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Fussball
Wollitz sieht Osten in der Relegation benachteiligt

Emotionale Rede: Claus-Dieter Wollitz wirbt für fünf Staffeln und fünf Aufsteiger.
Emotionale Rede: Claus-Dieter Wollitz wirbt für fünf Staffeln und fünf Aufsteiger. FOTO: Michael Hundt / Matthias Koch / Matthias Koch
Cottbus. Der Trainer von Energie Cottbus warnt vor dem vollen Terminkalender im Mai 2018. Eine Teilschuld dafür liegt allerdings im Osten selbst. Um die Reform der Regionalliga wird weiter erbittert gestritten. Von Frank Noack

Tabellenführer Energie Cottbus kann an diesem Samstag mit einem Sieg gegen ­Viktoria Berlin (13.30 Uhr, LR-Liveticker) einen weiteren Schritt in Richtung Relegation machen. Die „Spieltage 35 und 36“, wie Trainer Claus-Dieter Wollitz diese beiden Aufstiegsspiele zur 3.Liga im Mai des kommenden Jahres nennt, bewegen nach wie vor die Gemüter bei den beteiligten Vereinen – und mittlerweile auch beim Deutschen Fußball-Bund (DFB). Die erbitterte Diskussion um die Herstellung des direkten Aufstiegsrechts für die jeweiligen Meister und die damit verbundene Neuauf­teilung der vierthöchsten Klasse hat in dieser Woche neue Nahrung erhalten. Ernst Lieb, Präsident des FC Oberlausitz Neugersdorf, erteilte der möglichen Abschaffung der Staffel Nordost eine Abfuhr. In ­einem Interview der „Bild“-Zeitung erklärt er sarkastisch: „Am besten, der Ost-Fußball wird ganz abgeschafft. Den kann eh ­keiner leiden.“ Dass die Nordost-Regionalligisten aus Sachsen und Thüringen in ­Zukunft womöglich in der Bayern-Staffel mitspielen sollen, hält der Unternehmer für ­keine gute Lösung. Lieb spricht sich dafür aus, die Regionalliga-Nordost auf jeden Fall zu er­halten: „Damit die Leute hier wenigstens noch ein bisschen ­Freude am Fußball haben.“

Die Reaktion von DFB-Vize Dr. Rainer Koch, gleichzeitig Präsident des Bayrischen Fußball-Verbandes, folgte umgehend. Er plädiere zwar für den Erhalt der Nordost-Staffel, weil sie „identitätsstiftend“ sei. Koch stellt in der „Bild“-Zeitung aber auch klar: „Wer das für wünschenswert erachtet, kann dann nicht mehr dafür sein, dass der Meister aufsteigt.“

FCE-Trainer Wollitz sieht das anders. Er warb am Donnerstag mit einer emotionalen Rede erneut für eine ­Übergangslösung als ­Kompromiss: also Beibehaltung der bisherigen fünf Staffeln, aber eben auch ein Aufstiegsrecht für die Meister. „Fünf Aufsteiger in die 3. Liga und fünf Absteiger ­schaden dem deutschen Fußball nicht.“ Zumal gerade der Fußball-Osten mit Vereinen wie dem 1. FC Magdeburg und Hansa Rostock der 3. Liga schon jetzt ­große Kulissen verschaffe.

Wollitz sieht den ­Osten ohnehin massiv benachteiligt und verweist beispielsweise auf den DFB-Pokal. Während hier im Osten von den Amateurclubs nur der ­jeweilige ­Landespokalsieger an der 1. Runde des DFB-Pokals teilnehmen darf, ist in Niedersachsen auch der ­Final-Verlierer qualifiziert. In Westfalen tritt der Oberliga-Meister in einem Entscheidungsspiel ­gegen den bestplatzierten Regionalligisten aus Westfalen an. Und in Bayern dürfen sowohl der Pokal­sieger als auch der Meister im DFB-Pokal mitspielen. Grund für diese Sonderregelungen ist die Mitgliedsstärke dieser Verbände. Wollitz hält dagegen: „Hier wird mit zweierlei Maß gemessen.“ Einmal in Fahrt legt der FCE-Trainer in Richtung DFB nach: „Man kann doch den Fußball im ­Osten gleich ganz zumachen und lieber Halma spielen. Oder wieder Handball auf den Fußballplätzen.“

Auch der volle Terminkalender bereitet Wollitz große Sorgen. Wenn Energie seine angepeilten Ziele erreicht, geht es mit dem Pokalfinale am 21. Mai sowie der Relegation am 24. und 27. Mai Schlag auf Schlag. „Wir reden dann über drei Ausnahmespiele in nur sechs Tagen. Wie soll ein Regionalligist das schaffen?“

Ein spielfreies Wochenende zum Luftholen gibt es im neuen Jahr ­übrigens nicht. Dieses Problem ist allerdings vom Nordosten selbst verschuldet. Denn die meisten anderen Staffeln sind in ihrem Spielplan aufgrund von Mittwoch-Partien schon weiter. Wollitz‘ Befürchtung: Deren Meister könnten daher ausgeruhter in die Relegation gehen als der FCE.

Dass im Nordosten längst nicht ­alles optimal läuft, zeigt auch der uneinheitliche Kurs im Vorfeld des Außerordentlichen DFB-Bundes­tages am 8. Dezember: Eine Einigung, wie sich der Osten dann zur Reformierung der Regionalliga positionieren wird, gibt es bislang nicht.