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| 18:58 Uhr

Cottbus gewinnt gegen Fortuna Köln
Wiederbelebung des FCE mit dem Holzhammer

 Nach dem Freistoß-Tor von Fabian Holthaus erzielte Streli Mamba (oben) kurz vor Schluss den Siegtreffer.
Nach dem Freistoß-Tor von Fabian Holthaus erzielte Streli Mamba (oben) kurz vor Schluss den Siegtreffer. FOTO: Steffen Beyer
Cottbus. Energie Cottbus wankt gegen Köln, holt sich dank später Tore aber den wichtigen Heimsieg. Der Druck vor dem Spiel in Jena bleibt trotzdem groß. Von Frank Noack und Jan Lehmann

Zwischen Sieg und Niederlage liegt manchmal nur ein einziger Freistoß. So mancher Zuschauer dürfte sich nach dem völlig verrückten Spiel am Samstagnachmittag gefragt haben: Was wäre eigentlich mit Energie Cottbus passiert, wenn Fabian Holthaus in der 80. Minute den Ball aus knapp 30 Metern nicht mit der Gewalt eines Holzhammers ins Tor, sondern irgendwo auf die Nordwand gezimmert hätte?

Denn nach diesem wunder­schönen Ausgleichstor erzielte Streli Mamba vier Minuten vor Schluss sogar noch den 4:3 (2:2)-Siegtreffer gegen Fortuna Köln und löste damit einen nicht mehr für möglich gehaltenen Freudentaumel im ­Stadion der Freundschaft aus.

FCE-Trainer Claus-Dieter Wollitz atmete nach dem Schlusspfiff tief durch. „In den letzten Spielen hätten wir oft den Sieg verdient gehabt, haben uns aber nicht belohnt. Deshalb müssen wir uns diesmal nicht für diesen glücklichen Sieg entschuldigen. Wir haben ein Tor mehr erzielt als der Gegner“, sagte Wollitz.

Es war ein Heimsieg vor 6184 Zuschauern, der Energie Cottbus das Leben im Kampf um den Klassenerhalt in der 3. Fußball-Liga zurückgab. Selbst ein Remis wäre wahrscheinlich zu wenig gewesen. Eine Niederlage – und danach sah es bis zu dieser 80. Minute sowie dem Freistoß-Hammer von Holthaus aus – hätte die Chancen des Aufsteigers in den verbleibenden sieben Partien dramatisch verschlechtert. Dank des Dreiers allerdings ist der Abstand auf die Nichtabstiegszone von fünf auf zwei Punkte geschmolzen. Und in der Partie bei Carl Zeiss  Jena am Samstag kann Energie ­weiter ­Boden gutmachen.

Dass der in den vergangenen Wochen zu Recht für seine spielerisch wertvollen Auftritte hochgelobte FCE gegen Köln einen derartigen Freistoß-Hammer benötigte, um die Partie doch noch zu seinen Gunsten zu entscheiden, sagt viel über die Leistung in dieser Schlüsselpartie aus. Die Gastgeber gingen zwar bereits in der 7. Minute durch einen Foulstrafstoß von Jürgen Gjasula in Führung und durften sich in der 23. Minute auch noch über ein tolles Tor von Marcelo de Freitas freuen, der von der Strafraumgrenze abzog. Zwischendurch unterliefen Tor­hüter Kevin Rauhut jedoch zwei schwere Patzer. Nach den Treffern von Kevin Scheu (20.) und Moritz Fritz (42./Foulstrafstoß) ging es mit einem 2:2-Remis in die Kabine.

In der Halbzeitpause sei die Enttäuschung „unfassbar groß“ gewesen, berichtete Wollitz später. Diese Enttäuschung und der Druck des Gewinnen-Müssens schienen die Mannschaft dann in Halbzeit zwei regelrecht zu lähmen. Energie gelang fast nichts mehr. Die Zweikämpfe gingen verloren, die meisten Bälle landeten beim Gegner. Und als erneut Moritz Fritz in der 74. Minute das dritte Tor für Köln erzielte, drohten die Niederlage und wahrscheinlich sogar noch viel mehr Ungemach. Ja, Energie Cottbus wankte für einen Moment bedrohlich der 4. Liga entgegen.

Energie Cottbus - Fortuna Köln FOTO: Steffen Beyer

Eben bis zur 80. Minute, als Fa­bian Holthaus den Hammer rausholte und mit dem Ausgleich der Mannschaft neues Leben einhauchte. „Der Ball lag zu zentral, eine Flanke wäre nur halbgar gewesen. Wir trainieren das im Training immer wieder und die Jungs haben mir gesagt: ,Wenn du heute einen Freistoß hast, dann hau drauf‘“, freute sich Holthaus über sein erstes Saisontor.

Energie Cottbus lebt also noch, doch der Kampf um den Klassenerhalt geht weiter. „Jeder Spieler muss zeigen, ob er mit dem Druck umgehen kann. Gegen Köln haben wir es phasenweise nicht geschafft. Das war für eine Heimmannschaft zu wenig“, warnte Trainer Wollitz. „Ich hoffe, dass alle Spieler das Ergebnis richtig einordnen.“

Zumal mit Jürgen Gjasula der derzeit wohl wichtigste Spieler mit einer Oberschenkelprellung verletzt raus musste. Sein Einsatz in Jena ist fraglich. Daniel Bohl kassierte seine 5. Gelbe Karte und wird am Samstag definitiv fehlen. Dafür meldete sich Tim Kruse nach langer Verletzungspause zurück.

In jedem Fall liegen zwischen Energie und dem Klassenerhalt in der 3. Liga noch einige Siege.