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| 19:34 Uhr

Fußball
Viel FCE-Beifall für „unseren Peddo“

Im Trikot des SC Freiburg lief Nils Petersen (r.) am Montagabend im Stadion der Freundschaft von Beginn an auf. Auch der Ex-Cottbuser Tim Kleindienst stand in der Startformation.
Im Trikot des SC Freiburg lief Nils Petersen (r.) am Montagabend im Stadion der Freundschaft von Beginn an auf. Auch der Ex-Cottbuser Tim Kleindienst stand in der Startformation. FOTO: Imago Sportdienstfoto GmBH / Matthias Koch
Cottbus . Eine Rückkehr mit Emotionen: Der ehemalige Energie-Publikumsliebling Nils Petersen wird am Montagabend in Cottbus mit Begeisterung empfangen. Von Frank Noack und Jan Lehmann

So wurde wohl noch nie ein gegnerischer Stürmer im Stadion der Freundschaft begrüßt – und das schon beim Aufwärmen: Als Nils Petersen am Montagabend mit seiner Freiburger Mannschaft aus dem Spielertunnel kam, brandete Jubel und Beifall auf. Der 29-Jährige winkte zweimal kurz ins Publikum und wollte so wohl gar nicht erst den Verdacht aufkommen lassen, dass er in dem DFB-Pokalspiel zwischen Energie Cottbus und dem SC Freiburg befangen sein könnte. Die Partie war zu Redaktionsschluss dieser Ausgabe noch nicht beendet – aktuelle Informationen gibt es bei lr-online.de/energie.

Es ist acht Jahren her, da war Nils Petersen noch im Energie-Trikot dabei, als Zweitligist Cottbus das Bundesliga-Team des SC Freiburg mit 2:1 aus dem DFB-Pokal kegelte. Am Montagabend nun kehrte der Angreifer zurück und wurde noch stürmischer begrüßt, als er sich das zuvor ausgemalt hatte.

„Ich wünsche mir natürlich, dass ich positiv empfangen werde“, hatte Petersen zuvor gegenüber der RUNDSCHAU erklärt. Im Interview erinnerte sich der 29-Jährige an seine Anfangszeit in der Lausitz. Als ihn Manager Steffen Heidrich aus Jena geholt hatte – als „einen Drittliga-Stürmer, der nicht trifft“, so Petersen scherzhaft im Rückblick. Auch bei Energie tat er sich schwer. In der zweiten Mannschaft der Cottbuser galt er zwischenzeitlich sogar als Chancentod und der Cheftrainer Bojan Prasnikar konnte sich seinen Namen nicht merken.

Er nannte ihn „Jens“, statt Nils. Warum? Weil Nils Petersen ihn irgendwie an die ostdeutsche Skisprung-Legende Jens Weißflog erinnerte – und tatsächlich sollte der junge Stürmer auch noch zum Höhenflug ansetzen. Nach dem Abstieg benötigte er unter dem neuen Trainer Claus-Dieter Wollitz ein halbes Jahr. Dann wurde er im Februar 2010 beim Stand von 0:1 gegen Koblenz eingewechselt, gab der wackelnden Mannschaft den entscheidenden Ruck, traf zum Ausgleich und war fortan im Geschäft.

Petersen berichtete: „Pele Wollitz sagte nach dem Spiel zu mir, dass ich mir jetzt einfach ein paar Einsätze verdient habe. So spielte ich danach ohne den Druck  und wusste, dass ich nicht beim nächsten Fehler wieder raus bin. Zum ersten Mal habe ich Vertrauen gespürt. Das zieht sich durch meine Karriere: Wenn ich das spüre, bringe ich auch Leistung.“

Mit 25 Toren gelang Petersen eine überragende Zweitliga-Saison 2010/11. Er hatte großen Anteil daran, dass es Energie bis ins DFB-Pokalhalbfinale schaffte und lange sogar am Erstliga-Aufstieg schnuppern durfte. Dann gab es ein Angebot, dass er nicht ausschlagen konnte: Rekordmeister Bayern München machte Ernst. Für die Cottbuser Rekordablöse von 2,8 Millionen Euro verließ der Überflieger die Cottbuser Sprungschanze.

Über Bayern München, Werder Bremen und nun beim SC Freiburg schaffte es Petersen bis in die Olympia-Auswahl, den vorläufigen WM-Kader und auf Rang zwei bei der Wahl zum Fußballer des Jahres.

Für Claus-Dieter Wollitz ist sein ehemaliger Schützling immer noch „unser Peddo“. Und auch für den mittlerweile besten Bundesliga-Joker aller Zeiten hat Cottbus einen besonderen Platz in seinem Herzen. Gemeinsam mit dem ehemaligen Lausitzer Sportschüler Tim Kleindienst, der 2015 von Energie nach Freiburg gewechselt war, freute er sich auf die Rückkehr in die Lausitz.

Im RUNDSCHAU-Interview hatte Petersen gesagt: „Es ist es mir damals wahnsinnig schwergefallen, aus Cottbus wegzugehen.  Dort hatte ich das erste Mal das Gefühl, dass die Leute mich mögen – sie haben sogar meinen Namen gerufen.“ Am Montagabend taten sie es wieder – und es klang noch irgendwie ganz vertraut.

Nils Petersen war im Oktober 2010 dabei, als Energie Cottbus den SC Freiburg aus dem DFB-Pokal warf.
Nils Petersen war im Oktober 2010 dabei, als Energie Cottbus den SC Freiburg aus dem DFB-Pokal warf. FOTO: Steffen Beyer
Über den FC Bayern, Bremen und den SC Freiburg hat es der Ex-Cottbuser bis ins Nationaltrikot geschafft.
Über den FC Bayern, Bremen und den SC Freiburg hat es der Ex-Cottbuser bis ins Nationaltrikot geschafft. FOTO: dpa / Johann Groder