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Fussball
Wollitz: „Fußball hat einen anderen Sinn“

Viel Kampf und manchmal auch Krampf: Kevin Scheidhauer (r.) mit hohem Fuß gegen Kevin Bönisch.
Viel Kampf und manchmal auch Krampf: Kevin Scheidhauer (r.) mit hohem Fuß gegen Kevin Bönisch. FOTO: Torsten Zettl
Bautzen. Energie-Trainer Claus-Dieter Wollitz kritisiert die behäbige Leistung seiner Mannschaft beim torlosen Remis gegen Budissa Bautzen. Für die Gastgeber gab es dagegen eine Belohnung in der Kabine. Von Frank Noack

Für die einen gab es in der Kabine einen Rüffel des Trainers, für die anderen einen Kasten Bier. Das torlose Remis des FC Energie Cottbus bei Budissa Bautzen zeigte am Sonntagnachmittag, wie unterschiedlich die Gefühlslage nach so einem relativ unspektakulären 0:0 sein kann. Auf der einen Seite jubelten die Gastgeber über einen überraschenden, aber verdienten Punktgewinn vor 1345 Zuschauern im Stadion Müllerwiese. Auf der anderen Seite übte Trainer Claus-Dieter Wollitz deutliche Kritik an der über weite Strecken uninspirierten Leistung seiner Mannschaft. „Wenn man Spiele gewinnen will, muss man mehr tun – das haben wir heute nicht getan. Das entspricht nicht der Leistung, die wir bringen müssen und wollen. Das war zu langsam, Fußball hat einen anderen Sinn“, analysierte Wollitz.

Nur eine Woche nach der starken Leistung in der zweiten Halbzeit beim 2:0-Unterzahlsieg gegen Chemie Leipzig kamen die hochfavorisierten Gäste diesmal „nicht auf Touren“, wie es Startelf-Debütant Kevin Scheidhauer selbstkritisch zusammenfasste. Leistungsträger wie der in Leipzig als Doppeltorschütze glänzende Lasse Schlüter oder der nach seiner Einwechslung auftrumpfende Streli Mamba waren diesmal kaum zu sehen. Die beste Torchance des FC Energie – ein Lattentreffer in der 65. Minute – war eher ein Zufallsprodukt, genauer gesagt eine verunglückte Flanke von Andrej Startsev.

Am Ende blieb Cottbus nach dem 0:0 im Oktober bei Lok Leipzig zum zweiten Mal in dieser Saison ohne Torerfolg, weil die Mannschaft viel zu spät zumindest etwas Gefallen an diesem Spiel bei guten äußeren Bedingungen im Stadion Müllerwiese fand. In der Schlussphase erhöhte Energie zwar endlich den Druck. Zu diesem Zeitpunkt hatte Bautzen aber längst den überraschenden Punktgewinn vor Augen und machte seinen ohnehin schon kompakten Abwehrriegel noch kompakter.

„Wir wollten eine hohe Laufbereitschaft zeigen, wenig zulassen und auf Konter spielen – das ist uns gelungen“, meinte Budissa-Coach Torsten Gütschow. „Natürlich habe ich Cottbus schon viel stärker gesehen. Wir sind mit diesem Punkt sehr zufrieden.“ Und dafür gab es dann auch besagten Kasten Bier in der Kabine als Belohnung für die Spieler um Kapitän Franz Pfanne, der gemeinsam mit Martin Hoßmang den Laden zusammenhielt.

Während die Energie-Profis nach dem Schlusspfiff etwas unschlüssig auf dem Rasen herumstanden, fielen sich die Bautzener Spieler in die Arme und feierten das Remis gegen den Tabellenführer gerade so, als wäre er gleichbedeutend mit dem Klassenerhalt. Auch die Budissa-Fans auf den Rängen bewiesen Humor. „Ihr seid nur ein Punktelieferant“, gaben sie dem souveränen, aber am Sonntag irgendwie lethargischen Tabellenführer der Regionalliga nach dem erst dritten Spiel ohne Sieg mit auf die Heimreise.

Apropos Heimreise. Trainer Claus-Dieter Wollitz, der schon während des Spiels seiner Unzufriedenheit immer wieder lautstark Luft gemacht hatte, wäre am Sonntagnachmittag nach eigenem Bekunden „am liebsten sofort losgefahren, um in Cottbus zu trainieren“. Diese zusätzliche Übungseinheit blieb dem Team zwar erspart und auch der Montag ist wie geplant frei. Trotzdem gab Wollitz seiner Mannschaft eine klare Analyse mit auf den Weg: „Das war zu behäbig, zu langsam, zu uninspiriert. Bei einigen Spielern hatte man den Eindruck, sie empfinden dieses Spiel als lästige Pflichtaufgabe, in dem wir irgendwann schon unsere Chance für das Siegtor bekommen werden.“ Diese Chance kam aber nicht, sondern wurde von den couragierten Bautzenern immer wieder mit Schmackes einfach weggegrätscht.

FOTO: Torsten Zettl
Die Bautzener freuten sich über den Punktgewinn wie über einen Sieg. Trainer Torsten Gütschow stimmte in den Jubelgesang der Mannschaft mit ein.
Die Bautzener freuten sich über den Punktgewinn wie über einen Sieg. Trainer Torsten Gütschow stimmte in den Jubelgesang der Mannschaft mit ein. FOTO: Torsten Zettl