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| 19:59 Uhr

Fußball
Wollitz‘ Kniefall vor den Schülern

Youngster, Jubel und der Energie-Sieg FOTO: Steffen Beyer
Cottbus. Energie Cottbus gewinnt auch gegen Wacker Nordhausen. Das Besondere an diesem 2:1 (1:0) ist die extrem junge Mannschaft. Sie ist die Zukunft des FCE und feiert in der Gegenwart einen bemerkenswerten Sieg gegen das „Geld“, findet Trainer Wollitz. Von Frank Noack

Es kommt nicht oft vor, dass Claus-Dieter Wollitz sprachlos ist. Am Sonntag nach dem 2:1 (1:0)-Sieg von Energie Cottbus im Regionalliga-Spitzenspiel gegen Wacker Nordhausen war so ein seltener ­Moment. Der FCE-Trainer versammelte nach dem Schlusspfiff seine Mannschaft am Mittelkreis und bedankte sich mit einer ganz besonderen Geste für diesen hochverdienten Sieg: Wollitz sank auf die Knie! „Ich konnte das diesmal nicht in Worte fassen. Deshalb habe ich mich vor meinen Spielern verneigt und bin auf die Knie gegangen“, erklärt der Coach.

Vor ihm stand in diesem Moment ein wichtiger Teil der Zukunft von Energie Cottbus. Denn den 25. Sieg im 30. Saisonspiel erkämpfte eine bemerkenswert junge Mannschaft. Stammspieler wie Kapitän Marc Stein oder die kongeniale Mittelfeldachse mit Kevin Weidlich, Maximilian Zimmer und Fabio Viteritti hatte  am Sonntagnachmittag dienstfrei. Stattdessen schien Wollitz die halbe Lausitzer Sportschule in die Startelf beordert zu haben. In jedem Fall war es die geballte Kraft des FCE-Nachwuchses. Max Grundmann (19) und Malte Karbstein (20) bildeten das Innenverteidiger-Gespann. Im Mittelfeld kamen Felix Geisler (21) und  Jonas Zickert (20) zum Einsatz. Im Sturm liefen Gabriel Boakye (20 Jahre) und der erst 17-jährige Moritz Broschinski auf.

Ausgerechnet im ersten Spiel nach dem Titelgewinn in der Nordost-Staffel setzte Wollitz also voll auf die Jugend. Bereits am Samstag und damit einen Tag früher als üblich hatte er diesmal  seiner Mannschaft die Aufstellung bekanntgegeben, damit sich die Youngster auch mental auf ihren großen Tag vorbereiten konnten. Das Ergebnis konnte sich sehen lassen. Es war ein Fußball-Feiertag für die jungen Spieler – aber auch für den Coach. „Für mich ist das einer der schönsten ­Siege in meiner Laufbahn, weil diese jungen Spieler immer an sich geglaubt haben. Es ist ein ganz großer Tag für die Zukunft des Vereins“, ­betont Wollitz sichtlich gerührt.

Zu dieser wunderbaren Geschichte der großen Gefühle und Visionen mit Blick auf den angepeilten Drittliga-Aufstieg passt, dass mit Moritz Broschinski ausgerechnet der Jüngste der Jungen in der 30. Minute die Führung erzielte. Und auch der schlaksige Stürmer suchte nach dem Schlusspfiff nach den richtigen Worten: „Ich habe noch nie vor so vielen Menschen gespielt, es war Wahnsinn. Und vor der Nordwand ein Tor zu machen, war ein unbeschreib­liches Gefühl. Und dann noch zu ge­winnen – alles Wahnsinn.“

Wacker-Kapitän Jerome Propheter köpfte vor 5203 Zuschauern im Stadion der Freundschaft in der 68. Minute zwar den zwischenzeitlichen Ausgleich. Aber nur drei Minuten später schoss der kurz zuvor eingewechselte ­Streli Mamba mit seinem 17. Saisontor den FCE endgültig auf die  Siegerstraße.

Dass Energie diesen Erfolg mit einem so jungen Team ausgerechnet gegen den namhaft besetzten Tabellendritten aus Nordhausen erkämpfte, machte den Trainer natürlich noch ein Stück stolzer. ­Neben Torschütze Broschinski gehörte der erstaunlich abgeklärt spielende Grundmann zu den Gewinnern. „Die Jungs haben heute echt ein Ding  rausgekloppt. Einstellung und Identifikation schlagen Geld“, meint Wollitz in Anspielung auf die Finanzkraft von Wacker.

Nur in einem Punkt war der FCE-Trainer nicht ganz glücklich: Er hätte am liebsten auch noch die beiden 17-jährigen Niklas Geisler und Leon Schneider ins Spiel gebracht. Aber selbst der neue Meister darf nur drei Mal pro Spiel auswechseln.

Youngster, Jubel und der Energie-Sieg FOTO: Steffen Beyer