ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 15:09 Uhr

Fußball
Von alten und neuen Abstiegsängsten

Fussball, Herren, Regionalliga Nordost, Saison 2017/18, 32. Spieltag, VSG Altglienicke - TSG Neustrelitz, Co-Trainer Thorsten Mattuschka (VSG Altglienicke), 28.04.18, Foto: Michael Hundt / Matthias Koch
Fussball, Herren, Regionalliga Nordost, Saison 2017/18, 32. Spieltag, VSG Altglienicke - TSG Neustrelitz, Co-Trainer Thorsten Mattuschka (VSG Altglienicke), 28.04.18, Foto: Michael Hundt / Matthias Koch FOTO: Michael Hundt / Matthias Koch / Matthias Koch
Zwei Jahre sind vergangen, seit Torsten Mattuschka mit Tränen in den Augen und dem Trikot übers Gesicht gezogen auf der Ersatzbank kauerte und den Abstieg mit Energie Cottbus in die Regionalliga beweinte. Von Steven Wiesner

Einmal erst war er seit diesem ominösen 14. Mai 2016 zu Gast im Stadion der Freundschaft, beim Pokalkrimi der Lausitzer gegen den VfB Stuttgart in dieser Saison.

Am Sonntag (13.30 Uhr) kehrt er nun mit der VSG Altglienicke erstmals als Aktiver zurück an den Ort, mit dem er auch erfreuliche Erlebnisse verbindet, wie sein Profidebüt im Frühsommer 2003. Doch „dieser fiese Abschied“, wie er ihn selbst nennt, ist besonders präsent in Mattuschkas Gefühlswelt. „Natürlich denkst du unweigerlich daran, wenn du nach Cottbus zurückkehrst. Das ist das Schlimmste, was mir in meiner Karriere passiert ist“, sagt Mattuschka, der seinerzeit von Krämpfen geplagt mitansehen musste, wie eine junge Mainzer Reserve das Spiel mit zwei späten Treffern auf den Kopf stellte und Energie in die vierte Liga schoss. „Das hat mich lange beschäftigt.“

Im Mai 2018 muss er sich wieder mit Abstiegsängsten beschäftigen. Als Spielertrainer in Altglienicke. Der Aufsteiger aus dem Südosten Berlins wird bis zur letzten Minute um den Ligaverbleib bangen müssen, wollte das aber nicht mehr mit Trainer Miroslav Jagatic tun, der vor knapp zwei Wochen von seinen Aufgaben entbunden wurde. Seitdem hat Mattuschka die Zügel in der Hand, den eine Achillessehnenverletzung ohnehin seit Wochen am Mitspielen hindert. Zusammen mit den erfahrenen Lothar Hamann (66) und Holger Bahra (60) soll die 37-jährige Kultfigur die Mannschaft wieder in die Spur bringen.

Eine Mission, die zumindest gut anlief. Spiel Nummer eins ging noch verloren gegen Hertha BSC II (1:3), danach aber folgten zwei Siege gegen Neustrelitz (3:2) und Fürstenwalde (1:0), die die Berliner wieder vom Klassenerhalt träumen lassen. Mattuschka ist in seiner neuen Rolle nicht mehr als Spielgestalter gefragt, sondern als Motivator. Er kann seiner Mannschaft nicht mehr mit Freistößen helfen, sondern nur noch mit Worten. „Es geht darum, die Jungs bei der Ehre zu packen. Es hilft schon, dass ich die Sprache der Spieler spreche.“

In Cottbus wird seine Mannschaft trotzdem auf ein Wunder hoffen müssen. „Da muss schon viel passieren, damit wir etwas mitnehmen“, weiß auch Mattuschka, der mit Lukas Bache, Igli Cami, Michael-Junior Czyborra, Rico Steinhauer, Steven Marx, Lukas Müller, Boubacar Sanogo und Björn Brunnemann (fehlt gelbgesperrt) gleich einen ganzen Bus voller Ex-Cottbuser mitbringt. „Die Jungs sollen es genießen, mal vor 6000 bis 8000 Zuschauern zu spielen, und versuchen, vor so einer Kulisse zu funktionieren.“

Für seine ersten Schritte als Übungsleiter hat Mattuschka im Übrigen einige Glückwünsche erhalten –auch vom ehemaligen Energie-Trainer Stefan Krämer und dem aktuellen, Claus-Dieter Wollitz. „Es freut mich, dass ich nicht vergessen werde“, sagt Mattuschka. „Vor allem über die SMS von Pele habe ich mich gefreut. Wir haben ja nur fünf Wochen zusammengearbeitet, aber wir ticken gleich.“ Mit Freude nimmt er den Aufschwung bei Energie zur Kenntnis. „Pele hat was richtig Geiles aufgebaut in den zwei Jahren. Der Fußball lebt wieder in Cottbus und ich hoffe, dass sie mit dem Aufstieg belohnt werden.“

Den wünscht er seinem Heimatverein – aber auch sich selbst. Denn verlässt Energie die Regionalliga nach oben, muss auch eine Mannschaft weniger runter in die Oberliga. Platz 15 würde Altglienicke dann schon den Klassenerhalt bringen und Mattuschka ersparen, den nächsten Abstieg beweinen zu müssen.

Im Frühjahr 2016 war Claus-Dieter Wollitz für fünf Spiele lang bei Energie Cottbus auch Trainer von Torsten Mattuschka.
Im Frühjahr 2016 war Claus-Dieter Wollitz für fünf Spiele lang bei Energie Cottbus auch Trainer von Torsten Mattuschka. FOTO: imago sportfotodienst / Imago Sportdienstfoto GmBH