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| 14:57 Uhr

Fußball
Versilbern sich Bittencourts Tränen für Energie Cottbus?

Nach dem 2:2 gegen Schalke und dem damit fast besiegelten Kölner Abstieg ließ Leonardo Bittencourt seinen Emotionen freien Lauf.
Nach dem 2:2 gegen Schalke und dem damit fast besiegelten Kölner Abstieg ließ Leonardo Bittencourt seinen Emotionen freien Lauf. FOTO: Federico Gambarini / dpa
Köln/Cottbus. Sollte der Ex-Cottbuser ins Ausland wechseln, bekommt der FCE einen Teil der Ablöse. Es gibt Interessenten aus England und Frankreich – aber auch aus Deutschland. Ein innerdeutscher Wechsel wäre für Energie nicht so gut. Von Jan Lehmann

Diese Tränen von Leonardo Bittencourt könnten sich für den FC Energie Cottbus versilbern. Als der 24-Jährige am Sonntag mit feuchten Augen vor dem Fanblock des 1. FC Köln stand und den fast feststehenden Abstieg der „Geißböcke“ betrauerte, sah das nach Abschied aus. Und als Bittencourt danach im Internet ein Foto von sich mit dem Kommentar „Danke für alles“ veröffentlichte, war das für viele Kölner Anhänger das eindeutige Zeichen: Bittencourt geht.

So bitter das für die Rheinländer sein mag, für Energie Cottbus könnte ein Wechsel des flinken Dribblers aus der Cottbuser Nachwuchsschule viel Geld wert sein. Energie-Präsident Michael Wahlich hatte in einem RUNDSCHAU-Interview schon erklärt: „Klasse wäre es für uns, wenn Leonardo Bittencourt für viel Geld nach England wechseln würde.“ Der Hintergrund: Bei Transfers ins Ausland werden die Ausbildungs-Clubs  an der Ablösesumme beteiligt. Nach RUNDSCHAU-Berechnung könnte Energie auf 140 000 Euro hoffen (siehe Infobox).

Presseberichten zufolge ist Bittencourt bei Tottenham Hotspurs und dem AS Monaco im Gespräch. Energie Cottbus hatte zuletzt schon eine Beteiligung für den Wechsel des ehemaligen Cottbusers Marco Stiepermann zum englischen Zweitligisten Norwich City bekommen.

Bittencourt war 1998 als Vierjähriger mit seinem Vater Franklin nach Cottbus gekommen. Während der Papa mit Energie in die erste Liga aufstieg, lernte Leonardo beim FCE das Fußballspielen. Bereits mit sechs Jahren trug er das Trikot von Energie Cottbus.

Der dribbelstarke Mittelfeldspieler entwickelte sich gut und stand als Nachwuchs-Nationalspieler auf der Liste einiger Top-Clubs. Dem damals neuen Trainer Claus-Dieter Wollitz war es zu verdanken, dass Bittencourt nicht bereits 2009 wechselte, sondern noch einen Vertrag in der Lausitz unterschrieb. Wollitz verhalf dem damals 17-Jährigen auch zu einem frühen Profi-Debüt.

Nach 30 Zweitliga-Spielen für Energie ging Bittencourt 2012 für geschätzte 3,5 Millionen Euro nach Dortmund. Über die Station Hannover 96 landete er in Köln. Inzwischen hat er 127 Bundesliga-Spiele absolviert.  Zuletzt hat ihn dem Vernehmen nach Werder Bremen mehrere Male beobachtet. Neben RB Leipzig soll auch 1899 Hoffenheim an Bittencourt interessiert sein. Ein innerdeutscher Wechsel wäre für Energie allerdings nicht sonderlich erfreulich – weil es dann keine Transferbeteiligung geben würde.

Denkbar ist ohnehin auch, dass Bittencourt in Köln bleibt. Gegenüber „Bild“ erklärte er, dass seine Internet-Veröffentlichung kein Abschiedsgruß war: „Mit diesem Post wollte ich nicht meinen Abschied verkünden! Sondern mich einfach mal für die Unterstützung in der gesamten Saison bedanken. Es ist nach wie vor keine Entscheidung gefallen, ob ich mit in die 2. Liga gehe oder den Verein verlasse. Ich hänge sehr am Klub.“

Ein entscheidender Grund für Bittencourt, in Köln zu bleiben, ist noch nicht mal auf der Welt. Mit seiner Frau Saskia, die aus Cottbus stammt, erwartet Leonardo Bittencourt im Mai sein erstes Kind. Da könnte ein Wechsel ins Ausland womöglich nicht in die Familienplanung passen.