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| 09:29 Uhr

Energie Cottbus
Webers Wahnsinns-Woche: Von Null auf Bayern in drei Tagen

 26. September 2007: Eine Stunde lang hält Energie Cottbus mit Interimstrainer Heiko Weber bei den Bayern in der Allianz-Arena das 0:0. 
26. September 2007: Eine Stunde lang hält Energie Cottbus mit Interimstrainer Heiko Weber bei den Bayern in der Allianz-Arena das 0:0.  FOTO: Imago Sportdienstfoto GmBH
Cottbus. Heiko Weber erlebte sein einziges Erstliga-Spiel als Trainer ausgerechnet mit Energie Cottbus gegen Rekordmeister Bayern München. Der heutige Coach des ZFC Meuselwitz erinnert sich an das Erlebnis Allianz-Arena und verrät, dass sein damaliger Nachfolger ihm völlig unbekannt war. Von Jan Lehmann

Wenn man heute Heiko Weber auf diesen 26. September 2007 in der Münchner Allianz-Arena anspricht, dann gibt sich der 54-Jährige ganz cool. „Das Fluidum war schon etwas Besonderes, aber letztlich wird dort auch nur Fußball gespielt.“ „Nur Fußball“ – so locker hakt der heutige Coach des Cottbuser Regionalliga-Konkurrenten ZFC Meuselwitz jene Partie ab, die in seiner Trainerstatistik als einziges Erstliga-Spiel vermerkt ist. Bayern München gegen Energie Cottbus, mit Stars wie Mark van Bommel oder Franck Ribéry beim Rekordmeister – und Interimscoach Weber auf der FCE-Bank.

Es musste schnell gehen: Petrik Sander war zuvor bei Energie am Samstag gefeuert worden. Sein Co-Trainer Thomas Hoßmang hatte am Sonntag mitgeteilt, dass er aus Solidarität zu Sander nicht für die ihm angedachte Interimsrolle zur Verfügung stehe. Energie stand unter Druck, weil am Mittwoch das Spiel in München anstand.  So wurde Weber, der  als Coach der Cottbuser U23 in der Regionalliga noch sieglos war, am Montag eingesetzt.

Von Null auf Bayern in drei Tagen – so beginnen manchmal große Geschichten. Doch Weber sah es damals schon realistisch: „Ich bin nicht nach Cottbus gekommen, um hier Trainer der ersten Mannschaft zu werden. Aber ich bin Angestellter des Vereins. Wenn ich gefragt werde, ob ich einspringen kann, dann helfe ich natürlich.“

 Als Coach des ZFC Meuselwitz kommt Heiko Weber wieder im September nach Cottbus.
Als Coach des ZFC Meuselwitz kommt Heiko Weber wieder im September nach Cottbus. FOTO: Steffen Beyer

FCE-Manager Steffen Heidrich machte sich derweil auf die Suche nach einem Sander-Nachfolger. Jürgen Kohler, Klaus Augenthaler oder gar Lothar Matthäus wurden gehandelt. Weber indes versuchte, die Mannschaft auf die Mammutaufgabe vorzubereiten. Er betonte: „Wir brauchen eine andere Körpersprache.“ Seine eigene Körpersprache in München war dabei vorbildlich. Weber agierte mit ruhigen Gesten. Dass alle Kameras auf den Erstliga-Novizen gerichtet waren, schien ihn nicht zu beeindrucken. Weber sagt heute: „Ich habe von dem Drumherum gar nicht so viel mitbekommen, weil ich mich auf das Spiel konzentriert habe. An die ersten 60 Minuten habe ich eine sehr gute Erinnerung.“

Eine Stunde lange hielt die Mannschaft um Torhüter Tomislav Piplica und den heutigen FCE-Kapitän Dimitar Rangelov ein 0:0. Erst als Miroslav Klose zum 1:0 traf, brachen die Dämme. Die Bayern schossen ein 5:0 heraus. Die Vorlage zum Endstand gab der 17-jährige Bundesliga-Debütant Toni Kroos. „Es ist dann so gelaufen, wie es oft gegen die Bayern läuft“, berichtet Weber rückblickend. „Wir haben es taktisch ganz gut gemacht. Aber wenn das erste Tor fällt, wird es schwer.“

Dass es für ihn bei diesem nur einen Erstliga-Spiel in seiner Bilanz blieb, nimmt Weber dem FCE nicht krumm. Er sagt: „Ich habe wirklich nur positive Erinnerungen an Cottbus. Ich wollte als junger Trainer dort lernen. Das waren top Voraussetzungen. Die erste Mannschaft in der Bundesliga, die zweite Mannschaft drittklassig. Das muss man sich mal vorstellen“, betont der 54-Jährige und fügt an: „Weil ich ja noch keinen Fußballlehrer-Schein hatte, war für mich klar, dass es nach dem Bayern-Spiel nicht weitergeht.“

Dass allerdings der Slowene Bojan Prasnikar als neuer FCE-Coach vorgestellt wurde, überraschte Weber dann doch. „Ganz ehrlich, ich kannte ihn nicht. Aber er hat mit Energie die Klasse gehalten, deswegen war er eine gute Wahl “, sagt Weber.

Dass Energie inzwischen in die 4. Liga abgestürzt ist, empfindet Weber als „sehr traurig“. Er sagt: „Cottbus war gerade im Nachwuchs ein Vorzeigeprojekt. Dieser Verein hatte allemal das Zeug für die 2. Liga.“ Nun aber trifft Weber mit Meuselwitz am 15. September wieder in der Regionalliga auf den FC Energie. Neben dem Berliner AK und Wacker Nordhausen hat er die Cottbuser als Favoriten auf der Liste.

Großartige Tipps für das Pokalspiel am Montagabend will er nicht geben. „Man darf sich nicht nur hinten reinstellen. Aber da hat der Trainer bestimmt seinen Plan. Ich hoffe, sie können in Cottbus diesen Tag auch ein bisschen genießen“, sagt Weber, der damit deutlich machen will: Dieses ausverkaufte Spiel, auf das die ganze Region hinfiebert, ist am Ende genau das gleiche wie damals in der Münchner Allianz-Arena: eben auch nur Fußball.

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