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| 16:21 Uhr

Cottbus
Hauptsache die Fans sind glücklich

 René Schlodder kümmert sich unter anderem um die Versorgung an der Westtribüne. Wenn er nicht gerade am Stand steht und Bier und Essen verkauft schaut er wo gerade Not am Mann ist.
René Schlodder kümmert sich unter anderem um die Versorgung an der Westtribüne. Wenn er nicht gerade am Stand steht und Bier und Essen verkauft schaut er wo gerade Not am Mann ist. FOTO: LR / Stephan Meyer
Cottbus. Wie erleben Energieanhänger die Spiele des FCE, die hinter den Kulissen arbeiten? René Ullrich und seine Kollegen von Schlodder Gastronomie sind für das Stadion-Catering verantwortlich. Von Stephan Meyer

Wirklich lange an ein und demselben Ort im Stadion der Freundschaft ist René Ullrich nicht anzutreffen. Ständig ist der 50-jährige Cottbuser unterwegs. In den Sitzreihen auf der Haupttribüne oder auf Nordwand sucht man ihn jedoch vergebens. Der Energie-Fan ist für Schlodder-Gastronomie tätig. Das Unternehmen ist für das Catering im Stadion der Freundschaft verantwortlich – angefangen bei Bier und Bratwurst bis zur Bewirtung der VIP-Gäste. Ulrich ist so etwas wie der „Mann für alle Fälle“, wie er selbst schmunzelnd über sich sagt. Er ist für Westtribüne samt VIP-Bereich und die Südwand zuständig. Wenn er nicht selber an seinem Stand Schnitzelbrötchen und Bier an die hungrigen und durstigen Stadiongäste verkauft, geht er dahin wo er gerade gebraucht wird. Wenn es Probleme gibt, klingelt sein Telefon. Ullrich ist zu Stelle, ganz egal, ob eine Kasse an einem Imbiss-Stand defekt ist, ein Zapfhahn nicht richtig will oder irgendwo Brezeln nicht mehr vorrätig sind. Seine Prognose zum Klassenerhalt vor dem letzten Heimspiel der Saison gegen Aalen: „Ich denke das wird sich alles erst mit dem letzten Spiel entscheiden“.

Das zweite Wohnzimmer

Seit 1995 ist Schlodder Gastronomie für die Verpflegung im Stadion der Freundschaft zuständig. Ullrich ist von Anfang an dabei. Die meisten Mitarbeiter des Unternehmens versichert Katja Schlodder, die den Betrieb zusammen mit ihrer Mutter führt, sind Energie Fans. Auch, wenn das Stadion an Spieltagen ihr Arbeitsplatz ist, „für viele ist das schon so etwas wie ihr zweites Wohnzimmer“, erklärt die Gastronomin. René Ullrich ist von Anfang an mit dabei. Für ihn und die meisten seiner Kollegen fängt ein Heimspieltag im Stadion schon weit vor dem Anpfiff der jeweiligen Partie an. „Die ersten Mitarbeiter kommen bereits um 5.30 Uhr“, sagt Katja Schlodder. Dann werden unter anderem die Brezeln gebacken. Auch die Köche für die VIP-Bewirtung sind dann schon da. Ab um 7 Uhr werden die unzähligen Brötchen vorbereitet, die am Spieltag über die Imbisstheke gehen.

Alle Fußball-Ligen mitgemacht

Am letzten Heimspiel der Saison gegen den VfR Aalen sind 90 Personen im Cateringbereich tätig. Wie viele Personal, Getränke, Bratwürste, Brezeln und mehr benötigt werden, wird am Dienstag vor den Spieltagen ermittelt. Schlodder Gastronomie steht im Kontakt mit dem Verein, erfährt von ihm wie viele Karten im Vorverkauf weggingen und mit wie vielen Gästen an den Tageskassen zu rechnen ist. „Wir haben da natürlich auch schon unsere Erfahrung“, so Katja Schlodder, die beim Spiel gegen Aalen an einem Getränkewagen hinter dem Haupteingang Nord Bier und Limo ausschenkte. Von der Regionalliga bis zur Bundesliga war das Catering-Unternehmen immer dabei. Hat Ligapartien wie auch DFB-Pokal-Spiele mitgemacht – von durchschnittlich 7000 Gästen in der 3. Liga bis zum ausverkauften Stadion mit rund 22 500 Gästen. Viele Mitarbeiter gehören zum festen Team. Aber es sind auch welche darunter, die nur gelegentlich tätig sind, für eine Saison als Nebenjob.

Gute Vorbereitung ist alles

Der größte Ansturm an die Imbiss-Stände ist natürlich vor Anpfiff und in der Halbzeitpause. Wer jedoch denkt, die Mitarbeiter von Schlodder Gastronomie hätten während des Spielverlaufs wenig zu tun irrt. Viel müsse vorbereitet werden, damit die Gäste in der Halbzeitpause nicht unnötig lange warten müssen, erklären die Mitarbeiter einstimmig. Kurz vor dem Abpfiff zur Pause werden unter anderem Bierbecher vorgezapft, die ersten Bratwürste auf den Grill gelegt oder das Wasser für die Bockwürste warm gemacht. Doch Missgeschicke lassen sich nicht immer vermeiden. So kann ein Bierfass auch mal inmitten des größten Gästeandrangs zu Ende gehen. Dann muss ein neues angesteckt werden. Und auch danach dauert es noch ein paar Minuten, bis das nächste Bier über die Theke gehen kann. „In der zweiten Spielhälfte geht es dann schon langsam an das Aufräumen“, erklärt Ullrich. Aber es werden auch Lebensmittel an die Nachbarstände gegeben. Hat ein Kollege keine Brezeln mehr und ein anderer genügend, wird verteilt.

Drei bis vier Minuten Spielgeschehen

Bei all dem Trubel haben die Caterer kaum Gelegenheit das Spielgeschehen zu verfolgen. Kurz nach dem 1:0 in der 12. Spielminute nutzen zwei Mitarbeiter die Gelegenheit und huschen auf die Westtribüne. Nach wenigen Minuten sind sie wieder zurück. „Von den Spielen bekomme ich in der Regel gar nichts mit“, gibt Ullrich zu. Wenn er drei bis vier Minuten einer Partie sieht, sei das viel. Traurig ist er deshalb nicht. „Wenn die Fans glücklich sind, ist alles gut“. Über die Stimmung könne er schon so manches ableiten. Ist es eine Weile lang sehr still oder die Fans kommen überdurchschnittlich früh vor dem Pausenpfiff zum Bierstand, ahnt Ullrich schon, dass der FCE zurückliegt. Doch sobald es laut wird, bekommt auch er Gänsehaut. „Ich finde es einfach toll, wenn die Nordwand herüber ruft ´Hallo Westtribüne` und hier zurückgewinkt wird.“ Nach einer Partie sind die Caterer circa bis 18 Uhr oder 19 Uhr im Einsatz. Dann ist auch für sie der Spieltag vorbei. Mit seiner Prognose zum Klassenerhalt hat Ullrich am Ende Recht behalten.