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| 17:45 Uhr

Der nächste Stammspieler verlässt Cottbus
Wirbel um Abschied von Energie-Profi Weidlich

 In drei Jahren bei Energie Cottbus war Kevin Weidlich Führungsspieler und zeitweise sogar Kapitän.
In drei Jahren bei Energie Cottbus war Kevin Weidlich Führungsspieler und zeitweise sogar Kapitän. FOTO: Steffen Beyer
Cottbus. Zu hohe Gehaltsforderungen oder gar kein Vertragsangebot – warum verlässt mit Kevin Weidlich ein weiterer Stammspieler den FC Energie Cottbus? Sein Abschied schlägt hohe Wellen. Der Verteidiger und auch Trainer Wollitz beziehen Stellung. Von Jan Lehmann und Frank Noack

Der Ball rollt wieder, auch für Kevin Weidlich. Mit seinen typischen ausladenden Schritten spurtete der 29-Jährige am Mittwoch über den Rasen – allerdings nicht beim Trainingsstart von Energie Cottbus. Stattdessen war Weidlich in seiner Heimatstadt Hamburg im Einsatz.Er kickte dort im schwarzen Freizeitshirt mit Freunden wie ­George Kelbel von Rot Weiß Erfurt.

Zuvor hatte Weidlich mit seinem Abschied vom FCE für Wirbel in den sozialen Netzwerken für Wirbel gesorgt. Dass auch er den Verein verlässt, kam dabei nicht ganz so überraschend, schließlich haben inzwischen fast alle Stammspieler der 2018er-Aufstiegsmannschaft der Lausitz nach dem Abstieg den Rücken gekehrt.

Für Aufruhr sorgte aber seine Formulierung: „Ich habe bis zuletzt gewartet, Euch diese Nachricht mitzuteilen, da die Entscheidung wirklich unfassbar schwierig war und ich unter anderem gewartet habe, ob der Verein auf mich zu kommt.“

Weidlich betonte, dass er gern weiter mit Stolz das Energie-Trikot getragen hätte und fügte bei  hinzu: „Ich wurde nach der Saison von keinem vom Verein kontaktiert, weder von der Geschäftsstelle noch vom Trainer! Es gab kein einziges Telefonat und somit auch keine Verhandlungen bzw. eine zu hohe Gehaltsforderung von mir.“

Besonders diese Feststellung sei ihm sehr wichtig, betonte Weidlich auf RUNDSCHAU-Nachfrage. Er wünsche dem Verein weiter alles Gute, die Zeit bei Energie sei die aufregendste Phase seiner bisherigen Karriere gewesen, betonte er. Aus den Wirrungen um seinen Abschied wolle Weidlich „keine Riesensache“ machen.

Für viele Fans ist das inzwischen aber eine Riesensache. Lässt Energie Cottbus da etwa einen Stammspieler einfach ziehen? Weidlich hat in drei Jahren 114 Pflichtspiele für den FCE absolviert und erzielte dabei 20 Tore, unter anderem so wichtige wie den 1:0-Siegtreffer im Pokalfinale in Babelsberg.

Trainer Claus-Dieter Wollitz erklärte am Donnerstag auf RUNDSCHAU-Nachfrage die Hintergründe. Laut Wollitz habe es gut einen Monat vor dem Saisonende jeweils Gespräche mit Kevin Weidlich und Fabio Viteritti über deren Zukunft gegeben. Im Beisein des gesamten Trainerteams habe man angeboten, die Verträge sofort zu verlängern: für die 3. Liga und – natürlich zu angepassten Konditionen – für die Regionalliga. „Auch nach einer Bedenkzeit gab es damals keine Rückmeldung“, so Wollitz rückblickend.

In der entscheidenden Saisonphase im Kampf um den Klassenerhalt sowie in der Woche vor dem Landespokalfinale bei Optik Rathenow gab es dann keinerlei Vertragsverhandlungen. Diese Gespräche lagen wegen der Fragezeichen bezüglich der wirtschaftlichen Situation des Vereins bis zur gemeinsamen Sitzung von Präsidium und Verwaltungsrat am 31. Mai auf Eis.

Nach dieser Sitzung gab Präsident Werner Fahle die „Mission Wiederaufstieg“ als Saisonziel aus. Als der wirtschaftliche Rahmen für das neue Team klar war, habe man sich nach Angaben von Wollitz dann jedoch gegen eine Kontaktaufnahme mit Kevin Weidlich entschieden. „Das ist das Ergebnis einer sportlichen und finanziellen Abwägung. Ich bitte um Verständnis, dass wir über die Gründe im Detail in der Öffentlichkeit nicht sprechen können“, sagt Wollitz.

Der Coach will eine Rückkehr von Weidlich zwar nicht ausschließen. Die nach wie vor gültige Entscheidung gegen eine Kontaktaufnahme sei auf der Basis der aktuellen wirtschaftlichen Situation des Vereins getroffen worden. Wirklich realistisch ist es aber wohl nicht, dass Weidlich sein schwarzes Shirt noch einmal gegen das neue rote Energie-Trikot eintauscht.