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| 17:04 Uhr

Landespokal
Sportkamerad Wollitz und die Überraschung

Kevin Scheidhauer (l.) erzielte den 1:1-Ausgleich bei Nord-Oberligist Brandenburger SC Süd.
Kevin Scheidhauer (l.) erzielte den 1:1-Ausgleich bei Nord-Oberligist Brandenburger SC Süd. FOTO: Sven Bock/FuPa Brandenburg
Cottbus. Energie Cottbus zieht souverän ins Landespokal-Halbfinale ein. Als Test für das Spiel am Samstag bei Drittliga-Tabellenführer VfL Osnabrück taugt der Sieg gegen Brandenburg Süd aber nicht. Von Frank Noack und Steven Wiesner

„Sportkamerad Wollitz“ nahm die verbale Vorlage des Fragestellers gern an. „Sport­kamerad Wollitz“, wie der Energie-­Trainer vom lebenserfahrenen Moderator der ­Pressekonferenz nach dem ­Landespokalspiel beim Brandenburger SC Süd etwas altertümlich, aber charmant  genannt wurde, wollte ohnehin am liebsten einen Haken unter diese Pokal-Pflichtaufgabe machen und vorausblicken auf die kommende Drittliga-Herausforderung am Samstag bei Tabellenführer VfL Osnabrück. „Unser Ziel ist es, in Osnabrück zu gewinnen. Ich denke, dass wir auch dort konkurrenzfähig sind. Wir wollen am Ende die Liga halten und uns weiterentwickeln“, erklärte Wollitz und bekam dafür krachenden Beifall in der bierseligen Atmosphäre der Gaststätte auf dem Werner-Seelenbinder-Sportplatz in Brandenburg.

Sogar Fragen der Fans beantwortete der Coach nach dem 3:1 (1:1)-Sieg von Energie Cottbus im Landespokal-Viertelfinale beim Nord-Oberligisten Brandenburg.  Dass diese Presse-Fan-Konferenz so entspannt und ohne verbale Provokationen über die Bühne ging, lag auch an dem relativ eindeutigen ­Geschehen zuvor auf dem Rasen. Die 1. Halbzeit passte aus Sicht der Gastgeber noch ganz passabel in das Bild vom Pokalduell David gegen Goliath. Brandenburg ging durch ein feines Freistoß-Tor von Karol Orlos in der 16. Minute in Führung. Energie überwand diesen Schreckmoment aber zügig. Nur zwei Minuten später erzielte Kevin Scheidhauer den 1:1-Ausgleich (18.).

Im Prinzip musste der favorisierte Drittligist nur darauf warten, bis den tapfer kämpfenden Außenseiter die Kräfte verließen. Das passierte dann mit Beginn der 2. Halbzeit auch relativ zügig. Zudem profitierte Energie durch die Systemumstellung nach der Einwechslung von Streli Mamba. Kevin Scheidhauer und Dimitar Rangelov kamen jetzt mehr über Außen, im Zentrum sorgte Mamba für Un­ruhe. Die Tore von Rangelov per Freistoß (51.) und Fabio Viteritti nach einer schönen Ballstafette (68.) waren die logische Folge. Goliath machte jetzt kurzen Prozess mit ­David. „Klar, Brandenburg geht mit 1:0 in Führung. Trotzdem hatten wir das Spiel insgesamt gut im Griff“, fand Scheidhauer nach dem letztlich souveränen Einzug ins Halbfinale. „Es war natürlich eine Pflichtaufgabe. Trotzdem kann man in so einem Spiel auch Selbstvertrauen tanken. Diesen Schwung wollen wir jetzt mitnehmen in das nächste Spiel in Osnabrück.“


Claus-Dieter Wollitz (l.) schaut bereits auf das Spiel in Osnabrück.
Claus-Dieter Wollitz (l.) schaut bereits auf das Spiel in Osnabrück. FOTO: Sven Bock/FuPa Brandenburg

Hinfahren, gewinnen und ab­haken – das war der Plan für diese Pokal-Aufgabe. Die Leistung der eigenen Mannschaft wollte ­Wollitz deshalb auch gar nicht groß bewerten. Was man aus diesem Spiel in puncto Besetzung der Mittelfeld-Zentrale mitnehmen kann? „Gar nix“, versicherte der Trainer. „Weil ich dann anders aufgestellt hätte. In diesem Spiel ging es nur darum, eine Runde weiterzukommen. In Osnabrück wird es ein ganz anderes Spiel. Da müssen wir ganz anders gegen den Ball ar­beiten und eine andere Struktur entwickeln.“

Am Samstag in Brandenburg bildeten Paul Gehrmann und Lasse Schlüter das neue Tandem auf dieser so wichtigen Position. Mit den jüngsten Verletzungen von Tim ­Kruse (Achillessehnen-Anriss), ­Marcelo (Innenband-Anriss) sowie dem ohnehin schon länger fehlenden Daniel Stanese (Mittelfußbruch) sind sämtliche Optionen für die Zentrale weggebrochen. Bis zur Winterpause wird keiner dieser drei Spieler zurückkehren. Die Lücke ist also riesengroß. Dazu kommt noch die Verletzung von Kapitän Marc Stein, der sich das Nasenbein gebrochen hat und wohl in Osnabrück ebenfalls noch aussetzen muss.

Der in der Oberliga in Abstiegsgefahr schwebende Brandenburger SC Süd war natürlich kein Maßstab für die Belastbarkeit der neu formierten Mittelfeld-Zentrale. Dass diese Zentrale am Samstag in der heißblütigen  Atmosphäre an der Bremer Brücke in Osnabrück wieder mit Gehrmann und Schlüter besetzt sein wird – darauf braucht  man wohl eher nicht wetten. „Es sollten sich alle überraschen lassen. Auch wir hier in der Lausitz haben einen Plan – obwohl ich als Trainer mit dem Laptop nur im Büro arbeite und nicht auf dem Fußballplatz“, kündigte Wollitz vor der Rückkehr an seine ehemalige Wirkungs­stätte angriffslustig und auch ein wenig verschwörerisch an.


„Grüße ins Energie-Lazarett. Kommt schnell zurück.“ Mit dieser Botschaft reagierten die Fans auf die vielen Verletzten im Kader. 
„Grüße ins Energie-Lazarett. Kommt schnell zurück.“ Mit dieser Botschaft reagierten die Fans auf die vielen Verletzten im Kader.  FOTO: Sven Bock/FuPa Brandenburg