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Energie Cottbus
Wollitz denkt wieder an Streik

Viel Beifall hatte Energie-Trainer Claus-Dieter Wollitz für seinen Streikaufruf im Februar nicht bekommen. Doch nun ist die Diskussion zumindest im Gang.
Viel Beifall hatte Energie-Trainer Claus-Dieter Wollitz für seinen Streikaufruf im Februar nicht bekommen. Doch nun ist die Diskussion zumindest im Gang. FOTO: Beyer / Matthias Koch
Cottbus. Pünktlich 19 Uhr soll am Freitag der Ball rollen: Energie Cottbus empfängt die zweite Mannschaft von Hertha BSC und könnte im Stadion der Freundschaft einen Rekord einstellen: Neun Siege nach neun Spielen hat bisher nur der Hamburger SV II in der Saison 2014/15 in der Regionalliga Nord geschafft und hält damit den Bestwert aller fünf Staffeln. Diese Marke kann nun auch der FCE erreichen. Jan Lehmann

Die Cottbuser sind trotz personeller Sorgen am Freitag Favorit - wenn nicht noch ein Streik dazwischen kommt. Nein, keine Sorge. Davon ist aktuell nicht auszugehen, auch wenn Trainer Claus-Dieter Wollitz am Mittwoch erneut laut darüber nachdachte.

Der FCE-Coach erneuerte jene Idee, mit der er im Februar bundesweit für Schlagzeilen gesorgt hatte: einen Streik aller Viertligisten - aus Protest gegen die umstrittene Regelung, dass die fünf Regionalliga-Meister nicht direkt aufsteigen dürfen. Damals sagte er: "Derjenige, der es anschiebt, ist am Anfang immer der Idiot." Am Mittwoch erklärte Wollitz: "Ich bleibe dabei: Wenn einer seine Tarife durchbringen will, muss gestreikt werden. Wenn man nicht anders zum Ziel kommt, dann sollte man das weiter in Betracht ziehen."

Der Cottbuser reagierte damit auf den sich abzeichnenden Reformstau: Der DFB hat zwar nach langem Zögern auf die Kritik reagiert und sucht nun nach einer Lösung. Doch die ist nicht in Sicht. Die Vereine der Landesverbände kommen derzeit zusammen, um zu erörtern, wie die Aufstiegsregelung entschärft werden könnte. Am Mittwoch fuhr FCE-Präsident Michael Wahlich nach Brandenburg an der Havel. Die Vertreter des Nordostdeutschen Fußballverbandes gaben dort am Abend bekannt, dass sie eine neue 4. Liga anstreben. "Eine zwei- oder dreigleisige 4. Liga als DFB-Spielklasse mit nachfolgenden bewährten Regionalstrukturen trägt der leistungsorientierten Entwicklung des Fußballsports in Deutschland Rechnung", heißt es in einer Erklärung.

Von anderen Seiten gibt es auch schon Positionierungen. So wehren sich die Drittligisten gegen eine Aufstockung der 3. Liga auf 22 Teams mit fünf Absteigern. Und aus Bayern kommt der Vorschlag, dass es künftig vier Drittliga-Aufsteiger geben soll: Die Meister der Staffeln Südwest und West steigen direkt auf. Bayern, Norden und Nordosten spielen zwei weitere Aufsteiger aus. Wollitz reagierte darauf mit Sarkasmus: "Das ist ja ein fantastischer Vorschlag. Mehr Ungerechtigkeit gibt es ja gar nicht."

Der FCE-Coach glaubt offenbar nicht an eine schnelle Lösung. Er erklärte: "Ich möchte mich letztmalig zu diesem Thema äußern, weil es mir nichts bringt - es kostet nur Energie." Stattdessen gelte seine Konzentration dem Regionalliga-Alltag. Wollitz betonte: "An die Relegation denke ich noch gar nicht." Das Beispiel Hamburger SV zeigt, dass dies gar nicht so verkehrt ist. Denn trotz des Startrekordes wurden die HSV-Reserve am Ende jener Rekord-Saison nur Dritter.

Zum Thema:
Streli Mamba (23) befindet sich nach seinem leichten Muskelfaserriss bereits wieder im erweiterten Training. Coach Wollitz sagte: "Wenn es nach ihm gehen würde, wäre er bereits am Freitag einsatzbereit." Felix Geisler (20) wird wegen seiner angeschwollenen Sprunggelenke stationär im Carl-Thiem-Klinikum behandelt. Wollitz: "Ihm geht es zwar etwas besser, aber seine Beschwerden müssen noch genauer untersucht werden." Paul Gehrmann (22) fällt mit einer schweren Grippe für das Spiel gegen Hertha BSC II aus. Maximilian Zimmer (25) hat nach seinen muskulären Problemen bisher ohne Beschwerden durchtrainiert.