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| 16:06 Uhr

Fußball
Stasi-„Hochkaräter“: Dynamo-Idole attackieren Geyer

Wenn es nach den ehemaligen Mitspielern geht, darf das Bild von Eduard Geyer nicht mehr in Übergröße im Dresdner Dynamo-Stadion hängen. Der Ex-Cottbuser sagt: „Ich bedauere diese unrühmliche Diskussion.“
Wenn es nach den ehemaligen Mitspielern geht, darf das Bild von Eduard Geyer nicht mehr in Übergröße im Dresdner Dynamo-Stadion hängen. Der Ex-Cottbuser sagt: „Ich bedauere diese unrühmliche Diskussion.“ FOTO: dpa / Thomas Eisenhuth
Dresden. Der ehemalige Kulttrainer des FC Energie Cottbus soll als Ehrenspielführer von Dynamo Dresden abgesetzt werden. Das fordern nun die Vereins-Idole Klaus Sammer, Dieter Riedel und Hans-Jürgen Kreische – wegen Geyers Stasi-Vergangenheit.

Ehre, wem Ehre gebührt. Über den Umgang mit dieser Redensart ist bei der SG Dynamo Dresden ein großer Streit entbrannt. Nun stellten beim Dynamo-Präsidium die Vereinsidole Hans-Jürgen Kreische (70), Dieter Riedel (70) und Klaus Sammer (75) den Antrag, Eduard Geyer die Ehrenspieler-Würde abzuerkennen. Begründet wurde dies mit der ehemaligen Stasi-Tätigkeit ihres früheren Mannschaftskollegen.

„Es geht nicht um uns, sondern darum, wer prädestiniert ist, die Tradition des Vereins zu repräsentieren. Er doch nicht. Es ist aus unserer Sicht nicht zu vertreten, dass Geyer zum Ehrenspielführer ernannt wurde“, erklärte Kreische im Gespräch mit der „Sächsischen Zeitung“ (Freitag). Riedel verdeutlichtete, dass ihm erst jetzt das Ausmaß von Geyers Tätigkeit bewusst geworden sei: „Ich bin bisher davon ausgegangen, er sei ein Mitläufer gewesen und habe nur belangloses Zeug berichtet. Wenn man jetzt weiß, dass er mehr als 20 Spieler bespitzelt hat, war er ein Hochkaräter.

Der Verein reagierte mit Unverständnis. „Die Ernennung von Eduard Geyer zum Ehrenspielführer folgte einem ordnungsgemäßen Verfahren. Dieter Riedel hatte seinerzeit als Leiter der Traditionsmannschaft die geplante Ernennung begrüßt“, hieß es in einer Stellungnahme des Präsidenten Andreas Ritter. Zudem würden bei der Ehrenspielführer-Würde nur sportliche Kriterien herangezogen. Geyers Tätigkeit als Inoffizieller Mitarbeiter der Staatssicherheit hätte 2014 keine Rolle mehr gespielt, da dieser „die Betroffenen persönlich um Entschuldigung gebeten und eine umfassende öffentliche Aufarbeitung bereits stattgefunden hatte“.

Die drei Idole reagierten daraufhin erneut. Kreische, Sammer und Riedel wollen nicht mehr Ehrenspielführer von Dynamo sein. Das berichten die „Dresdner Neuesten Nachrichten“ (Samstagausgabe). „Ich sehe nicht ein, dass wir jetzt noch ewig einen Krieg führen sollen. Wenn der Verein das so sieht, dann ist es so“, so Kreische.

Seit 2013 wurden bei Dynamo neun Ehrenspielführer ernannt. Neben Geyer, Kreische, Sammer und Riedel auch Wolfgang Oeser, Hans-Jürgen Dörner, Reinhard Häfner, Hartmut Schade und zuletzt Ulf Kirsten. Übergroße Fotos von ihnen hängen über der Haupttribüne der Dynamo-Spielstätte. Nun soll das von Geyer verschwinden. „Entweder das Bild von Geyer wird aus dem Stadion entfernt – oder meins. Ich will nicht neben ihm hängen“, erklärte Kreische.

Mehr als zehn Jahre war der heute 73 Jahre alte Geyer unter dem Decknamen „Jahn“ als Inoffzieller Mitarbeiter für die Staatssicherheit der DDR tätig, er soll dafür sogar Geld kassiert haben. „Das habe ich schon 1992 von mir aus publik gemacht, 2000 noch mal dazu Stellung bezogen, als es nach dem Bundesliga-Aufstieg von Energie Cottbus noch mal hochgekocht wurde. Ich denke, die Menschen können sehr gut unterscheiden zwischen der Leistung und der Vergangenheit“, erklärte Geyer in einer Stellungnahme in der „Sächsischen Zeitung“.

Von 1968 bis 1975 spielte er bei Dynamo, lief 90 Mal für die Sachsen in der Oberliga auf und wurde zweimal DDR-Meister. Anschließend arbeitete er dort zunächst als Jugendtrainer und übernahm 1986 die erste Mannschaft, wurde mit ihr ebenfalls zweimal Meister.

Als Trainer übernahm Geyer 1994 den FC Energie und führte den Verein aus der Regionalliga bis ins DFB-Pokalfinale und die 1. Fußball-Bundesliga. 2004 musste er seinen Hut nehmen. „Als ich davon gehört habe, dass einige ehemalige Spieler meine Absetzung als Ehrenspielführer fordern, habe ich sie angerufen. Ich wollte mit ihnen reden und mich entschuldigen, aber das haben sie abgelehnt. Ich persönlich bedauere es, dass diese unrühmliche Diskussion entstanden ist. Die braucht Dynamo nicht, sie schadet dem Verein und ist sicher nicht zukunftsweisend“, sagte Geyer.

Dieter Riedel und Hans-Jürgen Kreische hingegen sehen keine Chance zur Versöhnung mehr. Dieter Riedel erklärte in der „Sächsischen Zeitung“ wütend: „Ich würde ihm einen einfachen Rat geben, nämlich dass er von sich aus sagt, er legt sein Amt als Ehrenspielführer nieder, nimmt sein Bild und geht damit nach Cottbus.“

Hans-Jürgen Kreische.
Hans-Jürgen Kreische. FOTO: DPA / Oliver Killig
Klaus Sammer.
Klaus Sammer. FOTO: DPA / Thomas Eisenhuth
Dieter Riedel.
Dieter Riedel. FOTO: DPA / Ralf Hirschberger
(dpa)