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| 02:34 Uhr

Vom rosa Kleid ins Abseits

Cedrick "Maschine" Mimbala ist der Liebling der Energie-Fans. Trotzdem muss er das rot-weiße Trikot in der Winterpause wohl endgültig ausziehen.
Cedrick "Maschine" Mimbala ist der Liebling der Energie-Fans. Trotzdem muss er das rot-weiße Trikot in der Winterpause wohl endgültig ausziehen. FOTO: Christiane Weiland/cwd1
Cottbus. Trainer Vasile Miriuta wirft Cedrick Mimbala aus dem Kader von Energie Cottbus – endgültig. Der Vorwurf: fehlende Disziplin. Für den Verteidiger ist die Entscheidung ein Schock. Er will kämpfen. Doch ein Wechsel im Winter ist wahrscheinlich. Wieder einmal. Jan Lehmann und Frank Noack

Cedrick Mimbala ist schockiert: "Ich habe es gerade erfahren, bin selbst erschrocken", gibt der 29-Jährige im Gespräch mit der RUNDSCHAU zu. Energie-Trainer Vasile Miriuta hat am Donnerstag kurz zuvor auf der Pressekonferenz vor dem letzten Hinrundenspiel beim FSV Mainz II (14 Uhr) das Aus für Mimbala beim FCE verkündet. "Solange ich hier Trainer bin, spielt er nicht mehr für Energie Cottbus."

Schon beim jüngsten 2:1-Sieg gegen Erfurt hatte der Verteidiger im Kader gefehlt. Mimbala ist ratlos und ringt um die richtigen Worte, was bei ihm höchst selten vorkommt: "Ich weiß nicht, was ich dazu sagen soll."

Rückblende: Vor elf Monaten trägt der Abwehrspieler im Trainingslager in der Türkei ein breites Grinsen im Gesicht und ein rosa Kleidchen am Körper. Er hat eine Wette verloren und muss gemeinsam mit Teamkollege Patterson Chato im rosa Kleidchen zum mannschaftlichen Abendessen erscheinen. Es herrscht beste Stimmung. Im RUNDSCHAU-Interview sagt Mimbala glückselig: "Ich fühle mich einfach wohl, ich bin hier angekommen. Mannschaft, Trainer, Verein, Fans - alle stehen zu mir."

Für den Wandervogel, der auch schon als "Problem-Profi" abgestempelt war, ist dies ein besonderes Gefühl. In zuvor neun Jahren hatte der in Bonn geborene Deutsch-Kongolese bei 13 Clubs gespielt. Länger als eine Saison hielt er es nur bei Fortuna Köln von 2007 bis 2009 aus.

Seine Vertragsverlängerung kurz vor der Abreise in die Türkei war deshalb fast schon eine kleine Sensation. Mimbala erklärte entschlossen: "Energie ist für mich die letzte Chance, um richtig durchzustarten. Wenn ich das verkacke, das wäre großer Mist."

Über ein Probetraining im Sommer 2014 und einen leistungsbezogenen Ein-Jahres-Vertrag hatte sich Mimbala unter Trainer Stefan Krämer sofort als Stammspieler in der Innenverteidigung etabliert. Mit ihm blieb Energie in der Hinrunde neunmal ohne Gegentor und konnte sich sogar Hoffnungen auf den direkten Wiederaufstieg machen.

Auf dem Spielfeld wurde der einsatzfreudige Mimbala seinem Spitznamen "Maschine" gerecht, abseits des Feldes kam der lockere Typ bestens bei den Fans an. Bei der Wahl zum "Energie Fußballer des Jahres 2014" landete er hinter Sven Michel und Uwe Möhrle auf Rang drei.

Doch offenbar hat Mimbala es nun doch wieder "verkackt". Miriuta begründet seinen Rauswurf mit disziplinarischen Verfehlungen. Der Verteidiger soll mehrfach spätabends in der Stadt unterwegs gewesen sein. Miriuta erklärt mit deftigen Worten: "Ich bin kein Arschloch. Jeder darf einen Fehler machen, wir sind alles Menschen. Beim zweiten Fehler sage ich: ,Okay, du kriegst noch eine Chance.' Aber beim dritten Fehler ist es vorbei."

Mimbala räumt einen Fehler ein: "Ich war bei einem Freund ein Champions-League-Spiel schauen und bin etwas spät nach Hause ge fahren." Einmal, zwei Mal oder drei Mal - für Miriuta war das Maß jetzt voll. Er plant ohne den Publikumsliebling.

Wenn man so will, hat der Absturz von Mimbala schon kurz nach dem Abend im rosa Kleidchen begonnen. Energie spielte nach der Winterpause schwach. Wo die Abwehr in der Hinserie nur 16 Gegentore zuließ, waren es in der Rückrunde 34 Treffer. Auch Mimbala wirkte nicht mehr so sicher. Im April verlor der 29-Jährige dann seinen Platz in der Abwehrzentrale an Thomas Hübener und musste fortan als Rechtsaußen verteidigen. Für den groß gewachsenen, technisch limitierten Spieler alles andere als eine ideale Position.

Auch im neuen Spieljahr hatte Stefan Krämer für ihn keine andere Idee. Der neue Coach Vasile Miriuta verpflichtete zudem mit Christopher Schorch einen weiteren Innenverteidiger. Mimbala spielte keine große Rolle mehr - oder wenn, dann als eingewechselter Aushilfsstürmer wie beim Derbysieg in Dresden.

Wie geht es nun weiter? Der geschockte Profi sagt kämpferisch: "Ich habe immer mein Herzblut in den FC Energie gesteckt - und werde es auch weiter tun." Er wolle im Training weiter Gas geben, so Mimbala. Doch so, wie es aussieht, dürfte sein Weg schon im Winter zu einem anderen Club führen. Es wäre seine 14. Station in elf Jahren.

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