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| 14:34 Uhr

Investoren-Sperre kein Allheilmittel
50+1-Regel bleibt, die Diskussionen gehen weiter

DFL-Geschäftsführer Christian Seifert.
DFL-Geschäftsführer Christian Seifert. FOTO: dpa, ade fgj
Exklusiv | Frankfurt/Main. Die 50+1-Regel bleibt bestehen - und jetzt? Dass die Investoren-Sperre im deutschen Fußball kein Allheilmittel ist, wurde in der Vergangenheit schon mehrfach bewiesen.

50+1 bleibt bestehen, das Geld der Scheichs und Oligarchen außen vor. Doch nach der Mitgliederversammlung der Deutschen Fußball Liga (DFL) müssen die Profiklubs schnellstmöglich entscheidende Fragen klären. Zumal auch "unter Vorhandensein der 50+1-Regel einige Fehlentwicklungen in den vergangenen Jahren" zu sehen waren, wie DFL-Geschäftsführer Christian Seifert mahnend anmerkte.

Die Rechtssicherheit: Schon kurz nach der Tagung im Sheraton-Hotel wurden erneut die Zweifel laut, ob die in Europas Top-Ligen einzigartige Investoren-Sperre in der aktuellen Form einer Klage standhalten würde. Vor allem geht es um das Wettbewerbs-, Kartell- und EU-Recht.

"Ob 50+1 rechtlich hält, kann niemand verlässlich sagen"

"Alle haben ein Interesse daran, dass man bei diesem drohenden Damoklesschwert ein höheres Maß an Rechtssicherheit erlangt", sagte Seifert. DFL-Präsident Reinhard Rauball ergänzte: "Wir müssen den juristischen Bereich abklopfen, ob es Möglichkeiten gibt, Einschüsse zu verhindern. Ob 50+1 rechtlich hält, kann verlässlich niemand sagen."

Von Hannovers Vereinspräsident Martin Kind, der seinen Übernahmeversuch Anfang Februar wohl auch wegen des drohenden Scheiterns gestoppt hatte, ist der Gang vor Gericht vorerst nicht zu erwarten. "Wir haben den Antrag auf Basis der Satzung gestellt, das bleibt erhalten", sagte Kind dem SID: "Ich persönlich kann immer nur empfehlen, dass Veränderungen gestaltet werden, dazu gehört auch 50+1. Wir warten die Diskussionen ab."

Die Schlupflöcher: In der nach dem Antrag des Zweitligisten FC St. Pauli abgesegneten "Grundsatzdebatte" über die "Rahmenbedienungen" wird es darum gehen müssen, die Schwachstellen der Regel zu beseitigen. Ein Allheilmittel war 50+1 in den vergangenen Jahren nicht.

HSV und 1860 München bereits abhängig von ihren Investoren

"Die 50+1-Frage kann man nicht auf der Ebene beantworten: Kommt jetzt ein Russe oder kommt jetzt ein Scheich", sagte Seifert: "Das ist ein bisschen zu oberflächlich." Vereine wie der Hamburger SV (Klaus Michael-Kühne) oder 1860 München (Hasan Ismaik) haben sich trotz des formalen Mitbestimmungsrecht der Fans, das "ganz sicher" zur deutschen Fußballkultur gehöre (Seifert), komplett abhängig von einem Investor gemacht haben.

Dass auch mit der 50+1-Regel viel Geld von Investoren eingenommen werden kann, bewies fast allein der FC Bayern. Für jeweils 8,33 Prozent der Anteile an der Fußball-AG des Rekordmeisters überwiesen adidas, die Allianz und Audi insgesamt rund 280 Millionen Euro. Reinreden dürfen die Unternehmen trotzdem noch lange nicht.

Bayern, Leipzig, Heidenheim und Fürth stimmten gegen 50+1

Die Zerrissenheit: Laut der Bild-Zeitung stimmten die Bayern, RB Leipzig sowie die Zweitligisten 1. FC Heidenheim und die SpVgg Greuther Fürth gegen die Formulierung des Antrags, 18 Klubs waren dafür. Die neun Enthaltungen zeugen auch nicht von großer Zustimmung. Im Vorfeld hatten sich einige Vereine zumindest für eine Modifizierung der Regel ausgesprochen.

Auch bei Seifert war zu erkennen, dass er das Votum natürlich akzeptierte, sich aber vielleicht doch einen anderen Verlauf gewünscht hatte. "Grundsätzlich ging es niemanden darum, die Ziele von 50+1 infrage zu stellen, die durchaus sehr werthaltig sind", sagte er: "Aber es gibt unterschiedliche Auffassungen, wie man mit diesen Zielen umgehen sollte. Die vier Gegenstimmen sind keine gegen 50+1, sondern einfach für eine offenere Debatte, als sie es jetzt auf dieser Basis geben soll."

(sid)