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| 17:20 Uhr

Fußball
Spahic – (k)einer wie Piplica

Avdo Spahic hatte im Hinspiel gegen Halberstadt sein Debüt als echte Nummer eins beim FC Energie gegeben.
Avdo Spahic hatte im Hinspiel gegen Halberstadt sein Debüt als echte Nummer eins beim FC Energie gegeben. FOTO: Steffen Beyer
Cottbus. Mit dem Energie-Spiel gegen Halberstadt erreicht Avdo Spahic ein Zwischenziel. Er hat sich als Nummer eins etabliert und weckt Erinnerungen an einen anderen Bosnier im FCE-Tor.

Man kann es vorweg nehmen: Nein, Avdo Spahic ist keiner wie Tomislav Piplica. Dabei drängt sich dieser Vergleich doch auf: Beides Bosnier, beides Torhüter, beide beim FC Energie Cottbus.

Doch da hören die Gemeinsamkeiten wohl schon auf. Auf der einen Seite Piplica, der wilde Pirat aus Bugojno in Zentralbosnien. Der mit 29 Jahren nach Cottbus kam und sich mit seinen langen Haaren, den sagenhaften Reflexen und den verrückten Ausflügen aus seinem Strafraum von 1998 bis 2009 Kultstatus beim FC Energie erarbeitete – und deutschlandweit einen Namen: Als Schlitzohr mit Schalk im Nacken, dass aber auch schon mal via „Bild“-Zeitung seinen deftigen Unmut über seine zwischenzeitliche Reservistenrolle bekundete.

Und nun ist da eben Spahic, in Berlin geboren und seit 2014 im Nachwuchs des FCE groß geworden. Seine Frisur ist eher unauffällig, ein Stirnband trägt er nicht. Spahic‘ Reflexe sind zwar ebenfalls bemerkenswert, aber sein Torwartspiel ist bei weitem nicht so spektakulär wie das seines kultigen Vorgängers. Ausflüge aus dem Strafraum sind bei ihm so selten wie große Worte in der Öffentlichkeit. Da ist Spahic so schweigsam wie einst Gerry Tremmel, Piplicas Gegenspieler unter den Energie-Torhütern.

Tomislav Piplica erarbeitete sich von 1998 bis 2009 Kultstatus beim FC Energie. Avdo Spahic ist nun ein ganz anderer Typ als sein bosnischer Landsmann.
Tomislav Piplica erarbeitete sich von 1998 bis 2009 Kultstatus beim FC Energie. Avdo Spahic ist nun ein ganz anderer Typ als sein bosnischer Landsmann. FOTO: Peter Aswendt

Selbst bei den Rückennummern gibt es Unterschiede. Piplica war den Großteil seiner Cottbuser Zeit mit der 23 unterwegs. Spahic tauschte vor zwei Wochen zum Heimspiel gegen Auerbach die 43 gegen die 1. Trainer Claus-Dieter Wollitz erklärt: „Wir wollten ihm damit zeigen: ,Du darfst die Nummer 1 tragen.‘ Wir sind mit Avdos Entwicklung sehr zufrieden.“

Das Spiel gegen Germania Halberstadt am Samstag (13.30 Uhr) ist  für den 21-jährigen Keeper nun ein kleines Etappenziel. Schließlich gab er in der Hinrunde beim Spiel in der Würstchenstadt sein Debüt als echter Stammkeeper beim FCE, nachdem er zuvor nur die zwischenzeitliche Verletzungsvertretung für Alexander Meyer gewesen war. Doch der wurde kurz vor Transferschluss zum VfB Stuttgart verkauft  und Trainer Wollitz betont im Nachgang: „Das haben wir damals ohne große Sorgen gemacht, weil uns klar war, dass Avdo dann die Nummer eins ist. Wir wurden bisher darin bestätigt, dass dies die richtige Entscheidung war.“

16 Spiele hat Spahic in der Regionalliga Nordost seitdem für Energie absolviert, elf davon ohne Gegentor. Nach dem Halberstadt-Debüt hatte er mit glänzenden Augen erklärt: „Es war ein fantastisches Gefühl.“ Wollitz hat beobachtet: „Ich glaube, dass er in dieser Verantwortung weiter gereift ist. Er hat noch Luft nach oben. Aber Avdo ist sehr diszipliniert und arbeitet auch abseits des Platzes hart an sich, vor allem an der körperlichen Stabilität. Die wird er brauchen, wenn er eines Tages höherklassig spielen wird – und davon bin ich überzeugt.“

Der Trainer betont, dass er hofft, Spahic über den 30. Juni hinaus in Cottbus halten zu können. Er sagt: „Ich weiß, dass Avdo im Fokus anderer Vereine steht.“ Aber der Keeper habe das Zeug dazu, eines der neuen Gesichter des FC Energie zu werden. Wollitz nennt weitere Cottbuser Eigengewächse wie Felix Geisler, Malte Karbstein, Philipp Knechtel oder Jonas Zickert, die das Zeug dazu hätten, eines Tages einen ähnlichen Status wie einst Piplica beim FCE zu erlangen.

Oder eben Spahic. Der Trainer betont: „Es wäre fahrlässig, diesen Spieler aus dem eigenen Nachwuchs nicht weiter zu entwickeln.“ Und der Coach verrät, dass er durchaus Parallelen bei den beiden bosnischen Energie-Keepern sieht. „In der Kabine gibt sich Avdo anders als auf dem Platz. Er kann sehr lustig sein, mit einer äußerst charmanten Schlitzohrigkeit.“ Mal sehen: Vielleicht wird ja Spahic am Ende dann doch noch einer wie Piplica.

aufstellung_FCE_23
aufstellung_FCE_23 FOTO: LR
spieltag_fce_halberstadt
spieltag_fce_halberstadt FOTO: LR
1 Avdo Spahic (Energie Cottbus, )
1 Avdo Spahic (Energie Cottbus, ) FOTO: Steffen Beyer