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| 08:44 Uhr

Fußball
Zwischen Heilsbringer und Hoffnungsträger

Dimitar Rangelov (35) spielt nach 2007 und 2011 zum dritten Mal für Energie.
Dimitar Rangelov (35) spielt nach 2007 und 2011 zum dritten Mal für Energie. FOTO: Christiane Weiland
Cottbus. Die Erwartungen an das Comeback von Dimitar Rangelov bei Energie Cottbus sind groß –  aber auch die Ungewissheit. Am Samstag im wichtigen Heimspiel gegen Jena wird der Sturm-Routinier wieder für den FCE auflaufen.   Von Frank Noack

Seinen Sportwagen stellt Dimitar Rangelov auch am Donnerstagmittag aus alter Gewohnheit weiterhin im hinteren Bereich des Stadions der Freundschaft ab und nicht auf dem offiziellen Spieler-Parkplatz. So wie es der Sturm-Routinier seit August macht, als er bei Energie Cottbus ins Training eingestiegen ist. Doch inzwischen ist der Rückkehrer fester Bestandteil des Teams – mit Vertrag bis Saisonende und mittlerweile auch mit Spielgenehmigung für die 3. Fußball-Liga.

An diesem Samstag im Heimspiel gegen Carl Zeiss Jena (14 Uhr, LR-Liveticker) wird der Ex-Nationalspieler aus Bul­garien, so viel steht fest, sein Comeback im FCE-Trikot geben. Wie er mit Rangelov gegen Jena ganz konkret plant, lässt Trainer Claus-Dieter Wollitz zwei Tage vor dem Spiel auf RUNDSCHAU-Nachfrage aber noch offen. „Wir müssen abwägen, was besser ist: Bank oder Startformation?“

In jedem Fall sind die Erwartungen an den Rückkehrer mit der schillernden Vergangenheit groß. Rangelov spielte schon für Energie Cottbus in der Bundesliga, wechselte anschließend zu Borussia Dortmund und hat 40 Mal für sein Heimatland Bulgarien gespielt. Dass er nach 2007 und 2011 jetzt ein drittes Mal beim FCE unterschrieben hat, hängt auch mit seiner Familie zusammen, die seit Jahren hier in Cottbus wohnt.

Wie gesagt – die Erwartungen sind riesengroß. Einerseits, weil der Drittliga-Aufsteiger aus der Lausitz nach den jüngsten Niederlagen auf den vorletzten Tabellenplatz gerutscht ist und frische Impulse dringend gebrauchen kann. Andererseits, weil Rangelov trotz seiner 35 Jahre eben immer noch Rangelov ist. Trainer Wollitz bezeichnet den Neuzugang als „Mentalitäts­spieler“ und lobt nach den bis­herigen Trainingseindrücken die Willensqualitäten des Routiniers: „Er kann mit Druck umgehen. Sonst wäre er in seiner Karriere nicht so weit gekommen.“

Wer sich in diesen Tagen durch die Fanforen im Internet liest, spürt trotz der aktuellen Talfahrt in der Tabelle sogar eine gewisse Euphorie nach der Verpflichtung von Rangelov. ­Zumal der Blick in die Vergangenheit nur allzu ver­lockend ist. Ein Anhänger erinnert im Kurznachrichtendienst ­Twitter noch einmal an das letzte Bundesliga-Tor des Bulgaren. Das war im März 2010 beim 3:0-Sieg von Borussia Dortmund gegen Bayer Leverkusen. Seine Mitspieler hießen damals Roman Weidenfeller und Sebastian Kehl. Bei Leverkusen – unter ­an­derem mit Sami Hyypiä und Arturo Vidal – wurde ein gewisser Toni Kroos eingewechselt.

Fußballerisch scheint Dimitar Rangelov nicht viel verlernt zu haben. Und in körperlicher Hinsicht ist der 35-Jährige ein ziemlich fitter 35-Jähriger. In den zurückliegenden Wochen seit Ende August hat er nicht nur die Trainingskiebitze im Eliaspark reihenweise verzückt, ­sondern auch Wollitz überzeugt. „Er hat eine unglaublich gute Körpersprache, Zweikampfführung und Ballabsicherung. Und er hat ein ­gutes Timing beim Kopfball sowie einen guten Riecher vor dem Tor“, lautet die Lobeshymne des Trainers – in der Kurzfassung wohlgemerkt.

Die Erwartungen an Rangelov sind sogar so groß, dass sich Wollitz am Donnerstag genötigt sieht, auf die Euphorie-Bremse zu treten. Immerhin hat der Routinier seit Mai kein Pflichtspiel mehr bestritten. Rangelov war zuletzt für Ümraniyespor in der 2. Liga der Türkei aktiv. Das ist erstens schon einige Mo­nate her und zweitens auch nicht der ­Nabel der Fußballwelt.

Viel wird am Samstag beim ­Comeback von Rangelov in der 3. Liga davon abhängen, ob seine Mitspieler die zuletzt spürbare Verunsicherung ablegen können. Auch bei der 1:3-Niederlage bei Fortuna Köln brachte sich Energie Cottbus mit individuellen Fehlen selbst auf die Verliererstraße. Rangelov da, ­alles gut? So einfach wird es nicht gehen. „Wir dürfen uns nicht nur auf ,Mitko‘ als Heilsbringer fokussieren“, warnt Wollitz. „Wir sind alle in der Pflicht, was zu reißen. Wenn alle Spieler die nötige Gier haben, kann er das i-Tüpfelchen sein. Rangelov kann der Mannschaft helfen, aber die Mannschaft muss auch Rangelov helfen.“

Ob in der Startelf oder von der Bank – das muss sich zeigen. Wollitz spielt das mögliche Szenario schon mal durch: „Es ist eminent wichtig, eine starke Bank zu haben. 70. Minute, es steht 1:1 und du kannst einen Spieler wie Rangelov bringen!“ Es wird eine schwere Entscheidung. Wollitz: „Wir müssen die Entscheidung vor dem Spiel treffen. Nach dem Spiel kann ja jeder.“

Als der Rückkehrer am Donnerstagmittag aus seinem Sport­wagen steigt, lehnt er Medienanfragen höflich, aber bestimmt ab und geht in die Kabine. Interviews wolle er erst nach dem Spiel geben, so Rangelov. Und na­türlich will er am Samstag gegen Jena vor allem Taten auf dem Rasen sprechen lassen.


März 2010: Dimitar Rangelov (M.) trifft für Dortmund gegen Bayer Leverkusen.
März 2010: Dimitar Rangelov (M.) trifft für Dortmund gegen Bayer Leverkusen. FOTO: imago sportfotodienst