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| 17:25 Uhr

Fußball
Spielt Energie Cottbus bald international?

Der SC Weiche Flensburg 08, hier gegen den VfB Lübeck, bestreitet seine Regionalliga-Heimspiele in einem Mini-Stadion mit Sportplatz-Charme.
Der SC Weiche Flensburg 08, hier gegen den VfB Lübeck, bestreitet seine Regionalliga-Heimspiele in einem Mini-Stadion mit Sportplatz-Charme. FOTO: BEAUTIFUL SPORTS/Mario M. Koberg / Imago Sportdienstfoto GmBH
Flensburg/Cottbus. Der mögliche Energie-Gegner Weiche Flensburg patzt im Nachholspiel und bleibt trotzdem Spitzenreiter der Regionalliga Nord. Es steht also weiter die Frage: Findet das Aufstiegsspiel womöglich im Ausland statt? Von Jan Lehmann und Frank Noack

Der Tag der Arbeit bedeutete für den SC Weiche Flensburg am Dienstag tatsächlich harte Arbeit. Im Nachholspiel der Regionalliga Nord mühte sich der Spitzenreiter zu einem  2:2 bei Kellerkind VfB Oldenburg – auf einem ziemlich holprigen Spielfeld, auf dem verwirrenderweise auch noch die Linien für ein vorheriges American-Football-Spiel zu sehen waren. Zu den 761 Zuschauern, die dieses Linienchaos entziffern mussten, gehörte auch ein Späher aus der Lausitz. Energie-Trainer Claus-Dieter Wollitz und seine Trainerkollegen beobachten derzeit die potenziellen Gegner für die Aufstiegsspiele am 24. und 27. Mai. Flensburg bleibt trotz des unerwarteten Unentschiedens der heißeste Kandidat dafür.

Dennoch ist die Vorbereitung auf die K.o.-Spiele für den FC Energie eine Gleichung mit vielen Unbekannten. Denn weiterhin sind der Hamburger SV II und der VfL Wolfsburg II mit im Titelrennen, die beiden Reserveteams bestreiten am Mittwoch je ein Nachholspiel in der von den Wetterkapriolen komplett zerstückelten Nord-Staffel.

Zudem gibt es bei Spitzenreiter  Flensburg ein ernsthaftes Problem: In der Handball-Hochburg haben sie kein brauchbares Fußballstadion. Zuletzt beim Topspiel gegen den HSV II waren 2800 Gäste im Flensburger Manfred-Werner-Stadion. Mehr sind nicht erlaubt, und viele Gäste klagten über schlechte Sicht. Den Ansprüchen des DFB genügt das nicht, zumal es in dem Stadion kein Flutlicht gibt. Das Hinspiel soll am 24. Mai zwischen 18 und 20 Uhr angepfiffen werden.

Nach RUNDSCHAU-Informationen haben die Flensburger deshalb in Kiel angefragt, ob sie das Aufstiegs-Hinspiel sowie die möglichen Drittliga-Partien in der kommenden Saison im Holstein-Stadion bestreiten dürfen. Laut „Flensburger Tageblatt“ haben die Stadt Kiel als Eigentümer und Zweitligist Holstein Kiel als Nutzer die Erlaubnis dafür erteilt. Doch die Gespräche sind  schwierig, die Kosten für die Stadionmiete sehr hoch.

Die Genehmigung gelte ohnehin nur für das Aufstiegsspiel, hieß es. Das Stadion soll im Sommer ausgebaut werden. Holstein Kiel kämpft ja noch um den Aufstieg in die 1. Bundesliga und spielt derzeit auch nur mit Sondergenehmigung in der 13 400 Zuschauer fassenden Arena.

Schleswig-Holstein ist eben ein Handball-Land, hat mit dem THW Kiel und der SG Flensburg Handewitt zwei Hochkaräter. Für Fußball  ist an der Küste bisher noch nicht viel Platz. In Flensburg wurde deshalb auch schon darüber nachgedacht, nicht nur das Bundesland, sondern sogar die Bundesrepublik zu verlassen. Die Verantwortlichen erwogen, für das Aufstiegsspiel ins dänische Haderslev umzuziehen. Der dortige Sydbank Park würde den Anforderungen genügen.

Spielt Energie Cottbus also bald mal wieder international? Die letzte Begegnung im Ausland bestritten die Lausitzer im Rahmen ihres Türkei-Trainingslagers im Januar 2015. Gegen den aserbaidschanischen Vertreter FK Inter Baku gab es damals ein 1:1. Das letzte internationale Pflichtspiel liegt indes noch viel länger zurück. Im Intertoto-Cup waren die Cottbuser am 17. Juli 1991 bei Hammarby IF Stockholm zu Gast und verloren mit 0:3. Doch der DFB schiebt einem weiteren Cottbuser Auslandsauftritt wohl den Riegel vor. Pflichtspiele müssen auf deutschem Fußballboden bestritten werden, heißt es vom Verband.

In Cottbus kann man diese Stadionposse gelassen betrachten. Beim FCE hofft man derweil darauf, dass zum Aufstiegs-Rückspiel erstmals seit sechs Jahren wieder mehr als 20 000 Zuschauer ins Stadion der Freundschaft kommen. Am 11. November 2012 waren im Zweitliga-Derby gegen Dynamo Dresden (2:0) 20 500 Karten verkauft worden.

Innerhalb der Mannschaft fiebert man den Partien entgegen. Mittelfeldspieler Marcelo erklärte: „Wir warten das ganze Jahr auf diese Spiele, wir werden alles geben.“ Und Tim Kruse fügte an: „Wir haben eindreiviertel Jahre darauf hingearbeitet, die Vorfreude ist riesig.“

Und beim SC Weiche Flensburg? Da bleibt auch nach dem 1. Mai noch jede Menge Arbeit. Störende Linien vom American Football sind da noch das geringste Problem.

Eine 2017 errichtete Tribünenüberdachung im Manfred-Werner-Stadion sorgt dafür, dass einige Zuschauer zumindest trocken stehen. Doch den Anforderungen des Deutschen Fußball Bundes genügt die Arena nicht.
Eine 2017 errichtete Tribünenüberdachung im Manfred-Werner-Stadion sorgt dafür, dass einige Zuschauer zumindest trocken stehen. Doch den Anforderungen des Deutschen Fußball Bundes genügt die Arena nicht. FOTO: Weiche Flensburg
FCE Mai Aufstieg 4c
FCE Mai Aufstieg 4c FOTO: LR