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| 14:32 Uhr

Fußball
Stabach: „Ein Angebot aus Jena – ich habe schnell abgesagt“

Klaus Stabach hat von 1963 bis 1974 für den SCC und Energie gespielt. Von 1990 bis 2005 war er FCE-Manager.
Klaus Stabach hat von 1963 bis 1974 für den SCC und Energie gespielt. Von 1990 bis 2005 war er FCE-Manager. FOTO: Michael Helbig/mih1
Cottbus. Energie-Legende Klaus Stabach (77) erzählt, warum er nicht den selben Weg wie sein Mitspieler Michael Strempel gegangen ist. Der Verteidiger, der jetzt verstorben ist, wurde einst DDR-Nationalspieler – Stabach jedoch in der Heimat glücklich.

Klaus Stabach, Sie haben bei Brieske Senftenberg und beim SC Cottbus gemeinsam mit Michael Strempel gespielt, der jetzt verstorben ist. Was für ein Typ war er?

STABACH Er war ein rustikaler Spieler, sehr zuverlässig und hat weder sich noch den Gegner geschont. Der Michael war kopfballstark und außerhalb des Platzes ein sehr umgänglicher Mensch. Er war ein richtiger Kumpel. Nur eines hat er nicht gemacht: Alkohol getrunken. Keinen einzigen Tropfen. Das war für Fußballer damals ja eher unüblich.

Sie gehörten beide zur Mannschaft, die 1963 auf Parteibeschluss aus Senftenberg nach Cottbus verpflanzt wurden. Wie groß war der Druck der SED damals wirklich?

STABACH Jeder durfte selbst entscheiden, einige sind ja auch in Senftenberg geblieben. Aber ganz ehrlich: Ich war heilfroh, dass es nach Cottbus ging.

Klaus Stabach (2.v.l.) und Michael Strempel (3.v.l.) im Dress des SC Cottbus – danach trennten sich die Wege der beiden Abwehrspieler.
Klaus Stabach (2.v.l.) und Michael Strempel (3.v.l.) im Dress des SC Cottbus – danach trennten sich die Wege der beiden Abwehrspieler. FOTO: Energie-Museum

Wieso?

STABACH Ich habe ja in Cottbus gewohnt und war von Dynamo Cottbus nach Senftenberg delegiert worden. Die Bedingungen für uns Fußballer waren in Cottbus eindeutig besser.


Gemeinsam mit Strempel haben Sie legendäre Duelle SC Cottbus gegen Vorwärts Cottbus gespielt. Das Derby 1965 vor 10 000 Zuschauern in Forst war dann Strempels letztes Spiel für Cottbus.

STABACH Ich kann mich noch genau erinnern, wir haben 1:3 verloren.


Und Hajo Prinz und später auch Michael Strempel sind beide vom Platz geflogen.

STABACH Das konnte gut sein. Strempel ist ja immer rustikal zur Sache gegangen.


Dieses Mal gab es aber Rot wegen Schiedsrichterbeleidigung. War er ein Hitzkopf?

STABACH Nein, eher im Gegenteil. Er war zwar ein harter, aber auch ruhiger und besonnener Spieler. Da muss schon etwas Schwerwiegenderes passiert sein.


Strempel wurde von Zweitligist Wismut Gera abgeworben. War das damals in der DDR überhaupt üblich?

STABACH Naja, gerade die Mannschaften in Sachsen und Thüringen hatten damals deutlich mehr Geld als wir im Kohlepott. Und Gera war einer der finanzstärksten Vereine, das wussten damals alle.


Strempel wurde in Gera eine Wohnung angeboten.

STABACH Eben. Das war in den 60er-Jahren ein wichtiges Zugpferd. Und auch so bekamen die Fußballer einige Privilegien bei ihren Vereinen.


Hätten Sie gedacht, dass Michael Strempel es bis zum Nationalspieler schaffen würde?

STABACH Das kommt ja immer auch ein bisschen auf den Trainer an. In Cottbus war er zwar Stammspieler, hat aber immer ein bisschen gewackelt. In Jena kam er zu Georg Buschner, der genau diese Spieler wie Michael mochte. Die den Gegner beschatten und hart das Spiel stören.

Hatten Sie eigentlich auch mal ein Abwerbungsangebot von einem anderen Club?

STABACH Ja, das hatte ich: Ein Angebot aus Jena – aber ich habe schnell abgesagt?


Wieso das denn?

STABACH Ach, wissen Sie: Heimat ist halt Heimat, das war für mich damals schon so. Außerdem war ich im Gegensatz zu Michael Strempel schon verheiratet. Ich wollte einfach in Cottbus bleiben.


Mensch, Herr Stabach, in Jena wären Sie vielleicht auch Nationalspieler geworden!

STABACH Im Nachhinein kann man das vielleicht sagen. Aber Carl Zeiss hatte damals eine Top-Mannschaft. Dort hat beispielsweise Hans Meyer auf meiner Libero-Position gespielt. Wer weiß, ob ich an dem vorbeigekommen wäre. Ich habe es nie bereut, dass ich in Cottbus geblieben bin. Wir haben hier ja auch nicht so schlecht verdient.


War das Gehalt gut?

STABACH Ja, auf alle Fälle. Für damalige Verhältnisse sogar sehr, sehr gut.

Mit Klaus Stabach
sprach Jan Lehmann