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| 14:47 Uhr

Wettlauf um die Drittliga-Lizenzen
Lizenz-Hintertürchen für Energie wieder kleiner

 KFC-Maskottchen Grotifant jubelt über den Uerdinger Pokalsieg gegen Wuppertal.
KFC-Maskottchen Grotifant jubelt über den Uerdinger Pokalsieg gegen Wuppertal. FOTO: imago images / MaBoSport / via www.imago-images.de
Cottbus. Kann Cottbus trotz des Abstiegs in die 3. Liga nachrücken? Die RUNDSCHAU beleuchtet die Lage der drei Wackelkandidaten. Von Jan Lehmann und Frank Noack

KFC Uerdingen: Der 2:1-Finalsieg gegen den Wuppertaler SV im Niederrhein-Pokal wurde in Krefeld ausgiebig gefeiert und auch als wichtige Weichenstellung für die Zukunft gewertet. Investor Mikhail Ponomarev hatte im Stadion in Wuppertal mit sichtbarem Genuss gemeinsam mit seiner Familie die Pokalübergabe an das Team von Trainer Heiko Vogel verfolgt. Sieht so jemand aus, der ans Aussteigen denkt? Eher nicht.

Zuvor hatten die Uerdinger allerdings erneut Besuch vom Gerichtsvollzieher. Das berichtet „Bild“. Ein Berater von Uerdingens Ex-Trainer Michael Wiesinger hatte den Verein wegen einer ausgebliebenen Vermittler-Provision verklagt und Recht bekommen. Gezahlt hat der Club von Alleinherrscher Ponomarev allerdings nicht. Medienberichten zufolge soll der Gerichtsvollzieher beim KFC ein- und ausgehen.

Die „Rheinische Post“ schreibt über Ponomarev, dass es rund 30 juristische Streitigkeiten gebe und verdeutlicht sein Geschäftsgebaren: „Dass die rechtlichen Auseinandersetzungen mit einem Makel behaften sind, ist für Ponomarev schwer zu verstehen“, so die Zeitung: „Aus seiner Sicht ist es ganz einfach: Werden die vertraglich zugesicherten Leistungen erbracht, zahlt er. Wenn nicht, zahlt er nicht. Dann muss das vor Gericht geklärt werden. Darin sieht er nichts Unehrenhaftes, sondern einen normalen Geschäftsvorgang.“

Unklar ist in Uerdingen weiterhin, ob Ponomarev das Geld für die Lizenz zum Verbleib in der dritten Liga hinterlegt. Die Rede ist von gut einer Million Euro. Diskussionen gibt es auch um das Stadion Grotenburg. Nachdem Ponomarev von der Stadt Unterstützung bei der Stadionrenovierung gefordert hat, hat der Stadtrat breite Zustimmung signalisiert. Allerdings gibt es auch eine Initiative gegen diese Hilfe: „11 Millionen Euro für 2000 bis 3000 Fans, aber für Radwege und Straßensanierung fehlt Geld? Finde den Fehler!“, schreiben die Gegner.

In Krefeld hat man weiter Angst, dass Ponomarev des Vereins irgendwann überdrüssig wird, dann droht der Absturz in die 5. Liga. Spielerberater Jörg Neblung schreibt bei „Twitter“: „Gehen beim KFC_Uerdingen die Lichter nun ganz aus? Mit Gläubigern wie mir wird sowieso nicht kommuniziert, Spieler warten auf Prämien und der Verein agiert nicht im Markt, dafür verstärkt der Investor seine Bemühungen um Roda Kerkrade.“

Dem Vernehmen nach verhandelt Ponomarev um den Einstieg beim niederländischen Zweitligisten. Laut Berichten aus Holland hat die Uefa nun ihr Veto eingelegt, weil Ponomarev noch beim KFC Uerdingen involviert sei. Niemand weiß so recht, wie der KFC-Präsident in den kommenden Tagen agieren wird. Allerdings hat der Verein auch Fakten für die kommende Saison geschaffen: Der Trainingsbeginn wurde auf den 17. Juni terminiert.

MSV Duisburg: Der Zweitliga-Absteiger hatte große finanzielle Sorgen, dürfte den Wettlauf mit der Zeit bis Dienstag um 17 Uhr aber wohl gewinnen. Bis dahin müssen die Meidericher alle Unterlagen für den Lizenzantrag nachreichen. Dafür musste zuvor eine Finanzlücke in Millionenhöhe geschlossen werden. Zuletzt hatte der Stadtrat eine Million Euro für die Stadiongesellschaft beschlossen – und so die Miete des MSV für die Arena deutlich verringert. Zudem soll es Einsparungen beim Personal geben.

Mehr als drei Millionen Euro sollen zwischenzeitlich gefehlt haben. Inzwischen sind es laut „Westdeutsche Allgemeine Zeitung“ nur noch 200 000 Euro. Beim MSV Duisburg ist man zuversichtlich, das Geld noch auf den letzten Metern zusammenzubekommen.

Chemnitzer FC: Beim Regional­liga-Meister muss man ebenfalls um die Lizenz bangen. Der von Insolvenzverwalter Klaus Siemon geleitete Club muss Auflagen erfüllen. Zuletzt gab es Irritationen, weil ein Notvorstand bestellt wurde. Das gefällt Siemon gar nicht, weil das nach einem Machtkampf beim CFC riecht. Laut „Bild“ seien „Investoren, Partner und Sponsoren irritiert“ und die Lizenz gefährdet.

Sollte der Aufsteiger keine Lizenz bekommen, rückt eigentlich der nächste Regionalligist aus dem Nordosten nach. Der Berliner AK hat allerdings keine Drittliga-­Lizenz beantragt, auch Nordhausen hat Probleme mit dem Stadion. Der ­Albert-Kuntz-Sportpark entspricht nicht den Anforderungen. Sollte kein Viertligist zum Spielbetrieb zugelassen werden, könnte Energie als Viertletzter ebenfalls nachrücken.

 KFC-Maskottchen Grotifant jubelt über den Uerdinger Pokalsieg gegen Wuppertal.
KFC-Maskottchen Grotifant jubelt über den Uerdinger Pokalsieg gegen Wuppertal. FOTO: imago images / MaBoSport / via www.imago-images.de