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| 15:40 Uhr

Bremer Innensenator schlägt Fonds vor
DFL soll Millionen für Hochrisikospiele zahlen

FOTO: dpa, htf sup nic
Bremen. In der Auseinandersetzung um die Kostenbeteiligung bei Hochrisikospielen schlägt der Bremer Innensenator Ulrich Mäurer einen Fonds vor. In diesen soll die Deutsche Fußball Liga (DFL) jährlich Millionen einzahlen - dann wäre der Streit für Mäurer beendet.

Millionen für den Rechtsfrieden? Im Streit um die Kostenbeteiligung bei Hochrisikospielen hat der Bremer Innensenator Ulrich Mäurer der Deutschen Fußball Liga (DFL) eine außergerichtliche Einigung angeboten - allerdings nur, wenn die DFL dafür zahlt. Seine Idee eines Fonds für den "gerechten finanziellen Ausgleich" stellte Mäurer am Montag mit seinem rheinland-pfälzischen Kollegen Roger Lewentz vor.

"Der Ansatz ist völlig legitim. Es geht uns darum, dass sich die DFL an den horrenden Ausgaben der Polizei beteiligt", sagte Mäurer, der sich von der DFL eine jährliche Zahlung im zweistelligen Millionenbereich vorstellt. Die DFL, die von dem Vorschlag "bislang nur aus den Medien" erfuhr, teilte mit: "Der Ausgangspunkt des Fußballs ist und bleibt es, die Einsatzstunden der Polizistinnen und Polizisten zu reduzieren. Dies gilt von der Bundesliga bis in untere Spielklassen, die nicht im Verantwortungsbereich der DFL liegen."

Große Hoffnung auf ein Entgegenkommen seitens des Verbandes hat Mäurer jedenfalls nicht. "Die DFL ist in dieser Frage knallhart und weigert sich, auch nur einen Cent zu zahlen", sagte der SPD-Politiker.

Auch deshalb befasst sich mittlerweile das Bundesverwaltungsgericht mit dem Thema. Nachdem am 21. Februar das Oberverwaltungsgericht Bremen Gebührenbescheide des Bundeslandes Bremen grundsätzlich für rechtens erklärt und damit ein vorinstanzliches Urteil aufgehoben hatte, legte die DFL Revision ein. Ein Zeitpunkt für die Verhandlung ist noch nicht terminiert.

Das dann gesprochene BVG-Urteil wird für Mäurer und Lewentz, die bei der nächsten Innenministerkonferenz Anfang Juni für ihren Vorschlag werben wollen, allerdings entscheidenden Einfluss haben. "Wenn das BVG das Urteil des OVG stützt, ist das ein Auftrag an den politischen Gesetzgeber, darüber nachzudenken und Schlüsse daraus zu ziehen", sagte Lewentz: "Dann müssen wir reagieren. Und dann werden sicherlich auch andere Kollegen drüber nachdenken."

Noch stehen die beiden SPD-Männer alleine da, Mäurer sprach auch deshalb von einem "langen Weg". So sagte NRW-Innenminister Herbert Reul der WAZ: "Wenn wir jetzt anfangen, Rechnungen zu schreiben, fällt auch die Abgrenzung zu anderen kommerziellen Großveranstaltungen schwer." Ohnehin dürften sich weitere Länder davor hüten, die Kostenbescheide bei unverhältnismäßig teuren Einsätzen in Zukunft an die DFL-Zentrale in Frankfurt am Main zu schicken - denn die Folgen könnten gravierend sein.

So hatte der Deutsche Fußball-Bund (DFB), der in der Sache klar den Standpunkt der DFL vertritt, 2014 den Bremern ein geplantes Länderspiel entzogen und die Hansestadt seitdem auch nicht mehr berücksichtigt. Mäurer bezeichnete diese Vorgehensweise als "gewisse Arroganz" und verwies auf Länder wie Frankreich oder Italien, wo sich die Ligen an den Kosten beteiligen.

Die Debatte sei laut Mäurer jedenfalls nicht mehr aufzuhalten, schon gar nicht, weil "wir es hier mit einem Partner zu tun haben, der nicht darunter leidet, kein Geld zu haben". Im Februar hatte die DFL in Sachen Umsatz den 13. Rekord in Serie verkündet. Demnach setzten die 36 Klubs der Bundesliga und der 2. Liga in der Spielzeit 2016/17 erstmals mehr als vier Milliarden Euro um.

"Daher dürfen wir erwarten, dass gerade mit Blick auf vermehrte Gewaltexzesse die zunehmenden Kosten für einen verstärkten Polizeieinsatz nicht alleine beim Steuerzahler aufschlagen", sagte Lewentz: "Es wird Zeit, dass sich nun auch die DFL bewegt."

(sid)