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| 17:42 Uhr

Fußball
Pokalfieber: Zwei Hitzköpfe im Hexenkessel

Energie-Trainer Claus-Dieter Wollitz und Freiburg-Coach Christian Streich sind vom selben Schlag. Am Montag treffen sie aufeinander.
Energie-Trainer Claus-Dieter Wollitz und Freiburg-Coach Christian Streich sind vom selben Schlag. Am Montag treffen sie aufeinander. FOTO: picture alliance / Patrick Seege / Patrick Seeger
Der DFB-Pokalkracher zwischen Energie und Freiburg bietet am Montag auch ein spannendes Duell am Spielfeldrand: Mit Wollitz und Streich treffen zwei impulsive Trainer aufeinander. Von Jan Lehmann

Cottbus Montagabend, Stadion der Freundschaft, Flutlicht – das Pokalfieber steigt: Energie Cottbus empfängt den SC Freiburg (18.30 Uhr/LR-Liveticker) und die Lausitz hofft auf ein Fußballwunder. Die Chancen stehen gut dafür, dass es zumindest ein Spektakel auf dem Rasen und auch am Spielfeldrand gibt. Denn mit Energie-Coach Claus-Dieter Wollitz und Freiburgs Trainer Christian Streich treffen dort zwei höchst emotionale Übungsleiter aufeinander.

Wollitz und Streich, beide Jahrgang 65, sind vom selben Schlag. Beide wirken oft wie  brodelnde Vulkane an der Seitenlinie, manchmal brechen sie spektakulär aus. Wenn ihr Gerechtigkeitssinn Alarm schlägt, sehen sie Rot und geraten mit dem Schiedsrichter oder auch mal mit dem Gegner aneinander. Dann kann man in ihren Gesichtern Wut oder Verzweiflung sehen. Christian Streich erklärte einmal nach einem seiner Ausbrüche zerknirscht: „Diese Bilder haben nicht schön ausgesehen.“

Auch Wollitz ärgert sich über ein Außenbild. Dass er oft auf seine Emotionen reduziert wird, wurmt ihn. Umso mehr lobt er seinen Freiburger Kollegen: „Ihm kann man nur alle Komplimente machen. Da ist ein Trainer sehr erfolgreich, der mit Ruhe und Konzept arbeitet, aber auch mal am Spielfeldrand eine Flasche wegwirft.“ Süffisant fügte er hinzu: „Wenn der Trainer in der Lausitz das macht, dann wird gesagt: Der kann nur Flaschen werfen.“

Wollitz gegen Streich, das ist definitiv nicht nur das Duell der Flaschenwerfer. Beides sind Trainer, die dem Vernehmen nach ein sehr gutes Verhältnis zu ihren Spielern haben. Sie haben nachgewiesen, dass sie aus jungen Talenten erfolgreiche Profis entwickeln können. Ihre Mannschaften tragen ihre Handschrift. Wollitz wie Streich sehen sich als Fußballlehrer. Einer, der das bewerten kann, ist Freiburgs Angreifer Nils Petersen, der einst unter Wollitz den entscheidenden Karrieresprung schaffte. Petersen berichtete: „Beide sind sich sehr ähnlich, bei beiden habe ich sehr viel gelernt.“

Streich wie Wollitz nehmen regelmäßig auch zu gesellschaftlichen Themen Stellung, versuchen innerhalb des Fußballs immer wieder Debatten anzustoßen. Streich hatte sich in der vergangenen Saison mit den Gepflogenheiten bei TV-Übertragungen auseinandergesetzt. Er fragte öffentlich, ob man tatsächlich Richtmikrofone auf die Trainerbänke einsetzen dürfe. Er schimpfte: „Wir werden in Extremsituationen vorgeführt. Das ist ja Wahnsinn.“

Wollitz hingegen war deutschlandweit in aller Munde, als er die Strukturen der Regionalliga und die umstrittene Aufstiegsregelung mit markigen Worten zum Thema machte. Inzwischen gab es erste Änderungen, eine Reform soll folgen.

Nun treffen die beiden Hitzköpfe erstmals mit ihren Teams aufeinander. Nachdem Energie zuletzt dreimal in der ersten Runde zu Hause gegen einen Erstligisten die Segel streichen musste (siehe Extra-Text), wächst in der Lausitz die Sehnsucht nach einer neuen Pokalsensation. Vielleicht so wie im Oktober 2010, als Energie nach Toren von Marc Andre Kruska und Emil Jula die Freiburger mit 2:1 aus der 2. Runde kegelte und dann noch bis ins Halbfinale kam.

Doch Claus-Dieter Wollitz warnt vor überzogenen Erwartungen. Er betonte am Freitag: „Wir werden eine Strategie erarbeiten, die möglichst erfolgversprechend ist. Wer aber davon ausgeht, dass wir gewinnen, der gibt sich Spinnereien hin.“ Wollitz wünscht sich stattdessen „120 Minuten Fußball pur mit fantastischer Stimmung“.

Bisher sind 13 000 Tickets für das Spiel verkauft. Wollitz ahnt: „Wenn du mit dieser Kulisse hier in Führung gehst, dann wird das ein Hexenkessel.“ Also eine Atmosphäre, in der auch beide Trainer an der Seitenlinie zur Hochform auflaufen.

Freiburg-Trainer Christian Streich
Freiburg-Trainer Christian Streich FOTO: Imago Sportdienstfoto GmBH / Oliver Ruhnke