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| 07:05 Uhr

Niederlage im WM-Härtetest
Brasilien deckt die Schwächen des DFB-Teams auf

Exklusiv Das DFB-Team reist als Mitfavorit zur Fußball-Weltmeisterschaft in Russland. Daran hat die 0:1-Niederlage gegen Brasilien und die diskrete Leistung der deutschen Auswahl nichts geändert. Die erste Niederlage nach 22 Spielen gibt aber einen Vorgeschmack darauf, wie schwer das Unterfangen Titelverteidigung wird. Robert Peters, Berlin

Die große Serie der deutschen Fußball-Nationalmannschaft ist gerissen. 22 Spiele in Folge hatte der Weltmeister seit der Niederlage im EM-Halbfinale 2016 gegen Frankreich nicht mehr verloren.

Im 23. Spiel hat es ihn erwischt. Brasilien gelang im Testspiel in Berlin eine ganz kleine Revanche für das traumatische 1:7 von Belo Horizonte im WM-Halbfinale vor fast vier Jahren. Die Südamerikaner gewannen verdient nach einem Treffer ihres neuen Sturmstars Gabriel Jesus mit 1:0, und sie deckten einige Schwächen der deutschen Mannschaft auf.

Das war auch den Spaniern am vergangenen Freitag in Düsseldorf beim 1:1 gelungen. Da zeigte die DFB-Auswahl allerdings eine deutlich bessere Leistung.

Probleme in allen Mannschaftsteilen

Diesmal ruckelte es gehörig im Aufbauspiel. Zahlreiche Ballverluste beim Versuch, die eigene Mannschaft nach vorn zu bringen, luden die Brasilianer zu Gegenangriffen ein. Vor allem nach der Pause fehlte den deutschen Aktionen Zielstrebigkeit und Sicherheit.

Die Probleme fingen bereits in der Abwehr an. Torwart Kevin Trapp leistete sich als erster Aufbauspieler viele ungenaue Pässe, es war gut zu erkennen, dass er zurzeit im Verein kein Stammspieler ist, und dass ihm deswegen Spielpraxis fehlt. Seinen Kollegen unterliefen aber ebenfalls einige Ungenauigkeiten in der Spielentwicklung - vor allem, wenn sie von den Brasilianern unter Druck gesetzt wurden. Das betraf die Außenverteidiger Joshua Kimmich und Marvin Plattenhardt, weil sie die natürlichen Adressen für das erste Abspiel des Torhüters sind. Es betraf aber auch, vielleicht sogar in erster Linie, Ilkay Gündogan im zentralen Mittelfeld. Obwohl der ehemalige Dortmunder mit allen Gaben eines großen Fußballers gesegnet ist, ließ er sich durch Konzentrationsmängel im Zentrum des Spiels immer wieder den Ball abjagen. Gündogan gab ganz sicher keine Empfehlung für einen Stammplatz ab.

Leroy Sané, sein Mitspieler bei Manchester City, ebenfalls nicht. Bundestrainer Joachim Löw hatte ihn dem Auftrag ins Rennen geschickt, seine Schnelligkeit in Dribblings gegen die brasilianischen Abwehrmänner auszuspielen. Sané übertrieb die Alleingänge, er blieb regelmäßig an einem der vielen Abwehrbeine hängen, und er erzielte wenig Wirkung.

Man kann allerdings nicht behaupten, dass seine Kollegen in der Offensive wesentlich auffälliger aufgetreten wären. "Es war einfach nicht unser Tag", sagte Löw, "wir haben den Gegner durch leichte Ballverluste Fehler stark gemacht, und wir haben nicht die Sicherheit ausgestrahlt, die wir sonst haben."

Vielleicht habe ein "bisschen der Mumm gefehlt", mutmaßte der Coach. Auf jeden Fall fehlte die Ordnung, die sein Team sonst so stark macht. Löws Schlussfolgerung: "Es ist keine neue Erkenntnis, dass wir an vielen Dingen arbeiten muss, manche Dinge muss man einfach trainieren."

So nahm er das Spiel an Anschauungsmaterial für die Vorbereitungszeit im Trainingslager zur Weltmeisterschaft mit. In Panik gerät er nach dem Abend von Berlin nicht. "Selbst die beste Mannschaft hat mal einen schlechten Tag", sagte Löw, "ich weiß aber, was wir können. Deshalb macht mir ein 0:1 gegen Brasilien keine Sorgen." Das wäre auch übertrieben. Dass die Hürden zur Titelverteidigung im Sommer hoch sind, wissen seit dem Spiel in der Hauptstadt wieder einige Menschen mehr.