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| 13:52 Uhr

XXL-Gegnercheck
So hart wird es für Energie gegen Weiche Flensburg

Mannschaftliche Geschlossenheit zeichnet Weiche Flensburg aus.
Mannschaftliche Geschlossenheit zeichnet Weiche Flensburg aus. FOTO: Jan Kirschner
Cottbus. Wer gibt das Geld, wer schießt die Tore, wie ticken die Fans? Die RUNDSCHAU hat den Cottbuser Aufstiegsgegner SC Weiche Flensburg im XXL-Gegner-Check unter die Lupe genommen. Dabei haben wir sogar einen Beinahe-Ex-Cottbuser entdeckt. Von Jan Lehmann

Der Trainer: Daniel Jurgeleit (54) war einst ein spielintelligenter Offensivakteur, der mit 117 Treffern auf Rang sechs der ewigen Torjägerliste der 2. Bundesliga liegt. Jurgeleit spielte unter anderem für Fortuna Düsseldorf, FC Homburg, Spielvereinigung Unterhaching, Eintracht Braunschweig und Holstein Kiel. Sein Gegenüber Claus-Dieter Wollitz erinnert sich: „Wir haben gegeneinander gespielt. Es kann auch sein, dass wir uns mal auf dem Spielfeld was gesagt haben, aber es war nicht so schwerwiegend, dass ich mich daran erinnere. Ich weiß noch, dass er ein sehr kluger Spieler war.“ Jurgeleit ist seit 2010 Trainer in Flensburg und hat sich seitdem mit seiner Mannschaft kontinuierlich nach oben gearbeitet. Das Double aus Meisterschaft und Pokalsieg in dieser Saison ist sein größter Erfolg als Trainer.

Der Geldgeber: Der SC Weiche hatte in der Meistersaison einen Zuschauerschnitt von 1014 Gästen pro Spiel. Wie kann der Verein damit eine mögliche Drittliga-Mannschaft finanzieren? Wichtigster Geldgeber ist Harald Uhr, der auch Geschäftsführer beim SC Weiche ist. Er ist gleichzeitig Inhaber einer Betoninstandsetzungs-Firma. Die gehört nach eigenen Angaben zu einer der wenigen Experten in Deutschland, wenn es um Betonerhaltung und Bodenbeschichtung geht und könne einzgartige Lösungen anbieten. Einzigartig ist offenbar auch Harald Uhrs Sportbegeisterung und seine Finanzkraft. 1996 holte er beispielsweise den damals 20-jährigen Wladimir Klitschko zu einem Flensburger Box-Bundesligaverein – und zahlte ihm 10 000 Euro für acht Kämpfe. Im Rückblick ein echtes Schnäppchen, weil danach Klitschkos Weltkarriere begann.

Die Stärke: Es ist keine Mannschaft, bei denen einzelne Akteure herausstechen. Wenn man über den SC Weiche spricht, wird immer wieder die mannschaftliche Geschlossenheit als Qualitätsmerkmal beschrieben. Seit dem Regionalliga-Aufstieg 2012 wurde das Team Jahr für Jahr kontinuierlich verstärkt. Viele Spieler kommen aus dem Umfeld von Holstein Kiel und haben dort ihre fußballerische Ausbildung genossen. Weil die meisten Spieler auch aus dem Norden, meist aus Schleswig-Holstein kommen, ist die regionale Verwurzelung ein weiterer Stabilitätsfaktor. Trainer Daniel Jurgeleit wechselte sein Team in der zurückliegenden Saison wegen der vielen Spiele innerhalb kurzer Zeit oft durch – Qualitätsunterschiede der einzelnen Formationen waren dabei kaum auszumachen. Auf dem Spielfeld überlässt Flensburg oft dem Gegner den Ball. Energies Co-Trainer Frank Eulberg, der den Gegner seit Jahren kennt und beobachtet, warnt aber: „Wir werden in den Spielen sicher ziemlich oft den Ball haben und unsere Spieler könnten denken: ,Mensch, wir haben ja alles im Griff!‘“ Doch genau darin bestehe die Gefahr. „Flensburg kommt dann urplötzlich und mit einer solchen Wucht nach vorn, da muss man bis zur letzten Minute höllisch aufpassen.“

Die Erfahrung: Kapitän Christian Jürgensen (33) hat wie einige seiner Kollegen schon bei Holstein Kiel gespielt. Er ist ein erfahrener Mann und Abwehrchef. Jürgensen sagte im RUNDSCHAU-Interview: „Der Fokus liegt voll auf dem Spiel in Kiel. Wir werden alles raushauen und glauben an unsere Chance.“ Viel Erfahrung hat auch Angreifer Fiete Sykora (35). Den kennt Energie-Trainer Claus-Dieter Wollitz gut, hatte den Stürmer 2008 von Aue nach Osnabrück geholt. Sykora saß in den Topspielen der Flensburger zwar nur auf der Bank, ist aber wegen seiner Kopfballstärke sicher ein Kandidat für die Schlussphase. Die beiden Zwillinge Hendrik und Jannick Ostermann (29) sind zwei wichtige Stabilisatoren im Team, sie sind schon seit dem ersten Regionalliga-Jahr 2012 bei Weiche.

Der Torjäger: Renè Guder (23) ist seit August 2017 wieder in Flensburg, zuvor war er bei Holstein Kiel – auf Leihbasis hatte er schon 2016/17 in Flensburg gespielt, ehe er kurz zu seinem Stammverein zurück musste. In der Meistersaison hatte Guder mit 16 Toren und acht Vorlagen in 29 Spielen seinen Anteil am Titel. Dominic Hartmann (25) mit acht Treffern und Nico Empen (22) mit sieben Toren haben ebenfalls ihre Torgefahr in dieser Saison nachgewiesen.

Der Beinahe-Ex-Cottbuser: Bei Weiche Flensburg steht doch gar kein ehemaliger Cottbuser im Kader? Stimmt nicht ganz. Mit Junior Ebot-Etchi spielt immerhin ein bekanntes Gesicht bei den Norddeutschen. Der Deutsch-Kameruner war im Sommer 2016 zum Probetraining in Cottbus – allerdings nur kurz. Vor einem Probespiel in Branitz hatte der Flügelflitzer, der zuvor bei VfL Wolfsburg II gespielt hatte, Trainer Wollitz um ein Gespräch gebeten. Die Perspektiven, die ihm der Trainer damals sowohl sportlich als auch finanziell aufzeigte, sollen Ebot-Etchi nicht behagt haben. Er reiste deshalb kurz vor dem Spiel ab. In der zurückliegenden Saison hat er 26-Spiele für Flensburg in der Regionalliga Nord absolviert und zwei Tore vorbereitet. Der 22-Jährige wechselt zur kommenden Saison zum Drittligisten Sportfreunde Lotte.

Die Fans: Die Fanszene ist überschaubar, aber aktiv. Es gibt beispielsweise „Die Küstenlümmel“, die sich darüber freuen, dass sie jetzt im Trocknen stehen können, weil es seit 2017 eine Überdachung an der Haupttribüne im Flensburger Manfred-Werner-Stadion gibt. Mit 22 Mitgliedern sind die „Küstenlümmel“ allerdings eine eher überschaubare Gruppe. Wichtigster Unterstützer bei Heimspielen ist sicher der „Eisenbahner Fanclub“ – der stammt noch aus den Zeiten, als es noch den ETSV (Eisenbahner Turn- und Sportverein) Weiche Flensburg gab. Die „Eisenbahner“ organisieren unter anderem gemeinsame Fanreisen zu den Auswärtsspielen. Die „Flensburger Jungs“ und der „Nordblock“ sind weitere Fanclubs.