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| 02:40 Uhr

Wie Weselsky: Wollitz will den Warnstreik

FOTO: Montage Schubert/LR
Cottbus. Der Trainer von Energie Cottbus ruft alle Fußball-Regionalligisten auf, gemeinsam aus Protest gegen die Bedingungen in der 4. Liga nicht anzutreten. Er kritisiert den DFB und den Nordostdeutschen Fußballverband scharf und sagt: "Es muss etwas verändert werden." Jan Lehmann

Wenn sich Energie-Trainer Claus-Dieter Wollitz noch Schnurrbart und sächsischen Akzent zulegt, dann könnte er Claus Weselsky, dem Chef der Gewerkschaft der Lokführer (GDL) Konkurrenz machen. Doch Spaß und Schnurrbart beiseite, Wollitz hat am Donnerstag mit einem Streik-Aufruf aufhorchen lassen. Der Coach will nicht weniger als die Regionalliga-Revolution. Er sagt: "Ich fordere die Regionalligisten auf - nicht nur Nordost, sondern alle fünf Staffeln - komplett in den Streik zu gehen und den Fußball zu revolutionieren." Ein Aufruf, der Wellen schlagen wird. Die RUNDSCHAU erklärt, was dahinter steckt.

Warum ist der FCE-Trainer so sauer?

Die Regionalliga ist eingefroren. Nur die Spiele in Cottbus (Samstag, 13.30 Uhr gegen Schönberg) und in Jena finden dank Rasen heizung statt. Alle anderen Partien sind abgesagt. Die Plätze sind gefroren - im Februar keine Überraschung. Der Wettbewerb ist verzerrt, im April drohen englische Wochen. Der Nordostdeutsche Fußballverband (NOFV) verweist aber darauf, dass man in der Vergangenheit mit diesem Spielplan gut gefahren sei. Wollitz sagt aber: "Wenn so viele Spiele ausfallen, muss man den Spieltag komplett absagen. Sonst sind alle Türen für Spekulationen geöffnet."

Streikt Energie schon am Samstag?

Energie könnte einfach die teure Rasenheizung ausstellen und die Partie am Samstag wegen der Eiseskälte absagen. Doch diese Art Streik will Wollitz nicht. Er betont, dass es eine gemeinsame Aktion geben müsse. Für Energie befürchtet er bei einem Alleingang Nachteile und erklärt süffisant: "Wir müssten dann nach holen. Das wird um 10.30 Uhr morgens angesetzt - weil vielleicht ein Lkw von Berlin nach Polen gebracht werden muss." Hintergrund dieser Aussage: Das FCE-Spiel bei RB Leipzig II war auf Donnerstagmittag terminiert, weil die Polizei die Partie sonst nicht hätte absichern können.

Warum attackiert Wollitz den DFB?

Wollitz sieht die Viertligisten vernachlässigt. Er attackiert den Deutschen Fußball Bund (DFB): "Der DFB interessiert sich dafür, dass die Nationalelf funktioniert, dass viel Geld eingespielt wird und dass hohe Geldstrafen ausgesprochen werden." Eine Lobby für kleine Clubs sieht er hingegen nicht: "Was bei der Nationalmannschaft geleistet wird, ist sensationell. Aber wie der DFB die kleinen Vereine unterstützt, ist in Lächerlichkeit nicht zu überbieten."

Wie soll der Streik aussehen?

Wollitz plädiert für die große Provokation: "Gar nicht antreten. Das heißt: 13 Uhr sind die Schiedsrichter da, aber keine Mannschaften." Angesichts der großen wirtschaftlichen und sportlichen Unterschiede in den Regionalligen sieht Wollitz erhebliche Probleme darin, einen gerechten Wettbewerb auszutragen. Die Aufstiegs relegation, das engste Nadelöhr im deutschen Fußball, macht ihn ebenfalls wütend: "Jetzt machen sie einen großen Aufruhr, weil 46 Vereine bei der WM spielen. Aber das ein Erster nicht auf steigen darf - darüber macht sich keiner Gedanken" Der Cottbuser befürchtet langfristige Folgen: "Das macht nicht nur den Wett bewerb kaputt - sondern auch die Vereine. Auf Dauer werden die Sponsoren das nicht mehr tragen und die Fans erst recht nicht."

Zum Thema:
Angreifer Benjamin Förster steht vor der Rückkehr in die Mannschaft. Nach seiner Oberschenkelverletzung soll Förster im besten Fall schon am kommenden Dienstag wieder mit dem Team trainieren. Das teilte Trainer Claus-Dieter Wollitz am Donnerstag mit. Für die Partie gegen Schönberg ist Förster kein Thema, genau wie die Langzeitverletzten Philipp Knechtel, Jonas Zickert und Alexander Meyer. Ob Neuzugang Marcelo zum Kader gehört, will Wollitz kurzfristig entscheiden.