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| 18:19 Uhr

Diskussion um Energie Cottbus
Wollitz entschuldigt sich für „Zigeuner“-Gesang

Claus-Dieter Wollitz ist mit Energie in die 3. Liga aufgestiegen.
Claus-Dieter Wollitz ist mit Energie in die 3. Liga aufgestiegen. FOTO: Steffen Beyer
Cottbus. Der Trainer von Energie Cottbus räumt Fehler bei den Aufstiegs-Feierlichkeiten im Stadion der Freundschaft ein. Und er erläutert noch einmal seine Rücktritts-Gedanken. Von Frank Noack

Auch am Tag nach dem langersehnten Fußballfest mit Energie Cottbus steht Trainer Claus-Dieter Wollitz immer noch unter Strom. Entspannung? Sie ist nach wie vor weit weg für den 52-jährigen Coach. „Ich bin immer noch sehr, sehr angespannt“, erklärt Wollitz und bestätigt der RUNDSCHAU erneut mit Nachdruck, dass er im Falle des Scheiterns in den Aufstiegsspielen gegen Weiche Flensburg wohl zurückgetreten wäre.

Dazu kommt die öffentliche Diskussion über die „Zigeuner“-Gesänge von Mannschaft und Trainer bei den Jubelfeierlichkeiten am Sonntag im Stadion der Freundschaft. Die entsprechenden Videos verbreiteten sich in den sozialen Netzwerken rasend schnell und sorgten für eine kontroverse Diskussion. „Trainer, du Zigeuner“, sangen die glückseligen und auch schon mit dem einen oder anderen Bier in Kontakt gekommenen Spieler im Überschwang der Gefühle. „Spieler, ihr Zigeuner“, beantwortete Wollitz den politisch natürlich nicht korrekten Singsang seiner Mannschaft.

Für Wollitz ist es im Nachhinein ein „Fauxpas“. Denn das Wort Zigeuner ist hierzulande mit Klischees beladen und gilt daher als Schimpfwort. „Für diesen Fauxpas möchte ich mich öffentlich entschuldigen. Wir wollten damit niemand beleidigen oder diskriminieren“, sagt Wollitz. „Wir haben uns damit gegenseitig auf den Arm genommen. Aber in der Öffentlichkeit hat so ein Gesang nichts zu suchen. Wie gesagt – dafür möchte ich mich entschuldigen.“

Energie Cottbus ist nicht das erste Team, das sich diesbezüglich in der Tonlage vergreift. Im Mai 2015 sangen die Spieler von Darmstadt 98 nach dem Aufstieg in die Bundesliga auf einer Bühne in der Stadt ironischerweise „Schuster, du Zigeuner“ über ihren Erfolgstrainer Dirk Schuster. Der Hintergrund: Schuster war zuvor im Auswärtsspiel beim Karlsruher SC von den gegnerischen Fans mit diesen Rufen geschmäht worden.

Eine ähnliche Vorgeschichte haben die Gesänge von Energie Cottbus. Aktenkundig ist, dass auch Trainer Claus-Dieter Wollitz in fremden Stadien oft als „Zigeuner“ betitelt worden ist. Als er im Februar 2014 mit Viktoria Köln bei den Sportfreunden Lotte spielte, sprengten Anhänger des VfL Osnabrück die Pressekonferenz und beschimpften Wollitz – unter anderem als „Zigeuner“.

Genau wie damals in Darmstadt wurden diese eigentlich negativ gemeinten Rufe jetzt auch von den Energie-Profis aufgegriffen – jedoch in positiver Absicht, um den Trainer auf den Arm zu nehmen. Nach RUNDSCHAU-Informationen erstmals nach dem Auswärtsspiel beim FSV Luckenwalde im April, als sich Energie den Meistertitel in der Regionalliga Nordost gesicherte hatte und auf der Rückfahrt im Bus gefeiert wurde. Dass dieser interne Gesang am Sonntag auch in der Öffentlichkeit angestimmt worden ist, bedauert Wollitz: „Das war überflüssig.“

Den sportlichen Druck will Wollitz in den nächsten Tagen für sich verarbeiten. Obwohl sich sein Vertrag durch den Aufstieg automatisch bis 2020 verlängert, hat er sich Bedenkzeit vom Verein erbeten. Eine Trennung dürfte allerdings kein Thema sein, weil die erfolgreiche Mannschaft die Handschrift des Trainers trägt.

Allerdings wäre das Team im Falle des Nichtaufstiegs auseinander gebrochen. Spieler wie Maximilian Zimmer, Fabio Viteritti, Kevin Weidlich und Streli Mamba haben ihre Drittliga-Tauglichkeit nachgewiesen. Deshalb habe er sich durchaus mit dem Thema Rücktritt beschäftigt, räumt Wollitz ein: „Diesen sportlichen Substanzverlust hätten wir nicht auffangen können. Gerade vor dem Rückspiel gegen Flensburg habe ich eine enorme Verantwortung und Druck gespürt – so groß wie noch nie in meiner Karriere als Spieler und auch als Trainer.“