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Wann kann Viteritti wieder jubeln?

Sieben Tore und sieben Vorlagen – besser als Fabio Viteritti war in dieser Regionalliga-Saison bisher niemand. Doch ein Mittelhandbruch bremst den Topscorer nun aus.
Sieben Tore und sieben Vorlagen – besser als Fabio Viteritti war in dieser Regionalliga-Saison bisher niemand. Doch ein Mittelhandbruch bremst den Topscorer nun aus. FOTO: dpa
Cottbus. Vorm Trainingsstart gibt es beim FC Energie drei Sorgenkinder: Keeper Alexander Meyer und Björn Ziegenbein könnten bald wieder fit werden, aber hinter Fabio Viteritti stehen große Fragezeichen. Wann kann der Topscorer wieder jubeln? Ein komplizierter Handbruch bremst ihn aus. Jan Lehmann

Per Satellit könnte Trainer Claus-Dieter Wollitz seine Profis überwachen - wenn er denn wollte. Die Pulsgurte, die seine Spieler tragen, wenn sie ihre Lauf-Hausaufgaben absolvieren, liefern die GPS-Daten sofort nach Cottbus. Wollitz betont: "Es geht nicht um die Überwachung, jeder Spieler ist für sich selbst verantwortlich. Doch so können wir bei technischen Problemen sofort eingreifen."

Praktisch: Die alte Spielerausrede "Meine Pulsuhr hat nicht funktioniert" kann somit im Fußballmuseum in der Abteilung "Kreative Wahrheitsbeugung" abgelegt werden. Gleich neben dem Christoph-Daum-Schwur "Ich tue das, weil ich ein reines Gewissen habe" und der überlieferten Thorsten-Legat-Legende. Der soll bei Schalke einst sein Fehlen beim Training mit dem Tod seiner Mutter begründet haben. Daraufhin wollte Manager Rudi Assauer persönlich kondolieren. Als er klingelte, öffnete ihm der Legende nach - na wer schon? - Mutter Legat.

Doch bei Energie sind derzeit keine Ausreden nötig. "Es gibt nichts zu beanstanden", sagt Trainer Wollitz, der die Profis am Montag zur ersten Einheit wieder in Cottbus erwartet. Die Profis haben alle Aufgaben erfüllt, Verteidiger José-Junior Matuwila postete bei Facebook ein Video, das ihn bei Tempoläufen zeigt. Sein Kommentar: #NobodyCanStopThisTrain ("Niemand kann diesen Zug stoppen.")

Also alles gut im Cottbuser Satellitenbahnhof? Nein! Bei Fabio Viteritti, Alexander Meyer und Björn Ziegenbein blieben die Pulsuhren aus. Bei Keeper Meyer ist der Innenbandriss zwar verheilt, doch nun hat der 25-Jährige Schmerzen an der Patellasehne. Björn Ziegenbein hat Probleme mit der Risswunde am Schienbein, die er sich im letzten Spiel des Jahres gegen Lok Leipzig zugezogen hatte.

Die größten Sorgen gibt es allerdings um Fabio Viteritti. Der Topscorer der Liga (sieben Tore und sieben Vorlagen) hatte sich gegen Leipzig einen Spiralbruch des Mittelhandknochens zugezogen und musste operiert werden. In seiner Heimat an der Schweizer Grenzer setzte ihm ein Handchirurg eine Metallplatte ein.

Wer jetzt denkt, dass Viteritti ja Gott sei Dank kein Handballspieler ist, verkennt die Situation. Trainer Wollitz berichtet: "Fabio darf die Hand nicht bewegen. Es ist ein schwieriger Bruch, der Knochen darf sich nun nicht verschieben."

Für Viteritti heißt das: "Ich durfte bisher nur den Arm hochlegen. Das ist wirklich hart für mich, gerade weil ich auf so einem guten Fitnesslevel war." Am Donnerstag wurde dem 23-Jährigen in Cottbus eine Schiene angefertigt, jetzt kann er mit dem Lauftraining beginnen. "Ich hoffe, dass ich es bis zu unserem ersten Punktspiel bei RB Leipzig II im Februar packe."

Ein spannender Wettlauf mit der Zeit - genauso spannend könnte der Vertragspoker um Viteritti werden. Seine Arbeitspapiere in Cottbus laufen vorerst nur bis zum Juni - verlängern sich aber im Falle des Aufstiegs in die 3. Liga um ein Jahr. Trainer Wollitz will nun vorsorgen und den wohl besten Spieler der bisherigen Regionalliga-Saison auch für den Fall binden, dass Energie das Ziel Aufstieg noch einmal in Angriff nehmen muss.

Der Trainer betont: "Ich würde sehr gern länger mit Fabio arbeiten." Und auch der Profi scheint nicht abgeneigt: "Ich habe mich in Cottbus so schnell wie noch nirgends superwohl gefühlt. Die professionellen Bedingungen sind überragend. Ich werde mir in den Gesprächen natürlich genau anhören, wie der Verein plant." Klingt so, als ob der Satellit Viteritti noch einige Zeit länger um Cottbus kreisen könnte.