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| 11:52 Uhr

Fußball
Wollitz: „Bedrohung für den Klassenerhalt“

Mittelfeldspieler Marcelo (l.) fällt bis zum Jahresende aus.
Mittelfeldspieler Marcelo (l.) fällt bis zum Jahresende aus. FOTO: Steffen Beyer
Cottbus. Die schwere Verletzung von Marcelo verschärft die akuten Personalsorgen bei Energie Cottbus. Trainer Wollitz erklärt, wie er über Neuzugänge denkt. Von Frank Noack

Die 3. Fußball-Liga pausiert zwar an diesem Wochenende – die schlechten Nachrichten für Energie Cottbus nehmen jedoch kein Ende! Mit Marcelo fällt ein weiterer Leistungsträger für lange Zeit aus. Vor dem Landespokal-Spiel an diesem Samstag herrscht akute ­Personalnot.

Wie schlimm hat es Marcelo erwischt?

Der 24-jährige Mittelfeldspieler aus Brasilien klagte bereits unmittelbar nach dem 2:2-Remis in der Drittliga-Partie gegen die Sportfreunde Lotte am Samstag über starke Knie-Beschwerden. Bei den in dieser Woche durchgeführten Untersuchungen gab es dann die traurige Gewissheit: Marcelo hat sich einen Anriss des Innenbandes zugezogen und muss sechs bis acht Wochen pausieren. Das Fußballjahr 2018 ist für ihn damit gelaufen.

Was bedeutet der Ausfall für das Mittelfeld?

Marcelo erzielte gegen Lotte sein zweites Saisontor und ist eine der tragenden Säulen in der Offensive. Von ihm kamen in den vergangenen Wochen viele wichtige Impulse. Durch seinen Ausfall wird die Personalnot speziell in der Mittelfeld-Zentrale immer größer. Tim Kruse hat sich gegen Lotte einen Anriss der Achillessehne zugezogen. Ihm droht sogar das Karriere-Ende. Der im Sommer eigentlich als Kruse-Vertreter geholte Daniel Stanese ist ebenfalls verletzt und fällt bis zur Winterpause aus. Mit Jonas Zickert und Maximilian Zimmer (beide Reha) fallen zwei weitere Mittelfeldspieler aus.

Wie ist der Kader insgesamt auf­gestellt?

Die Verletzten-Misere wird immer dramatischer. Auch die Innenverteidiger Marc Stein (Operation nach Nasenbeinbruch) und Philipp Knechtel (Reha) stehen derzeit nicht zur Verfügung. Mit dem Ausfall von Stein, Kruse sowie Marcelo fallen gleich drei Spieler aus, die eine ganz wichtige Achse im Team bilden und im Grunde genommen nicht zu ersetzen sind – auch aufgrund ihres großen Laufpensums. Etwa 35 bis 40 Kilometer spult das Trio pro Spiel insgesamt ab und liefert damit Woche für Woche Werte im oberen Bereich.

Wie reagiert Claus-Dieter Wollitz?

Geschockt! „Diese vielen Ausfälle tun uns sehr, sehr weh. Sie sind ein echtes Brett und eine existenzielle Bedrohung für den Klassenerhalt“, erklärt der FCE-Trainer. Energie liegt in der Tabelle der 3. Liga zwar auf Rang 12. Aber der Aufsteiger hat nur zwei Punkte Vorsprung zu den Abstiegsrängen. Die verbleibenden fünf Partien bis zur Winterpause werden unter diesen schwierigen personellen Voraussetzungen überaus kompliziert.

Welche Alternativen gibt es?

Sie sind in der Zentrale überschaubar.  Paul Gehrmann ist einer der wenigen Spieler, die als etatmäßiger Ersatz für Kruse infrage kommen. Linksverteidiger Lasse Schlüter spielte zwar gegen Lotte auch im Mittelfeld, tat sich aber auf dieser Position schwer.

„Wir brauchen jetzt viel Fantasie und müssen überlegen, ob wir unser System erneut umstellen“, kündigt Wollitz am Mittwoch auf Nachfrage der RUNDSCHAU an.

Gab es schon einmal eine solche ­Misere?

In der vergangenen Saison musste der FCE zwischenzeitlich ohne Stürmer spielen. Wollitz beorderte damals Mittelfeldmann Fabio Viteritti aushilfsweise in die Spitze. Aufgrund des großen Vorsprungs in der Tabelle und der spielerischen Dominanz fiel das Fehlen der Angreifer nicht wirklich ins Gewicht. Von einer solchen Dominanz ist der Aufsteiger in der 3. Liga – logischerweise – weit entfernt.

Sind jetzt noch weitere Neuverpflichtungen geplant?

Vorerst nicht. Einerseits, weil die finanziellen Möglichkein weiterhin sehr eingeschränkt sind. Und andererseits, weil derzeit nur vertragslose Profis verpflichtet werden dürfen. Sie sind also ohne Wettkampfpraxis und haben in der Regel auch körperliche Defizite, die sie erst aufholen müssen. Also definitiv nein? „Bisher wurden uns keine entsprechenden Spieler angeboten. Falls doch, dann würden wir natürlich nachdenken. Aber es ist schwierig“, sagt Wollitz.

Wie geht es jetzt weiter?

Die erste Bewährungsprobe für den dezimierten Kader gibt es an diesem Samstag im Viertelfinale des Brandenburger Landespokals. Energie spielt ab 13 Uhr beim Oberliga-Vertreter SC Brandenburg Süd. Bereits vor zwei Jahren gab es dieses Duell. In einer hitzigen Partie setzte sich der Favorit zwar mit 3:0 durch – alle drei Treffer durch Benjamin Förster fielen jedoch erst in der zweiten Halbzeit. Das Spiel in Brandenburg dürfte erste Aufschlüsse darüber geben, wie gut der FCE die Verletztenmisere wegstecken kann.

Claus-Dieter Wollitz reagiert geschockt auf die nächste ­Hiobsbotschaft.
Claus-Dieter Wollitz reagiert geschockt auf die nächste ­Hiobsbotschaft. FOTO: Steffen Beyer