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Fußball
Wollitz verspricht Energie den Aufstieg

Für seine emotionale Rede am Stadionmikrofon erntete Claus-Dieter Wollitz am Sonntag nach dem Sieg gegen Fürstenwalde einen Jubelsturm.
Für seine emotionale Rede am Stadionmikrofon erntete Claus-Dieter Wollitz am Sonntag nach dem Sieg gegen Fürstenwalde einen Jubelsturm. FOTO: Steffen Beyer
Cottbus. Nach dem 4:1-Sieg gegen Fürstenwalde schwört der Trainer die Fans auf die Aufstiegsspiele ein. Die Liebesbekundungen des Energie-Anhangs tun ihm dabei spürbar gut. Von Jan Lehmann

Gänsehaut, und was für eine! Diese Körperreaktion war ja für viele Energie-Fans in den vergangenen Monaten ein ständiger Begleiter bei Stadionbesuchen. Die winterliche Eiseskälte hatte die Regionalliga zwischendurch sogar richtig eingefroren. Nur im Stadion der Freundschaft konnte dank der Rasenheizung regelmäßig gespielt werden, auf den Tribünen wurde seltener wegen des Ergebnisses, aber oft wegen der Temperaturen gezittert.

Der 4:1 (1:1)-Heimsieg des FCE am Sonntag gegen Union Fürstenwalde, bei dem Maximilian Zimmer (7.), Kevin Scheidhauer (47./82.) und Fabio Viteritti (54./Elfmeter) für Energie trafen,  fand allerdings bei frühsommerlichen Temperaturen statt. Und trotzdem lief es einem gleich mehrmals eiskalt den Rücken herunter. So schon vor Spielbeginn, als die 5121 Zuschauer Energie-Trainer Claus-Dieter Wollitz einen bemerkenswerten Empfang bereiteten. Auf Spruchbändern stand: „Gegen alle Widerstände – Siegen am Ende – Leidenschaft, Charakter & Ehre – Pro Wollitz.“

Nachdem der 52-Jährige am Freitag offenbart hatte, wegen der Querelen mit den Verbänden über sein Karriere-Ende als Trainer nachzudenken, wollte ihm der Cottbuser Anhang deutlich machen, wie sehr der Coach in der Lausitz geliebt wird. Es gab „Pele Wollitz“-Sprechchöre von der Nordwand und einen Tulpenstrauß von der Westtribüne. So viele Emotionen bevor überhaupt der erste Ball rollte, Fußball-Cottbus zeigte sich von seiner äußerst liebevollen Seite.

Wollitz konnte und wollte später nicht verbergen, dass er diese Streicheleinheiten genossen – und sie vielleicht sogar ein bisschen gebraucht hatte. Nach dem 23. Saisonsieg, den Energie nach einer etwas unsortierten ersten Halbzeit dank einer taktischen Umstellung und der Einwechslung von Streli Mamba und Felix Geisler sicher nach Hause brachte, griff der Trainer sogar zum Stadionmikrofon. Zuvor hatten die Cottbuser Fans schon gesungen: „Steht auf, wenn ihr für Wollitz seid“ – und kaum jemand war auf seinem Sitz geblieben. Der Coach bedankte sich für diese hochdosierte Fanliebe und gab sie mit dem ihm eigenen Überschwang zurück: „Wir haben nach 28 Spielen 73 Punkte – dank Eurer Unterstützung. Der FC Energie Cottbus darf richtig stolz auf Euch sein, ich bin es auf jeden Fall.“

Weil der BFC Dynamo abgeschüttelt ist, kann sich Energie mit einem Sieg am Mittwoch im Nachholspiel in Luckenwalde (19 Uhr) bereits die Regionalliga-Meisterschaft sichern. Und deswegen gehen auch die Gedanken von Wollitz in Richtung Aufstiegsspiele. Er schwörte den Anhang ein: „Die Mitglieder, die Sponsoren, die fantastische Mannschaft, die fantastische Fans und alle, die in der Lausitz dazugehören, haben ein Ziel: Am 27. Mai stehen wir hier und feiern den Aufstieg gemeinsam. Weder der DFB noch der Landesverband halten uns auf. Wir kommen wieder in die 3. Liga.“

Der Jubelsturm, der danach im Stadion losbrach, war ein Gänsehautmoment, wie ihn Cottbus zuletzt beim 3:1-Heimsieg gegen Jena in der vergangenen Saison vor mehr als 13 000 Zuschauern erlebt hatte. Für die Aufstiegsspiele will Wollitz noch mehr. Er erklärte in der Pressekonferenz nach dem Spiel: „Ich wünsche mir nichts mehr, als dass es Energie dann vor hoffentlich ausverkauftem Haus schafft.“

Beim Rückspiel um den Aufstieg gegen den Meister der Regionalliga Nord dürfte es nicht nur wegen des nahenden Sommers wohl noch heißer im Stadion der Freundschaft werden – und gleichzeitig die Gänsehautgefahr dennoch weiter steigen. Wollitz ahnt, dass das Publikum eine entscheidende Rolle spielen könnte. Er sagt: „Was diese Region auf der Nordwand und auf der Westtribüne leistet, ist unbezahlbar. Das ist ein Faustpfand.“ Und den hat der Coach spätestens seit Sonntag sicher in der Tasche.