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FC ENERGIE COTTBUS
Wie viel Geduld darf sich Energie leisten?

Weil Streli Mambas Muskel streikt, ist Gabriel Boakye (r.) derzeit der einzige FCE-Angreifer. Und dabei ist der Kanadier ein gelernter Verteidiger.
Weil Streli Mambas Muskel streikt, ist Gabriel Boakye (r.) derzeit der einzige FCE-Angreifer. Und dabei ist der Kanadier ein gelernter Verteidiger. FOTO: mkc1
Cottbus. Der Regionalliga-Spitzenreiter kann die Verletzungsmisere im Sturm einfach aussitzen – oder handeln. Eine schwierige Entscheidung. Jan Lehmann und Frank Noack

Acht Spiele, acht Siege - für Energie Cottbus läuft es in der Regionalliga Nordost bestens. Und dennoch beschäftigt die Energie-Fans die Situation im Angriff. Mit Benjamin Förster (Syndesmosebandriss) und Streli Mamba (Muskelfaserriss) fallen beide etatmäßigen Angreifer aus. Einziger Ersatz ist der 19-jährige Kanadier Gabriel Boakye. So wird unter den Anhängern diskutiert: Wie viel Geduld darf sich Energie beim Warten auf die Rückkehr der Stürmer leisten? Die RUNDSCHAU beantwortet die wichtigstens Fragen.

Wie steht es um Mambas Muskel? Die Diagnose "leichter Faserriss" lässt Raum für Spekulationen. Vier Wochen Ausfallzeit sind für den Toptorjäger offiziell eingeplant. Heißt: Zum Heimspiel gegen den SV Babelsberg am 14. Oktober wäre er wieder fit. Mamba würde zuvor die Spiele gegen Hertha BSC II (Freitag, 19 Uhr) und Lok Leipzig (3. Oktober) verpassen. Zudem steht auch noch die Landespokalpartie beim Sechstligisten FSV Bernau an. Intern gibt es sogar die Hoffnung, dass der 23-Jährige noch schneller fit wird. Zuletzt war Mamba in seiner alten Heimat Stuttgart beim VfB zu Gast und zeigte sich bei "Instagram" auf der VIP-Tribüne der Mercedes-Benz-Arena.

Ist Boakye ein adäquater Ersatz?

Der Kanadier zeigte sich einsatzfreudig und bereitete den BAK-Verteidigern mit seiner kantigen, unorthodoxen Art Probleme. Allerdings strahlte er nicht allzu große Torgefahr aus. Das ist nicht verwunderlich: Der kanadische U20-Nationalspieler kam als gelernter Abwehrspieler nach Cottbus.

Sucht Energie nun fieberhaft nach einem vertragslosen Stürmer?

Nein. Sicher werden Optionen geprüft. Doch die Geduld und das Vertrauen in den Kader sind offenbar groß. Besonders die Mittelfeldreihe mit den torgefährlichen Spielern wie Fabio Viteritti, Maximilian Zimmer oder Marcelo soll den Sturm-Ausfall kompensieren.

Was ist mit Boubacar Sanogo? Die Gerüchte um eine Rückkehr des Ex-Cottbusers halten sich. Doch Trainer Claus-Dieter Wollitz macht klar: "Wenn Sanogo verpflichtet wird, bin ich weg. Das geht nicht gegen Sanogo, aber das wäre gegen unsere Philosophie." Energie setzt auf die Entwicklung junger Spieler. Der 34-Jährige, der über die Vereinigten Arabischen Emirate und Indien in Indonesien gelandet war, passt da nicht ins Konzept.

Wer wären weitere Alternativen?

Im Kader gibt es keinen weiteren Stürmer. Bei der U19 traf zuletzt der 17-jährige Moritz Fedder doppelt und ist mit vier Toren bester Cottbuser Schütze. Trainer Wollitz kündigte derweil an, im Training auch mal Verteidiger Malte Karbstein in der Offensive testen zu wollen. Abwehrspieler in vorderster Front - das kennt man in Cottbus: Kevin McKenna war einst so ein stürmender Verteidiger, der für Aufregung im gegnerischen Strafraum sorgen konnte. Er traf im Aufstiegsjahr 2005/06 insgesamt zehnmal für Energie. Und Uwe Hünemeier erzielte in der Saison 2010/11 immerhin neun Zweitliga-Tore als FCE-Verteidiger. Der Energie-Trainer hieß damals Claus-Dieter Wollitz.

Wie geht es im Winter weiter?

Entscheidend für die Transferüberlegungen im Winter ist der Genesungsprozess bei Benjamin Förster. Sollte der 27-Jährige im Januar nicht wieder im Training stehen, muss der FCE wohl etwas tun. Während Cottbus in diesen Tagen angesichts der Dominanz in der Regionalliga auch mal ohne die beiden besten Angreifer auskommt, sieht das 2018 anders aus. Im Liga-Endspurt und in den erhofften Relegationsspielen benötigt Energie unbedingt eine fitte Angriffsreihe in Aufstiegsform.

Zum Thema:
Berlin (dpa/jal) Die Beleidigung der Spieler von Energie Cottbus als "Söldner" hat den Stadionsprecher des Berliner AK den Job gekostet. "Das geht natürlich gar nicht, das ist nicht im Interesse unseres Vereins. Wir haben ein gutes Verhältnis zu Cottbus", so BAK-Sportdirektor Mehmet Öztürk am Montag.

Benjamin Förster trägt den linken Fuß in Gips.
Benjamin Förster trägt den linken Fuß in Gips. FOTO: Frank Hammerschmidt