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Fußball
Energie-Planspiele bei der Stürmersuche

Beim MSV Duisburg hat Kevin Scheidhauer in der 2. Bundesliga gespielt. Doch zuletzt hat er anderthalb Jahre wegen einer Verletzung pausiert.
Beim MSV Duisburg hat Kevin Scheidhauer in der 2. Bundesliga gespielt. Doch zuletzt hat er anderthalb Jahre wegen einer Verletzung pausiert. FOTO: Roland Weihrauch / picture alliance / dpa
Cottbus. FCE-Coach Claus-Dieter Wollitz sucht mit Nachdruck einen neuen Stürmer. Aktuell ist der ehemalige Zweitliga-Angreifer Kevin Scheidhauer zum Probetraining in der Lausitz. Doch die Gedankenspiele des Trainers gehen in eine andere Richtung. Von Jan Lehmann

Die Suche nach einem neuen Stürmer bei Energie Cottbus geht weiter – und wird konkreter. Energie-Trainer Claus-Dieter Wollitz erklärt: „Ich habe anderthalb Jahre Rücksicht genommen. Aber jetzt müssen wir daran denken, die Mannschaft stärker aufzustellen. Wir brauchen Spieler.“ Die langen Verletzungsausfälle von Benjamin Förster (Syndesmosebandriss), Streli Mamba (Hüftprobleme), Felix Geisler (Sprunggelenksentzündung) und Björn Ziegenbein (Knie-Operation) stellen Wollitz in der Offensive vor arge Probleme.

Nach dem etwas wackligen 3:1-Sieg im Landespokal-Viertelfinale beim Sechstligisten Ludwigsfelder FC sagte der Coach: „Man sieht: Wenn uns die derzeit verletzten Spieler mit ihrer Qualität nicht zur Verfügung stehen, dann ist es nicht nur ein Ritt auf der Rasierklinge, sondern zu viel Risiko.“ Seine Begründung: „Wir brauchen vorne Anspielstationen, sonst spielen wir zu viel quer. Und 90 Minuten nur quer, damit veranlassen wir die Gegner, mutiger zu werden.“ Außerdem will Wollitz die Konkurrenzsituation auf die eigenen Spieler erhöhen. Er verdeutlicht: „Ich glaube schon, dass bei einigen unserer Spieler im Unterbewusstsein die letzte Konsequenz fehlt.“

Aktuell ist deshalb der ehemalige Zweitliga-Profi Kevin Scheidhauer beim FCE zum Probetraining. Der 25-Jährige, der zuletzt bei der zweiten Mannschaft von Schalke 04 unter Vertrag stand, ist aktuell vereinslos. Der gebürtige Deggendorfer ist in Leipzig groß geworden und hat schon für die Reserve des VfL Wolfsburg, sowie für den VfL Bochum und den MSV Duisburg gespielt. In seiner Vita stehen 34 Zweit-und 24 Drittliga-Spiele. Scheidhauer, der zu seinen Wolfsburger Zeiten als äußerst verheißungsvolles Talent galt, er hatte 2009 sogar gemeinsam mit Mario Götze oder Marc Andre ter Stegen den Titel bei der U17-EM geholt.

Mittlerweile ist der Angreifer aber seit anderthalb Jahren ohne Spielpraxis. Eine schwere Verletzung im Sprunggelenk hat ihn weit zurückgeworfen, das wurde auch in seinen ersten Tagen in Cottbus deutlich. Trainer Claus-Dieter Wollitz berichtete: „Ich weiß noch nicht, wie lange er bleibt und wie er sich entwickelt. Aber man sieht, dass ihm die Bewegungsabläufe und das typische Verhalten auf dem Platz fehlen. Ich habe nicht die Erwartung, dass er ab Januar eine Verstärkung sein kann. Nicht von seiner Qualität her, sondern aufgrund der Verletzung. Das dauert.“

Scheidhauer hatte zuletzt zweimal in der Woche beim Oberligisten Lupo Martini Wolfsburg mittrainiert. Das reicht Wollitz nicht. Er betont: „Wir brauchen Spieler, die uns sofort helfen, damit der eine oder andere mehr Druck hat. Wenn keine Alternativen da sind, wird das nichts.“ Deswegen ist es durchaus denkbar, dass Energie noch vor der Winterpause einen weiteren Stürmer holt. Wollitz warnt: „Wir haben jetzt noch fünf Spiele bis zum Winter, inklusive der beiden Rückrundenspiele. Die Tabelle liest sich gut, ist aber brandgefährlich.“

Energie-Trainer Claus-Dieter Wollitz betont, dass er dringend Alternativen im Angriff benötigt.
Energie-Trainer Claus-Dieter Wollitz betont, dass er dringend Alternativen im Angriff benötigt. FOTO: Steffen Beyer / imago/Steffen Beyer

Gesucht wird also ein Spieler, der voll im Saft steht. Das ist kein einfaches Unterfangen. Das heißt aber nicht, dass der prominente Probespieler kein Thema für Energie ist. Wollitz verrät sein Gedankenspiel: „Scheidhauer könnte dann kommen, wenn noch ein weiterer Spieler auf dem Markt ist, der uns sofort hilft. Dann könnten wir Scheidhauer für den Sommer aufbauen.“ Energie steht vor einer schwierigen Situation, weil durch die Aufstiegsrelegation bis Mitte Juni nicht klar sein könnte, in welcher Liga der FCE in der kommenden Saison spielt. Und so ist auch unklar, welche Spieler künftig zur Verfügung stehen. Bei Angreifer Streli Mamba beispielsweise verlängert sich der Vertrag nur beim Aufstieg. Energie muss also Alternativen suchen.

Ebenfalls weiterhin im Training bei Energie ist der junge Angreifer Justin Hippe vom Nordberliner SC, der Medienberichten zufolge einen Zwei-Jahres-Vertrag bei Energie unterschrieben haben soll. Wollitz korrigiert: „Er hätte einen Vertrag bekommen, wenn er die sofortige Spielberechtigung bekommen hätte.“ Doch die gab es nicht. Der Trainer sagt: „Unser Verband erteilt ihm aber keine Spielberechtigung. Das ist Wahnsinn, aber so sind die Regeln.“ Und wie geht es weiter mit Hippe? Wollitz ist etwas ratlos: „Was im Januar ist, weiß ich nicht und ich kann auch nicht sagen, ob er der Spieler ist, der uns dann weiterhilft. Für den Jungen ist das natürlich eine blöde Situation, aber ich habe die Verantwortung für den gesamten Kader.“