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| 18:35 Uhr

Fußball
Wollitz schlägt Alarm: „Wir brauchen Hilfe“

Nach dem Auftaktsieg gegen Rostock müssen Maximilian Zimmer und seine Kollegen am Sonntag beim SV Wehen Wiesbaden ran.
Nach dem Auftaktsieg gegen Rostock müssen Maximilian Zimmer und seine Kollegen am Sonntag beim SV Wehen Wiesbaden ran. FOTO: Steffen Beyer
Cottbus. Trotz des starken Auftakts herrscht bei Energie nicht eitel Sonnenschein. Der Trainer schimpft über die Bedingungen. Die Infrastruktur rund ums Stadion bröckelt. Kommt Hilfe aus Potsdam? Von Jan Lehmann

Fast 30 Grad Celsius am Donnerstagvormittag und die Energie-Profis geben Vollgas. Mit einer äußerst intensiven Trainingseinheit bereiten sich die Cottbuser auf das erste Drittliga-Auswärtsspiel beim SV Wehen Wiesbaden (Sonntag, 13 Uhr) vor. Das Tempo in den Trainingsspielen auf kleinem Feld ist extrem hoch, der Schweiß läuft in Strömen. Danach absolvieren die FCE-Spieler noch eine Zusatzeinheit mit Kraftübungen unter der Anleitung vom neuen Fitnesscoach Ken Kaiser. Fabio Viteritti, Doppeltorschütze beim 3:0-Auftaktsieg gegen Hansa Rostock, erklärt mit hochrotem Kopf nach der Einheit: „Nach einem Sieg fühlt man sich immer gut, so macht es Spaß. Es herrscht gute Laune in der Mannschaft, auch wenn bei diesem Wetter das Training etwas schwerer fällt.“

Doch nicht alle sind guter Laune beim FCE. Trainer Claus-Dieter Wollitz ist zwar mit den Trainingsleistungen zufrieden und verzichtet angesichts der Hitze auf die Nachmittagseinheit. Doch Wollitz machen die Bedingungen in Cottbus wütend. Aufgebracht wie schon lange nicht mehr schimpft der Cottbuser Coach über den Zustand der Trainingsplätze. Nicht ordentlich gemäht, nicht ordentlich abgekreidet, nicht ordentlich gewässert, dazu immer mehr Löcher im Rasen – das sind seine Hauptkritikpunkte. Wollitz warnt: „Die Bedingungen werden immer schlechter. Das merken auch die Spieler.“

Dass sein Frust am Donnerstag zwar vermutlich durch ein Missverständnis (siehe RUNDSCHAU-Rasencheck) ausgelöst worden war, ändert nicht viel an der Gemütslage. Dem Coach ist anzumerken, dass es ihn frustriert, ständig die Trainingsplätze wechseln zu müssen und dabei offenbar selten ideale Bedingungen vorzufinden. Energie geht auf die Rasenflächen im Eliaspark und in der Parzellenstraße, nutzt das Gelände am Priorgraben und ist auch beim SV Dissenchen und beim SV Branitz regelmäßig zu Gast. Dass die Spieler teilweise mit den eigenen PKW zum Training fahren müssen, ist für den Trainer ein weiteres Ärgernis. Er betont, dass man sich nicht mit den anderen Drittligisten vergleichen könne. Bei den anstehenden Vertragsverhandlungen – bei gleich 20 Akteuren laufen im Juni 2019 die Arbeitspapiere aus – fehlen ihm so die Argumente, so Wollitz.

Dass ausgerechnet Wollitz über die Trainingsbedingungen schimpft, ist ein Alarmsignal. Schließlich hat er bei seinem ersten Amtsantritt 2009 von den sensationellen Bedingungen in Cottbus geschwärmt und das auch regelmäßig wiederholt. Doch die Infrastruktur ist in die Jahre gekommen. Das weiß auch Energie-Präsident Michael Wahlich. Er sagt: „Die Qualität der Trainingsplätze hat sich wahrscheinlich nicht in den letzten acht Wochen so dramatisch verschlechtert, sicher hat die langanhaltende Hitze die Plätze nicht verbessert. Was einmal gut bis sehr gut war, hält nicht bis in alle Ewigkeit.“ Der FCE-Chef betont: „In den letzten vier Jahren haben wir mit den vorhandenen Möglichkeiten alles getan, um den Qualitätsverlust so gering wie möglich zu halten.“

Doch das reicht offenbar nicht. Wahlich sagt: „Selber können wir diese Lücken nicht schließen, die Möglichkeiten der Stadt sind sehr überschaubar, bleibt das Land. Bei den sprudelnden Steuereinnahmen, der gewollten Förderung des Sportes und somit auch der Anerkennung der Bedeutung des FCE für die Region wäre es sehr wirksam, wenn das Land Brandenburg Möglichkeiten eröffnen könnte, uns zu helfen.“

Kommt Hilfe aus Potsdam? Die benötigt Energie nicht nur bei der Rasenpflege, sondern vor allem bei grundsätzlichen Dingen. Dass das Dach der Turnhalle undicht ist und deswegen das Parkett am Rand schon aufgenommen werden musste, ist nur eine von mehreren Baustellen rund um das Stadion der Freundschaft. Die alte Westtribüne, 1988 gebaut, ist längst in die Jahre gekommen. Und auch an der Osttribüne, die erst 2003 errichtet wurde, sind Renovierungsarbeiten notwendig. Der Verein hatte 2011 das Stadion für knapp zwei Millionen Euro von der Stadt Cottbus gekauft. Doch die Bewirtschaftungskosten von jährlich etwa 1,5 Millionen Euro sind erdrückend.

Trainer Wollitz schlägt Alarm: „Beim Stadion muss dringend etwas passieren. Wir brauchen die Hilfe, sonst ist es bald zu spät. Verein, Stadt und das Land Brandenburg müssen sich zusammensetzen.“ Das scheint tatsächlich nötig, denn beim Ministerium für Bildung, Jugend und Sport, das für die Sportstättenförderung zuständig ist, kennt man die Sorgen des Vereins offenbar nicht (siehe Infobox).

Energie-Präsident Wahlich sieht es aus der Sicht des nüchternen Geschäftsmannes: „Am Ende geht es immer um Geld, vielleicht ist ja unser FCE auch ein Gedanke wert hinsichtlich des Strukturwandels in der Noch-Kohleregion. Die Leute identifizieren sich schon sehr stark über den FCE mit der Region. Gespräche aufnehmen und Lösungen entwickeln wäre für alle gut. Wir sind dafür bereit.“

Claus-Dieter Wollitz
kritisiert die Trainingsplätze. Er sagt: „Die Bedingungen werden jeden Tag schlechter.“ 
Claus-Dieter Wollitz kritisiert die Trainingsplätze. Er sagt: „Die Bedingungen werden jeden Tag schlechter.“  FOTO: Steffen Beyer