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"Wir setzen alles auf Zickert"

Sein letztes Spiel bestritt Jonas Zickert (r.) im Mai 2016.
Sein letztes Spiel bestritt Jonas Zickert (r.) im Mai 2016. FOTO: Imago/img1
Cottbus. Jonas Zickert soll bei Energie die Lücke im Mittelfeld schließen, die Joshua Putze hinterlässt. Ein Risiko? Ja, aber ein kalkuliertes Risiko. Frank Noack

Beim Sieg von Energie Cottbus im Finale des Landespokals gegen Luckenwalde war Jonas Zickert (19) auf dem Rasen wieder mittendrin - allerdings nur bei den Feierlichkeiten nach dem Schlusspfiff. Während der 90 Minuten saß der seit über einem Jahr verletzte Youngster oben auf der Tribüne und drückte seinen Mitspielern die Daumen. In Zukunft will er aber auch während des Spiels wieder kräftig mitmischen. Denn spätestens nach dem Abschied von Mittelfeldmotor Joshua Putze, der in die 3. Liga wechseln wird, gilt Jonas Zickert mehr denn je als Energies Hoffnungsträger für die neue Spielzeit in der Fußball-Regionalliga. Trainer Claus-Dieter Wollitz hält große Stücke auf das Eigengewächs und betont: "Wir setzen alles auf Zickert."

Ganz schön viel Verantwortung für einen Youngster, der wegen eines Kreuzbandrisses seit mehr als einem Jahr kein Spiel mehr bestritten hat. Rückblende: In der Abstiegssaison 2015/16 gehört Zickert in der entscheidenden Phase trotz seiner Jugend schon zu den entscheidenden Spielern. Trainer Wollitz - der die Mannschaft fünf Spieltage vor Schluss übernimmt - setzt beim Kampf um den Klassenerhalt auf junge Spieler wie Felix Geisler und eben Zickert. Im ersten Spiel unter Wollitz wird er in der Schluss viertelstunde eingewechselt. Es folgen zwei Einsätze in der Startformation, jeweils über 90 Minuten. Und dann kommt der verhängnisvolle 7. Mai 2016 und das Spiel beim FC Rot-Weiß Erfurt. Energie gewinnt zwar dank eines Kopfballtores von Uwe Möhrle mit 1:0 und wahrt die Chancen auf den Klassenerhalt. Für Jonas Zickert endet die Partie jedoch mit einem schmerzhaften Rückschlag in seiner noch jungen Karriere. Nach 63 Minuten muss er mit Verdacht auf Kreuzbandriss vom Rasen. Eine Diagnose, die sich später bestätigten sollte.

Nicht nur eine Woche später bei der folgenschweren 2:3-Niederlage im letzten Saisonspiel gegen den FSV Mainz 05 II wird seine Aggressivität im Mittelfeld vermisst. Energie steigt ab und Zickert beginnt seinen langen Kampf um das Comeback nach dem Kreuzbandriss.

Dabei sollte der Youngster beim Neuaufbau in der Regionalliga eigentlich eine tragende Rolle übernehmen. Stattdessem kam Zickert bei der Vorstellung des neuen Teams beim Kiebitztag im Juli 2016 mit einer Knie-Schiene ins Stadion der Freundschaft gehumpelt.

Diese schmerzhafte Vergangenheit will er nun endgültig hinter sich lassen. Reden mag Zickert, der seine Karriere im Nachwuchs der SG Groß Gaglow vor den Toren von Cottbus begonnen hat, derzeit über seine Schritte zurück auf den Rasen nicht, sondern sich lieber ganz auf das Comeback konzentrieren.

Dafür lässt Trainer Claus-Dieter Wollitz keinen Zweifel daran, dass er für die kommende Saison fest mit Zickert plant, der wegen der langen Verletzungspause quasi wie ein Neuzugang zählt. Die große Wertschätzung für den Youngster spiegelt sich auch in den personellen Überlegungen nach dem Abschied von Joshua Putze wider. Denn Wollitz hat nach dem Pokalsieg gegen Luckenwalde auf Nachfrage der RUNDSCHAU noch einmal klargestellt, dass er keinen Ersatz für Putze holen will. Die entstandene Lücke im Mittelfeld soll Jonas Zickert schließen.

Wollitz geht dabei ganz bewusst ein gewisses Risiko ein, weil er von den Fähigkeiten Zickerts überzeugt ist. Nach einer so langen Pause soll der Youngster einerseits behutsam aufgebaut werden, andererseits wird er auch recht schnell Verantwortung als Putze-Ersatz übernehmen müssen. Es ist jedoch ein kalkuliertes Risiko, dass Wollitz mit Zickert eingeht. Der Coach will genau hinschauen, wie der Mittelfeldspieler durch die Saisonvorbereitung kommt: "Nur, wenn es nicht funktioniert, müssen wir schauen, ob wir dann auf dieser Position was machen."

In den vergangenen Wochen wurde Jonas Zickert Schritt für Schritt ans Mannschaftstraining herangeführt. Auch das Ergebnis eines Laktattests, so heißt es, sei vielversprechend. Eine gute Kondition wird Jonas Zickert brauchen. Er soll schließlich nicht mehr nur die Daumen drücken.

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