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Torschütze in Alarmbereitschaft

Keine Chance für BFC-Torhüter Bernhard Hendl: Förster verwandelt nach toller Vorarbeit von Marcel Baude.
Keine Chance für BFC-Torhüter Bernhard Hendl: Förster verwandelt nach toller Vorarbeit von Marcel Baude. FOTO: sby
Cottbus. Der Torschütze des Tages hatte es nach dem Schlusspfiff ganz schön eilig, um in die Kabine zu kommen. Dort kontrollierte Benjamin Förster am Samstagnachmittag erst einmal, ob es wichtige Nachrichten oder Anrufe auf seinem Handy gegeben hatte. Frank Noack

Immerhin will der Toptorjäger von Energie Cottbus demnächst einen ganz besonderen Volltreffer bejubeln: Benjamin Förster wird zum ersten Mal Vater! Der vorausberechnete Geburtstermin für Töchterchen Emma ist an diesem Montag.

Erst als sich der 27 Jahre alte Stürmer mit dem Blick auf sein Handy davon überzeugt hatte, dass es noch nichts Neues von Freundin Kim gab, widmete er sich noch einmal ausführlich der Analyse des 1:0 (1:0)-Heimsieges gegen den erstaunlich stark auftrumpfenden BFC Dynamo vor der Saisonrekord-Kulisse von 7092 Zuschauern im Stadion der Freundschaft. "Wir haben drei sehr wichtige Punkte geholt. In so einem Spiel auf Augenhöhe entscheiden Kleinigkeiten", erklärte der glückliche Torschütze.

Eine solche entscheidende Kleinigkeit war jene Szene kurz vor der Pause, als FCE-Verteidiger Marcel Baude im Mittelfeld gedankenschnell in einen Abwurf des Berliner Keepers Bernhard Hendl lief und dann mit dem Ball in Richtung Strafraum stürmte. Seine präzise Flanke an den langen Pfosten nutzte Förster in der Nachspielzeit der ersten Halbzeit zu seinem zehnten Saison treffer (45.+1).

"Das hat ‚Baudi' über ragend gemacht. Er hat den Ball super antizipiert", hebt Torschütze Förster den Vorlagengeber hervor. "Ich muss ja fast nur noch den Fuß hinhalten. Auch wenn ich als Torschütze drinstehe - das Tor gehört eigentlich ihm und natürlich der gesamten Mannschaft, die sich damit belohnt hat."

Denn dieser 1:0-Heimerfolg war ein ganz schönes Stück Arbeit. Der BFC machte in Cottbus sein "bestes Spiel in der laufenden Saison", wie Angreifer Kai Pröger anschließend sichtlich beeindruckt von der Leistung seiner Mannschaft einräumte. Der Ex-Cottbuser René Rydlewicz auf der Berliner Trainerbank hatte vor dem eigenen Strafraum einen Fünf-Mann-Riegel aufgebaut. In diesem Bollwerk blieb Energie speziell in der ersten Halbzeit oftmals hängen. Nach der Ball eroberung setzte der BFC dann immer wieder seine schnellen Stürmer Dennis Srbeny und eben Pröger gefährlich in Szene.

Immerhin gab das Tor durch Förster dem Cottbuser Spiel dann mehr Sicherheit. Nach der Pause hatten die Gastgeber mehr Spielanteile und auch Chancenvorteile in diesem Regionalliga-Spiel auf hohem Niveau. "Das war ein sehr gutes Spiel mit viel Tempo und rassigen Zweikämpfen. Wir sind verdient als Sieger vom Platz gegangen", fand Energie-Trainer Claus-Dieter Wollitz. Sein BFC-Kollege René Rydlewicz mochte nur bedingt zustimmen: "Das war ein gutes Regionalliga-Spiel mit viel Power. In der ersten Halbzeit haben wir uns gute Möglichkeiten erspielt. Ein Unentschieden wäre das richtige Ergebnis gewesen."

Die unterschiedliche Sicht hing mit der 64. Minute zusammen, als Srbeny zwar ins Tor traf, die Schiedsrichter um Lars Albert aus Muldenhammer aber auf Abseits entschieden. Selbst die TV-Bilder brachten keinen endgültigen Aufschluss über die knifflige Szene. Da der Schiri die Partie mit seinem Pfiff unterbrach, bevor Srbeny aufs Cottbuser Tor schoss, er übrigten sich aber ohnehin alle Spekulationen und Diskussionen.

Stattdessen blieb es am Ende bei diesem einen wichtigen Treffer durch Benjamin Förster. Gleich im ersten Spiel nach der mehr wöchigen Verletzungspause aufgrund einer langen Risswunde am Oberschenkel schlug der Torjäger wieder auf seine ganz besondere Art zu. "Er war eigentlich gar nicht so richtig im Spiel und in den Zweikämpfen meistens zweiter Sieger. Aber dann steht er in der entscheidenden Situation eben da, wo er stehen muss. Das zeichnet einen Torjäger aus", erklärt Trainer Wollitz.

Vielleicht waren ja auch die bevorstehenden Vaterfreuden eine zusätzliche Motivation für Förster bei seinem gelungenen Comeback. "Wenn ich auf dem Platz stehe, denke ich überhaupt nicht dran", versichert der Energie-Stürmer zwar. "Aber ansonsten ist man natürlich immer in Alarm bereitschaft." Nach diesem Sieg kann er zumindest halbwegs entspannt auf den entscheidenden Anruf beziehungsweise das Signal von Freundin Kim warten.

Zum Thema:
Zumindest für einen Tag sah die Tabelle aus Cottbuser Sicht richtig gut aus. Durch den 1:0-Sieg gegen den BFC Dynamo hatte Energie den Abstand auf Tabellenführerer Carl Zeiss Jena auf einen Punkt verkürzt. Am Sonntag stellten die Thüringer mit dem 2:1 in Fürstenwalde den Vier-Punkte-Abstand wieder her. Am kommenden Sonntag spielt Jena gegen Neustrelitz. Der FCE reist zum ZFC Meuselwitz.