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Steigerung mit System

Routinier Tim Kruse (l.) ist Kopf und Organisator des Cottbuser Defensivblocks.
Routinier Tim Kruse (l.) ist Kopf und Organisator des Cottbuser Defensivblocks. FOTO: Picture Point/pfr1
Cottbus. Ist Energie Cottbus jetzt endgültig in der Regionalliga angekommen? Auch beim 0:0 gegen Tabellenführer Carl Zeiss Jena wies der FCE wachsende Stabilität nach. Ein Grund ist die Umstellung des taktischen Systems im Mittelfeld. Routinier Tim Kruse spielt dabei eine wichtige Rolle. Frank Noack

Tim Kruse hat in seiner langen Fußballer-Laufbahn schon einiges erlebt. Auch eine Aufholjagd, wie sie Energie Cottbus jetzt angesichts der neun Punkte Rückstand auf Tabellenführer FC Carl Zeiss Jena starten will. Deshalb winkte Kruse nach dem 0:0 in Jena bei der entsprechenden Frage lässig ab. "Viele Schwächephasen dürfen wir uns nicht mehr erlauben. Aber die Saison ist noch lang. Da ist noch genügend Zeit", betont er.

Es ist einerseits die Gelassenheit eines 33-jährigen Profis, der in seiner Karriere schon über 300 Partien absolviert hat, unter anderem in der 2. Bundesliga. Es ist aber wohl auch die Gelassenheit, welche sich aufgrund der jüngsten Leistungen eingestellt hat. Tim Kruse startete genau wie die Mannschaft holprig in die Saison. Zuletzt wurde er allerdings immer mehr zum Kopf und Organisator des Cottbuser Defensivblocks. Inklusive des 0:0 in Jena ist Energie seit vier Partien ohne Gegentor. Drei der vier Spiele wurden gewonnen.

Ein wichtiger Grund für die Leistungssteigerung der Lausitzer ist die von Cheftrainer Claus-Dieter Wollitz vorgenommene Systemumstellung im Mittelfeld. Statt mit zwei zentralen Defensivspielern bietet Wollitz jetzt Kruse als alleinigen Sechser auf und gibt dem Routinier damit noch mehr Verantwortung. "Klar, es läuft jetzt besser als am Saisonanfang. Aber es liegt nicht nur an mir. Man kann es ja auch an den Ergebnissen sehen, dass die Systemumstellung für die gesamte Mannschaft einen positiven Effekt hat", meint Kruse.

In Jena präsentierte sich der Ex-Hallenser enorm zweikampfstark und ging aus den entscheidenden Duellen als Sieger hervor. Die Umstellung funktioniert also, findet auch Wollitz: "Die Mannschaft kommt mit diesem System, also einem klaren Sechser, besser zurecht. Die Wege im Mittelfeld sind kürzer."

In Jena spielten Joshua Putze und Paul Gehrmann in der Zen trale direkt vor Kruse. Während Gehrmann seinen Platz in der Startelf mit soliden Leistungen untermauert hat, sucht Wollitz weiter nach dem idealen Nebenmann. Beim schmeichelhaften 1:0-Heimsieg gegen den ZFC Meuselwitz durfte Kevin Weidlich anstelle des grippegeschwächten Gehrmann ran. Nach 45 Minuten beendete Wollitz dieses Experiment aber schon wieder. Nach dem Spiel in Jena formulierte Wollitz noch einmal seine Forderung für die sogenannte Achter-Position im Mittelfeld: "Die beide Achter müssen noch torgefährlicher werden."

In der Tat lebt die Offensive überwiegend von den Ideen der Außenbahnspieler Fabio Viteritti und Björn Ziegenbein. Aus dem zentralen Mittelfeld heraus besteht Steigerungspotenzial. Kein Wunder, dass Energie weiter an einer Verpflichtung von Christian Müller (32) interessiert ist. Doch die Gespräche stocken, weil Müller wohl abwarten will. Der gebürtige Berliner verhandelte auch mit Rot-Weiß Erfurt. Dem Vernehmen nach lagen die finanziellen Vorstellungen weit aus einander. Energie könnte die Dynamik eines Christian Müller gut gebrauchen, wenn man Tabellenführer Jena in den kommenden Wochen attackieren will. Das ist das erklärte Ziel! Das 0:0 im direkten Duell mit den Thüringern wertet Tim Kruse als Kampfansage: "In Jena hat nicht viel zum Sieg gefehlt. Das macht Mut für die nächsten Wochen."

Tabelle und Statistik des 9. Spieltages auf Seite 17.