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| 17:44 Uhr

Energie Cottbus und der Hallo-Wach-Effekt
Wollitz: Regionalliga - lasst uns unterschreiben

 Trainer Claus-Dieter Wollitz und das Team holten sich in Lotte ­Rückenwind für das Duell gegen Osnabrück.
Trainer Claus-Dieter Wollitz und das Team holten sich in Lotte ­Rückenwind für das Duell gegen Osnabrück. FOTO: fotostand / Fotostand / Weiland
Cottbus. Energie Cottbus muss den Spagat zwischen dem Kampf um den Klassenerhalt in der 3. Liga und der Zukunftsplanung meistern. Am Saisonende laufen viele Verträge aus. Von Frank Noack

Trainer Claus-Dieter ­Wollitz hat die Spieler von Energie Cottbus neulich in der Kabine mit einem bemerkenswerten Angebot überrascht. Sein Angebot lautete: sofortige Vertragsverlängerung auch für die Regionalliga – allerdings zu deutlich reduzierten Konditionen für den Fall, dass der FCE den ­Klassenerhalt in der 3. Fußball-Liga verfehlen sollte.

Wollitz erläutert in der RUNDSCHAU die Details: „Ich habe den Spielern gesagt: ,Kommt, lasst uns die Verantwortung übernehmen. Wir unterschreiben alle für 60 Prozent weniger Gehalt in der Regionalliga.‘ Ich habe auch den Vorstand darüber informiert. Damit würden wir dokumentieren, dass wir unbedingt den Klassenerhalt schaffen wollen. Oder wir korrigieren es dann eben in der kommenden ­Saison.“ Soll heißen: Der direkte Wiederaufstieg wäre dann das Ziel.

Der Vollständigkeit sei hinzugefügt: Dieses Kabinengespräch fand bereits in der Woche vor dem 3:0-Auswärtssieg bei den Sportfreunden Lotte statt. Und es war eine Reaktion von Wollitz auf die mä­ßigen Leistungen beim 1:2 in Jena und dem 1:1-Remis gegen ­Kaiserslautern.

Stimmung hellt sich auf

Inzwischen hat sich die Stimmung dank des Dreierpacks in Lotte aufgehellt und auch die Lage in der Tabelle verbessert. Vor den letzten vier Partien trennt Cottbus lediglich das schlechtere Torverhältnis von der Nichtabstiegszone. In jedem Fall kann der FCE mit Rückenwind in das Spiel gegen den frisch gebackenen Zweitliga-Aufsteiger VfL Osnabrück am Samstag um 14 Uhr gehen.

Was sich dagegen nicht geändert hat: Sämtliche Vertragsgespräche liegen derzeit auf Eis. Wegen der großen Abstiegsgefahr gibt es keine Planungssicherheit: nicht für den Verein, nicht für Wollitz und auch nicht für die Spieler. „Ich rede derzeit mit gar keinem Spieler über die Zukunft. Dazu ist die Situation zu gefährlich“, erklärt der Coach.

Die Arbeitspapiere der meisten Profis laufen am Saisonende aus. Darunter sind Leistungsträger wie José-Junior Matuwila, Kevin Weidlich und Fabo Viteritti. Bei Torjäger Streli Mamba stehen die Zeichen ­sowieso auf Abschied. Von den vier Januar-Neuzugängen haben lediglich Robert Müller und Jürgen Gjasula auch für 2019/20 unter­schrieben. Vorausgesetzt, Energie Cottbus spielt weiter in der 3. Liga.

Während manche Konkurrenten längst die Zukunft planen können, kämpft der FCE möglicherweise bis zum letzten Spieltag am 18. Mai bei Eintracht Braunschweig um den Klassenerhalt. Wollitz macht keinen Hehl daraus, dass es einen ­Umbruch geben muss und auch wird. Weil ­einige Spieler wie zum Beispiel Paul Gehrmann oder  Andrej Startsev in der 3. Liga kaum noch realistische Einsatzchancen haben.

Wollitz formuliert den aktuellen Stand bezüglich möglicher Vertragsverlängerung so: „Wenn ein Spieler bleiben möchte, der unsere Geschichte mitgeschrieben hat und uns auch in Zukunft helfen kann, dann können wir den Vertrag machen. Wer jetzt unter­schreiben möchte, der muss aber für beide Ligen unterschreiben. Das bin ich dem Verein schuldig.“ Eben, weil die Liga-Zugehörigkeit in der kommenden Saison noch ungewiss ist.

Hallo-Wach-Effekt

Übrigens: Das bemerkenswerte Angebot neulich in der Kabine ­führte natürlich zu keiner einzigen Vertragsverlängerung. Es sollte laut Wollitz ohnehin mehr ein ­Hallo-Wach-Effekt sein, um die Spieler noch einmal für den Abstiegskampf zu sensibilisieren. Denn in die 4. Liga zurück wollen weder der Coach noch die Spieler. Wollitz: „Der Aufschrei war natürlich groß, und es ist auch keiner gekommen, der sofort unterschreiben wollte. Das verstehe ich aber.“