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Vom Einzelzimmer zum Doppelpack

Doppeltorschütze Fabio Viteritti und Trainer Claus-Dieter Wollitz werden nach dem Schlusspfiff von den Fans gefeiert.
Doppeltorschütze Fabio Viteritti und Trainer Claus-Dieter Wollitz werden nach dem Schlusspfiff von den Fans gefeiert. FOTO: Matthias Schütt
Neustrelitz. Er war zwar etwas verschnupft, hatte aber trotzdem das Gespür für die entscheidenden Treffer: Ausgerechnet Fabio Viteritti schoss Energie Cottbus mit einem Doppelpack zum 4:0 (2:0)-Sieg bei der TSG Neustrelitz. Danach tat ihm sein Ex-Club sogar leid. Aus Neustrelitz berichtet Frank Noack

Das "Nachspiel" war für Fabio Viteritti vermutlich mindestens genauso anstrengend wie zuvor die gut eine Stunde auf dem Rasen. Der doppelte Torschütze musste an seiner ehemaligen Wirkungsstätte viele Hände schütteln sowie Rede und Antwort stehen. Es war eine Rückkehr, wie man sie sich in seinen Fußballerträumen ausmalt: Viteritti kam, lief an und jubelte zwei Mal! Mit seinen Treffern in der 35. und 36. Minute schoss ausgerechnet der Ex-Neustrelitzer den FCE vor 935 Zuschauern im Parkstadion auf die Siegerstraße.

Kurz nach der Pause hatte Benjamin Förster auf 3:0 (47.) erhöht und später dann auch für den 4:0-Endstand (74.) gesorgt.

Viteritti drückte mit seinen Saisontreffern Nummer fünf und sechs der Partie gegen den Tabellenletzten so sehr den Stempel auf, dass es dem 23-jährigen Mittelfeldspieler nach dem Schlusspfiff beinahe unangenehm war. "Für Neustrelitz tut es mir leid, dass sie unten drinhängen. Aber hier geht es um Fußball. Deshalb freue ich mich über meine beiden Tore und den Sieg", betonte er.

Es war ein verdienter Sieg des haushohen Favoriten gegen das ersatzgeschwächte Schlusslicht. Neustrelitz konnte mit Disziplin und einer vielbeinigen Abwehr das Spiel zumindest vom Ergebnis her zunächst offen halten. Die Gastgeber stellten sich dabei recht geschickt an und verlagerten mit ihrem Pressing das Cottbuser Aufbauspiel immer wieder auf die linke Seite, wo Daniel Svab und José-Junior Matuwila mit dem Ball nicht wirklich viel anzufangen wussten. Doch dann kam der große Auftritt des kleinen Fabio Viteritti. Mit ganz viel Gefühl zirkelte er in der 35. Minute einen 18-Meter-Freistoß ins Netz. "Er kennt ja hier das Stadion und die Tore ganz genau", frotzelte Trainer Claus-Dieter Wollitz mit Blick auf die Neustrelitzer Vergangenheit von Viteritti. Vor seinem Wechsel nach Cottbus hatte der in Lörrach an der Deutsch-Schweizer Grenze geborene Profi eineinhalb Jahre in Mecklenburg-Vorpommern gespielt. Wollitz lobte am Sonntagnachmittag: "Fabio hat heute seinen guten Trend der vergangenen Wochen bestätigt."

Dabei ging Viteritti grippegeschwächt in das Duell mit seinem Ex-Verein. In der vergangenen Woche konnte der Toptorjäger kaum trainieren. Eigentlich sollte er am Freitag ins Mannschaftstraining einsteigen, musste sich aber gedulden. Erst nach dem Abschlusstraining am Samstag stand fest, dass Viteritti mit nach Neustrelitz reisen kann. Im Hotel bekam er mit Rücksicht auf seine Grippe ausnahmsweise sogar ein Einzelzimmer zugeteilt.

Vom Einzelzimmer zum Doppelpack - der Aufwand hatte sich in jedem Fall gelohnt. Viteritti gab der Partie mit seinen beiden Treffern die Richtung vor. "Die ersten 30 Minuten waren schwer, die beiden Tore eine Erlösung. Danach lief es besser", analysierte der Matchwinner und ergänzte selbstkritisch: "Wir müssen weiter hart arbeiten. Die ersten 30 Minuten waren nicht so gut."

Nach 65 Minuten hatte Fabio Viteritti seine Mission erfüllt und durfte vom Platz. Nach dem Schlusspfiff wurden er, das Team sowie Trainer Wollitz von den rund 300 mitgereisten Energie-Anhängern überschwänglich gefeiert. Bei nasskaltem Wetter stand für Viteritti jetzt wieder der Zweikampf mit der Grippe im Vordergrund. "Warm duschen und dann dick einpacken", verkündete er nach dem wirklich allerletzten Gruß an die Fans.