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Von Kubis bis zum Aus gegen Mainz 05

14. Juni 1997 Das Spiel der Spiele für Energie Cottbus im DFB-Pokal: Der FCE bestreitet das Finale gegen den VfB Stuttgart und schreibt Geschichte – trotz 0:2-Niederlage.
14. Juni 1997 Das Spiel der Spiele für Energie Cottbus im DFB-Pokal: Der FCE bestreitet das Finale gegen den VfB Stuttgart und schreibt Geschichte – trotz 0:2-Niederlage. FOTO: dpa
Cottbus. Ein Streifzug durch die Auftritte von Energie Cottbus in der 1. DFB-Pokal-Runde mit dem finalen Höhepunkt gegen den VfB Stuttgart. Frank Noack und Steven Wiesner

Rein statistisch gesehen stehen die Chancen von Energie Cottbus in der 1. DFB-Pokal-Runde gegen den VfB Stuttgart an diesem Sonntag (18.30 Uhr) nicht schlecht. Genaugenommen sogar fast 50:50! Denn für den FCE ist es die 21. Teilnahme am DFB-Pokal - zwölf Mal überstand der jetzige Regionalligist dabei die 1. Runde.

50:50? Gegen einen Bundesliga-Aufsteiger ist es trotzdem nur ein statistischer Wert, zumal der FCE in seiner Pokal- Historie dank der sechsjährigen Zugehörigkeit zur höchsten deutschen Spielklasse oftmals auch selbst Favorit war und damals die Statistik aufpolieren konnte. Allerdings bekam der Club auch in dieser Zeit schon zu spüren, dass der Pokal buchstäblich seine eigenen Gesetze hat.

Los geht das Auf und Ab von Energie Cottbus im DFB-Pokal eigentlich in der Saison 1991/92. Damals muss der FCE nach dem Neustart in der Amateur-Oberliga Nordost, Staffel Mitte, in der sogenannten Ausscheidungsrunde gegen Wacker Nordhausen ran und verliert vor 450 Zuschauern im Stadion der Freundschaft mit 0:2.

Was sicher nicht mehr vielen Fans der Region im Gedächtnis ist: Trotzdem nimmt Cottbus in dieser Saison an der 1. Runde teil, nämlich Lok Cottbus. Gegen den VfB Oldenburg gibt es eine 0:3-Niederlage.

Das erste DFB-Pokal-Tor für Energie schießt dann Sven Kubis in der Saison 1995/96. Er trifft bei der 1:2-Niederlage des damaligen Nord-Regionalligisten gegen Zweitligist SV Meppen. 2500 Zuschauer kommen zu dieser Premiere des FCE im DFB-Pokal.

Der Aufstieg in den Profi-Fußball im Jahr 1997 bringt dann auch gleich den Höhepunkt in der Cottbuser DFB-Pokalhistorie. Beim 1:0-Heimsieg gegen die Stuttgarter Kickers ahnt noch niemand, dass Energie bis in das Pokalfinale durch marschieren würde. Jörg Woltmann erzielt damals das Tor, das der Wegbereiter bis in das Endspiel im Berliner Olympia-Stadion sein sollte. Am 14. Juni 1997 verliert der FCE zwar 0:2 gegen den VfB Stuttgart, der damals wie heute als Bundesligist haus hoher Favorit war und ist. Trotzdem verewigt sich Energie in den Geschichtsbüchern des deutschen Pokalwettbewerbs.

Es ist der Startschuss für ein Auf und Ab der Rot-Weißen im DFB-Pokal. Ein Jahr nach dem Finale übersteht Energie zwar die 1. Runde durch ein 4:1 beim unterklassigen SV Pansdorf in Schleswig-Holstein. Danach ist Endstation, als Cottbus bei Waldhof Mannheim eine 3:4-Niederlage kassiert.

Richtig kurios wird es Mitte der 2000er-Jahre, als man sage und schreibe dreimal in Folge gegen Rot-Weiß Essen in der 1. Runde antreten muss. 2005/06 gewinnt Energie noch das Duell mit 5:4 im Elfmeterschießen. Ein Jahr später folgt eine 0:1-Niederlage im Stadion an der Essener Hafenstraße. 2007/08 verliert Energie im Elfmeterschießen mit 5:6. Dabei hatte Abwehrspieler Marius Kukielka damals vor dem Spiel gefordert, dass man Essen keinesfalls auf die leichte Schulter nehmen dürfe. "Niemand sollte glauben, dass die Konstellation Erstligist gegen Regionalligist etwas über die Chancen von uns aussagt." Während des Elfmeter-Krimis versagten dann auch dem in dieser Partie als Kapitän spielenden Kukielka die Nerven.

2010/11 setzt der FCE mit Trainer Claus-Dieter Wollitz nach einem 2:1-Erfolg beim TuS Heeslingen in Niedersachsen zu einem weiteren Höhenflug an, der erst im Halbfinale in Duisburg (1:2) endet.

Bei den letzten beiden Auftritten im DFB-Pokal ist der FCE als Drittligist jeweils Außenseiter. 2014/15 liefern die Lausitzer dem HSV einen harten Kampf und unterliegen im Elfmeterschießen 1:4. 2015/16 gibt es eine glatte 0:3-Niederlage gegen den FSV Mainz 05.

Torsten Mattuschka erlebte die Partie gegen Mainz auf dem Feld mit und erinnert sich: "Das war eine Wahnsinns-Atmosphäre. Da hat man gesehen, was in Cottbus möglich ist." Deswegen hält er auch gegen den VfB eine Sensation nicht für ausgeschlossen. "Vom Zettel her ist die Sache klar, aber es kann auch eklig werden für Stuttgart." Oder mit anderen Worten: Die Chancen stehen 50:50.