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Zwischen Trauer und Stolz: Meyer-Abgang bewegt Energie

Energie-Verteidiger José-Junior Matuwila und seine Kollegen müssen ab sofort auf den Rückhalt Alexander Meyer verzichten.
Energie-Verteidiger José-Junior Matuwila und seine Kollegen müssen ab sofort auf den Rückhalt Alexander Meyer verzichten. FOTO: dpa
Cottbus. Zum Abschied flossen sogar Tränen. Mit einer emotionalen Rede sagte Torhüter Alexander Meyer am Mittwochvormittag seinen Teamkollegen beim FC Energie Auf Wiedersehen – dann packte er seine Handschuhe und machte sich auf den Weg nach Stuttgart. Jan Lehmann

Dort wurde die Verpflichtung des 26-Jährigen, der beim VfB einen Zwei-Jahres-Vertrag erhält, von Sportvorstand Michael Reschke verkündet: "Alexander Meyer ist für uns die optimale Lösung als Nachfolger von Mitch Langerak." Reschke berichtete: "Unser Torwarttrainer Marco Langner beobachtet ihn schon länger und dessen positive Einschätzung hat Alexander Meyer im Pokalspiel gegen uns sowie in den Meisterschaftsspielen nachhaltig bestätigt."

Nahezu zeitgleich wurde der Wechsel von VfB-Keeper Langerak zum spanischen Erstligisten UD Levante publik. Der Australier hatte seinen Stammplatz im Stuttgarter Tor an Neuzugang Ron-Robert Zieler verloren. Meyer soll nun Langeraks Reservistenrolle übernehmen.

Vom Stammplatz in der Regionalliga auf die Ersatzbank eines Bundesligisten - Meyer findet es traumhaft. Er erklärte: "Für mich geht mit dem Wechsel zum VfB und damit in die Bundesliga ein Kindheitstraum in Erfüllung. Ich habe immer daran geglaubt und hart dafür gearbeitet."

Für den FC Energie ist der Abgang des Stammkeepers so kurz vor Transferschluss natürlich ein kleiner Schock. Aber im Verein kann man dem 26-Jährigen, dessen Vertrag im Sommer ausgelaufen wäre, auch nicht verdenken, dass er nach der Stuttgarter Anfrage am Freitag unbedingt wechseln wollte. Trainer Claus-Dieter Wollitz berichtet: "Wir haben dem VfB unsere Forderungen genannt, die wurden erfüllt." Weil Meyer keine Ausstiegsklausel hatte, konnte Energie eine ordentliche Ablöse einstreichen. Die dürfte im mittleren sechsstelligen Euro-Bereich liegen. Laut "Bild" zahlte der VfB 400 000 Euro. Wollitz wollte diese Zahl nicht kommentieren, beide Vereine haben Stillschweigen vereinbart. Der Trainer erklärte nur: "Wir haben uns nicht abspeisen lassen und bekommen eine Ablösesumme, die den Club weiter stabilisiert."

Wollitz schloss aus, dass dieses Geld wieder komplett in den Kader investiert wird. Er erläutert: "Der Saison-Etat wurde viel früher festgelegt. Es ist wichtig, dass der Verein seiner Linie treu bleibt und auch nicht das Gehaltsgefüge kaputtmacht. Das würde jenen Spielern nicht gerecht werden, die hier ohne Prämie gespielt haben."

Sportlich ist der Abgang des Stammkeepers natürlich dennoch ein herber Verlust. Wollitz betonte: "Wir verlieren einen Führungsspieler, der mit hoher Motivation und absoluter Identifikation für Energie Cottbus gespielt hat. Alex war auch in der Kabine ein wichtiger Faktor." Der Trainer gab zu, traurig über den Abgang zu sein, erklärte aber: "Ich bin auch ein bisschen stolz, dass ein Spieler, den wir vor 13 Monaten aus Havelse geholt haben, jetzt in die 1. Liga wechselt."

Wollitz hofft, dass dieser rasante Aufstieg ein Zeichen für weitere Spieler ist. "Damit haben wir wieder gezeigt, dass man Energie als Sprungbrett nutzen kann." Die Sorge der Fans, dass auch noch Torjäger Streli Mamba dieses Sprungbrett vor dem Ende der Transferperiode betritt, ist indes wohl nicht berechtigt. Der Angreifer verkündete im sozialen Netzwerk "Instagram": "I stay!" Auf Deutsch: "Ich bleibe!"