ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 18:09 Uhr

Fußball
„Kritik? Rangelov hat Recht“

Trainer Claus-Dieter Wollitz reagiert auf die Kritik von Dimitar Rangelov mit demonstrativer Rückendeckung.
Trainer Claus-Dieter Wollitz reagiert auf die Kritik von Dimitar Rangelov mit demonstrativer Rückendeckung. FOTO: Mike Worbs / WORBSER-Sportfotografie
Cottbus. Trainer Wollitz sieht trotz des Sieges gegen Jena ebenfalls noch jede Menge Steigerungsbedarf bei Energie Cottbus. Zumal jetzt ein schweres Auswärtsspiel folgt. Von Frank Noack

Er strahlte und strahlte und strahlte. Dimitar Rangelov beschrieb nach seiner gelungenen Rückkehr zu Energie Cottbus beim 2:1-Sieg gegen Carl Zeiss Jena bereitwillig und ausführlich seine Glücksgefühle. Gleich in seinem ersten Spiel hatte der 35-jährige Sturm-Routinier getroffen und damit einen erheblichen Beitrag zum wichtigen Heimsieg des Aufsteigers in der 3. Fußball-Liga geleistet.

Nur an einer Stelle des Interview-Marathons nach dem Schlusspfiff im Stadion der Freundschaft schaute Rangelov ziemlich ernst drein. Denn bei seiner Analyse der 90 Minuten gegen Jena hatte der ehemalige Bundesliga-Profi auch einige Kritikpunkte ausgemacht. Der wichtigste Punkt: Die Mannschaft sei gegen Jena zu viel gelaufen. Oft sogar „ohne Sinn“, befand Rangelov. Das Team müsse sich auf dem Rasen besser positionieren. „Dann werden wir uns auch viel mehr Torchancen erarbeiten können.“

Eine solche kritische Analyse gleich nach dem ersten Spiel können sich nicht viele Spieler leisten – Dimitar Rangelov in diesen Tagen bei Energie Cottbus aber schon. Denn der Routinier soll neben erfahrenen Spielern wie Kapitän Marc Stein und Mittelfeld-Chef Tim Kruse zu einer der Leitfiguren auf dem Weg zum Klassenerhalt in der 3. Liga werden. Im Spiel gegen Jena und auch zuvor im Training hat sich bereits gezeigt, dass Rangelov ohne Star-­Allüren zurückgekommen ist und bereit ist, mit Rat und Tat auf seine Mitspieler zuzugehen und zu helfen.

Von Trainer Claus-Dieter Wollitz bekommt der Neuzugang jedenfalls demonstrative Rückendeckung für die kritische Analyse des Jena-Spiels.  „Er hat absolut Recht. Ja, wir laufen oft unnütz“, betont Wollitz. Und nennt auch einen wichtigen Grund, warum aus seiner Sicht ein Missverhältnis zwischen Aufwand und Nutzen besteht: „Weil wir zu wenig kommunizieren. Nicht, weil die Spieler das nicht wollen. Sondern, weil jeder mit sich selbst beschäftigt ist.“ Die Raumaufteilung insgesamt könnte viel besser sein, mahnt der Coach und kündigt an: „Daran müssen wir weiter hart arbeiten.“

Dabei sahen am Samstag gegen Jena viele Dinge besser aus als in den Wochen zuvor. Energie schaffte es diesmal, ohne schwerwiegende individuelle Fehler über die Runden zu kommen. Die Mannschaft wirkte konzentriert und engagiert. Und sie schoss zwei Tore, was in dieser Saison noch nicht so oft vorgekommen ist.

Bei der tiefergehenden Analyse freute sich Wollitz zwar über die beiden Kopfballtore von Marc Stein und Dimitar Rangelov, die jeweils nach einem Eckball erfolgreich waren. Der Energie-Trainer merkt jedoch auch an: „Die letzten drei Tore haben wir aus einem Standard gemacht, in Köln und jetzt gegen Jena. Klar, das gehört zum Fußball dazu. Aber ich finde, wir sind eine Mannschaft, die auch aus dem Spiel heraus Tore erzielen kann.“

Und dazu gehört eben auch eine richtige Positionierung der einzelnen Spieler in den entscheidenden Situationen. Und natürlich auch, die richtigen Entscheidungen zu treffen. Zum Beispiel in der 42. Minute, als der Ball in der Abwehr erobert wurde und Marcelo dann unaufhaltsam in Richtung Gäste-Tor stürmte. Seine Entscheidung, es mit einem Schuss allein zu versuchen, war zweifellos vertretbar, brachte aber keinen zählbaren Erfolg. Den Ball quer auf den mitgelaufenen Kevin Scheidhauer zu legen, wäre aber womöglich die bessere Option gewesen. „Das war ein super Konter. Wir brauchen es einfach, dass so ein Konter mal wieder reingeht. Das bringt Selbstvertrauen“, erklärt Wollitz.

Und Selbstvertrauen wird Energie Cottbus brauchen, wenn es an diesem Freitag auf den Betzenberg zum Auswärtsspiel beim 1. FC Kaiserslautern (19 Uhr) geht. In der Fremde hat der FCE in dieser Saison erst drei Punkte geholt – am 2. Spieltag mit dem 2:0-Erfolg beim SV Wehen Wiesbaden. Der jüngste Heimsieg beim Comeback von Rangelov sei ein kleiner Anfang gewesen, meint Wollitz: „Aber auch  nicht mehr.“

Das Team sei gegen Jena zu viel ­gelaufen, kritisiert Dimitar Rangelov.
Das Team sei gegen Jena zu viel ­gelaufen, kritisiert Dimitar Rangelov. FOTO: Frank Hammerschmidt