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| 07:57 Uhr

Leverkusen
Fußball im Vorbeigehen

Leverkusen. Grätschen und harter Körpereinsatz sind verboten: Walking Football ist eine spezielle Fußballvariante, die sich an Kicker ab 50 Jahren richtet. Vier Bundesligisten haben bereits eigene Teams. Adrian Terhorst

Grätschen und harter Körpereinsatz sind verboten: Walking Football ist eine spezielle Fußballvariante, die sich an Kicker ab 50 Jahren richtet. Vier Bundesligisten haben bereits eigene Teams.

Pünktlich erscheinen alle Leverkusener Spieler zum Treffpunkt vor der BayArena. Kurz wird noch über das letzte Spiel geplaudert, dann geht es in die Katakomben des Stadions, um sich für das Training umzuziehen. Es geht in die Gäste-Umkleide. Ungewöhnlich für eine Heimmannschaft. Bei dem Team handelt es sich allerdings nicht um die Profis, sondern um die Walking Footballer von Bayer Leverkusen. Die Spieler sind auch nicht zwischen 18 und 34 Jahren alt, sondern zwischen 55 und 79. Walking Football ist ein Format, das sich an Fußballbegeisterte der älteren Generation richtet. Denn es gibt durchaus Einschränkungen zur normalen Variante. Die wichtigste: Es darf nur gegangen, nicht gerannt werden.

Leverkusen gründete sein Team im August 2017. "Wir wollten schon länger etwas für unsere erfahrenen Fans machen. Denn durch den demografischen Wandel wird diese Fangruppe immer größer", sagt Florian Wolfrum. Der 22-Jährige, der bei dem Bundesligisten im Mitgliederbereich tätig ist und momentan seinen Trainerschein macht, leitet das Leverkusener Team. Trainiert wird jeden Mittwoch. Mittlerweile besteht die Mannschaft aus etwa 35 Spielern. Hans-Dieter Sturm ist der Älteste und von Beginn an dabei. "Ich habe eine schwere Erkrankung hinter mir. Walking Football gibt mir die Möglichkeit, langsam wieder zu alter Form zu kommen", sagt der fast 80-Jährige.

Für Ü50-Kicker ist das Format deshalb so attraktiv, weil im Unterschied zum normalen Fußball die Schnelligkeit durch das Rennverbot nicht im Vordergrund steht. Steilpässe in den Lauf eines Mitspielers sind nicht zielführend. Es kommt vielmehr auf die Präzision der Pässe an. Im Vorteil sind die Techniker.

Die weiteren Regeln:

* Der Ball darf nur bis Hüfthöhe gespielt werden

* Grätschen und harter Körpereinsatz sind verboten

* Gespielt wird sechs gegen sechs auf kleine Tore

* Es gibt weder einen Torwart noch existiert die Abseitsregel

* Die Spieldauer beträgt bei Spielen viermal zehn Minuten

Walking Football richtet sich sowohl an Männer als auch an Frauen. Bei Bayer gibt es allerdings erst ein weibliches Teammitglied. "Dabei ist Walking Football für Frauen vorteilhafter als die normale Fußball-Variante, weil es nicht so körperbetont ist", sagt Wolfrum. Reizvoll ist Walking Football für ältere Fußballer auch, weil die Leistungsunterschiede innerhalb eines Teams weniger sichtbar werden. Durch das Renn-Verbot werden die athletischen Vorteile der jüngeren Spieler entkräftet. Altersunterschiede fallen somit viel weniger ins Gewicht als beim normalen Fußball.

In den Niederlanden und England ist Walking Football bereits weit verbreitet. In Deutschland haben neben Leverkusen bislang nur die Bundesligisten Schalke 04, VfL Wolfsburg und Werder Bremen eigene Mannschaften. Das Format wird aber auch hierzulande populärer. Zwar gibt es noch keine eigene Liga. Leverkusen hat zusammen mit Schalke 04 aber schon Pläne. Angedacht ist eine gemeinsame Liga mit niederländischen Teams. Highlights sind deshalb bislang internationale Turniere.

Die soziale Komponente spielte für Leverkusen neben der sportlichen bei der Einführung ebenfalls eine große Rolle. "Denn es geht vor allem auch um die Geselligkeit", sagt Trainer Wolfrum. Nach jedem Training folgt deshalb noch ein gemeinsames Mittagessen. Ähnlich sieht es bei Schalke aus. "Bei uns gibt es nach dem Training immer noch eine soziale halbe Stunde, in der zusammen gefrühstückt wird", sagt Sebastian Buntkirchen, der bei den Königsblauen das Projekt Walking Football leitet. Schalke gründete sein Team vor etwa einem Jahr, Trainer ist Ex-Profi Martin Max. In den zwei Schalker Walking-Football-Gruppen spielen wöchentlich pro Gruppe 20 bis 30 Fußballer.

Letztendlich geht es den Profiklubs aber auch darum, die Vereinsleidenschaft der Fans zu fördern. Die Leverkusener Walking Footballer ziehen sich aus diesem Grund vor dem Training in der BayArena um. So kommen sie den Profis oder Verantwortlichen nahe, weil sie ihnen im Stadion-Inneren über den Weg laufen.

Die sportliche Leistung ist beim Walking Football höher, als man im ersten Moment vielleicht meinen mag: 7600 Schritte und eine Laufleistung von 5,1 Kilometer zeigte der Schrittzähler eines Mitspielers nach einem normalen Training bei Bayer Leverkusen an. Und das, obwohl rennen verboten war.

Hinweis Ein Video vom Walking-Football-Training bei Bayer Leverkusen gibt es unter www.rp-online.de.