevilla fehlt ein Stoßstürmer

Über Ben Yedder, der hinter Cristiano Ronaldo (12) die zweitmeisten Tore in dieser Champions-League-Saison geschossen hat, sagt Hinkel: "Er ist der gefährlichste Mann, hat aber drei seiner acht Tore gegen Maribor erzielt." Bedeutet: In der Offensive hat Sevilla trotzallem nicht die ganz große Durchschlagskraft. Nach Meinung von Hinkel fehlt ein echter Stoßstürmer. Aber auch das kann die heiße Atmosphäre in der 42.000 Zuschauer fassenden Arena auffangen. "Das Stadion ist ein Trumpf, Sevilla hat mit die besten Fans in Spanien", sagte Hinkel.

Eine Gefahr sieht der 21-malige Nationalspieler noch für die Bayern: das Wetter. "Zwischen München und Sevilla kann der Unterschied bei 15 Grad liegen. Das merkst du sofort, das hat Einfluss." Es wird also fürwahr eine große Prüfung.

(sid)