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Die Achterbahnfahrt des SC Paderborn
Aufschwung Ostwestfalen

Im vergangenen Sommer ist der SC Paderborn eigentlich in die sportliche Bedeutungslosigkeit abgestiegen. Seitdem geht es aber steil bergauf. Das Pokal-Viertelfinale gegen den FC Bayern nun ist der vorläufige Höhepunkt. Lukas Thiele

"Ein Freilos", kommentierte Paderborns Geschäftsführer Sport Markus Krösche die DFB-Pokal-Auslosung flapsig. Natürlich war da auch eine Portion Galgenhumor mit dabei, denn mit dem Los FC Bayern ist Chance auf ein Weiterkommen für den SCP denkbar gering.

Die Freude über das Los hält sich deshalb in Grenzen. Einen Gegner wie Mainz, Wolfsburg oder Bremen hätte dem SCP wohl besser gepasst. Das Viertelfinale im DFB-Pokal ist zwar neben dem Bundesliga-Aufstieg 2014 der größte Erfolg der Vereinsgeschichte, aber der SCP will noch mehr. "Wir wollen ins Halbfinale", sagte Trainer Steffen Baumgart kämpferisch.

Die Paderborner schwimmen derzeit auf einer Erfolgswelle. Im Pokal hat der Drittligist bereits die Zweitligisten St. Pauli, Bochum und Ingolstadt ausgeschaltet. In der Liga ist der SCP souveräner Tabellenführer und hat acht Punkte Vorsprung auf dem Relegationsplatz.

Paderborn war eigentlich schon Viertligist

Die Rückkehr in die 2. Bundesliga steht also kurz bevor. Es ist eine Entwicklung, mit der vor nicht einmal neun Monaten keiner gerechnet hatte. Denn im Mai 2017 war der SC Paderborn eigentlich in die vierte Liga abgestiegen. Und das, nachdem der Verein 2015 erst aus der ersten und nur ein Jahr später auch aus der zweiten Liga abgestiegen war. Nur weil 1860 München keine Lizenz für die 3. Liga bekam, hielt der SCP die Klasse.

Nun haben die Ostwestfalen eine 180-Grad-Wende hingelegt. Großen Anteil daran haben Krösche und Baumgart. Der ehemalige Rostocker Baumgart kam Ende vergangener Saison zum SCP und blieb in seinen ersten 17 Spielen ungeschlagen. Im Schnitt holt Baumgart mehr als zwei Punkte pro Spiel.

Verplichtet wurde der Trainer von Sportchef Krösche. Der langjährige Kapitän des SCP kam nach einer Station als Co-Trainer bei Bayer 04 Leverkusen zurück nach Paderborn - und mit ihm auch die alten Tugenden. Statt auf gealterte Bundesliga-Profis wie Srdjan Lakic, Oliver Kirch oder Moritz Stoppelkamp setzt der SCP wieder auf junge, hungrige Spieler aus unterklassigen Ligen.

Prunkstück ist in dieser Saison die Offensive. Satte 55 Tore haben die Paderborner in 23 Partien erzielt. Das sorgte auch international für Aufsehen. So musste der SCP im Winter seinen Topscorer Dennis Srbeny, der erst vor der Saison ablösefrei vom BFC Dynamo kam, Richtung Norwich City ziehen lassen. Das brachte dem SCP geschätzte 1,5 Millionen Euro ein. Einnahmen, die der klamme Verein nicht ausschlagen kann.

Bisher hat der Verlust von Srbeny noch keine Spuren hinterlassen. Deshalb soll auch gegen den FC Bayern die Offensive der Schlüssel zum Erfolg sein. "Wir wollen versuchen, uns eigene Torchancen zu erarbeiten", sagte Baumgart am Montag. "Wir sind heiß auf das Spiel und wollen die Euphorie aus der Stadt und dem Umfeld mitnehmen."

"Haben uns dieses Heimspiel verdient"

Ganz in ihr Schicksal ergeben sich die Paderborner also nicht, das passt auch nicht zum derzeitigen Auftreten. "Wir haben uns dieses Heimspiel verdient. Der Verein ist durch schwere Zeiten gegangen, jetzt geht es wieder aufwärts. Wir sollten dieses Spiel genießen, aber wir wollen ins Halbfinale", gibt sich Baumgart kämpferisch.

Der 46-Jährige weiß aber, was auf ihn zukommt. "Welche Wucht der FC Bayern hat, kann man jede Woche in der Bundesliga sehen", sagte er. "Dem können wir nur mit mannschaftlicher Geschlossenheit entgegnen. Da gehört auch viel Glaube dazu. Wenn Bayern ins Rollen kommt, wird es schwer."

Eine Rolle soll auch das Publikum spielen. Schon vor der Auslosung stand fest, dass der SCP im Fall der Fälle nicht in ein größeres Stadion wie die Bielefelder Alm umziehen wird. Auch wenn das bedeutet, dass das Spiel nicht im Fernsehen übertragen wird. Die Betriebserlaubnis für das Stadion endet nach Anwohnerklagen um 22 Uhr.

"Entscheidend ist, dass wir ein Heimspiel haben. In unserem Stadion, in unserem Zuhause", sagte Baumgart, macht sich aber auch keine Illusionen, "dass sich die Bayern von unserer Kulisse beeindrucken lassen." Eine eigene Antwort hatte Baumgart auch auf Bayern-Stürmer Robert Lewandowski. Angesprochen auf einen möglichen Dreierpack des Polen sagte er: "Wenn Lewy drei Tore macht, hoffe ich, dass wir vier machen."

Der SC Paderborn bläst also zum Angriff.