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| 14:45 Uhr

Fußball
Energie wie die Gallier: Erst streiten, dann siegen

Auf sie mit Gebrüll! Energie Cottbus hat zum ersten Mal auf dem Betzenberg gewonnen und das mit den 800 mitgereisten Fans gefeiert.
Auf sie mit Gebrüll! Energie Cottbus hat zum ersten Mal auf dem Betzenberg gewonnen und das mit den 800 mitgereisten Fans gefeiert. FOTO: Eibner-Pressefoto / EIBNER/eer
Kaiserslautern . Der FC Energie macht es wie Asterix & Co: Erst fliegen intern die Fetzen, dann wird der Lauterer Betzenberg gestürmt. Die offenen Gespräche nach der Niederlage gegen Fortuna Köln sehen die Lausitzer als Wendepunkt an. Von Jan Lehmann

Lauterns Trainer Michael Frontzeck hatte sicher nicht geahnt, wie Recht er hat, als er vor dem Spiel seines 1. FC Kaiserslautern gegen Cottbus den FC Energie als „gallisches Dorf an der polnischen Grenze“ betitelte. Nach dem überraschenden 2:0-Auswärtssieg der Lausitzer am Freitag erinnerten Frontzeck und sein Team an die verprügelten Römer, die nach dem Aufeinandertreffen mit Asterix & Co. ihre Knochen sortieren müssen.

Und Energie? Wie in den Comics von René Goscinny, in denen sich die Gallier in ihrem Dorf regelmäßig wie Kesselflicker streiten, waren auch beim FCE zuletzt intern die Fetzen geflogen. Die gallisch-lausitzer Erfolgsgeschichte begann also nicht erst mit dem Sturm auf den Betzenberg, sondern bereits mit einem reinigenden Gewitter vor zwei Wochen. Trainer Wollitz berichtet von „intensiven, unangenehmen Gesprächen“ mit der Mannschaft, bei denen auch Präsidium und Geschäftsführer beteiligt gewesen seien. Nach der Niederlage gegen Fortuna Köln wurde Tacheles geredet. Wollitz beschreibt: „Da sind wir richtig in die Wunden gegangen.“

Auch Wollitz bekam seine Tracht ab. So kritisierte die Mannschaft unter anderem die Trainingsintensität. Wollitz gibt zu: „Ich fordere unglaublich viel. Aber die Mannschaft braucht auch mal Ruhe. Da bin ich manchmal ungeduldig, weil ich glaube, dass mit einer hohen Intensität in dieser Liga unfassbar viel möglich ist.“ So wie am Freitag in Lautern, als sich Anführer Marc Stein nicht mal bei seinem Kopfballtor (48.) von einem Nasenbeinbruch stoppen ließ. Und als Stoßstürmer Streli Mamba nach zuletzt schwachen Auftritten plötzlich wieder so aufdribbelte, als ob er als Kind in den Kessel mit dem Zaubertrank gefallen sei. Den Konter zum 2:0 (75.), den Lasse Schlüter vollendete, hätte Asterix-Zeichner Albert Uderzo, auch nicht besser aufmalen können.

Kaiserslautern - Energie Cottbus FOTO: imago/Eibner / Eibner-Pressefoto

Energie Cottbus und das gallische Dorf – diese Formulierung gibt es schon länger. Der einstige Trainer FCE-Petrik Sander, von 2004 bis 2007 im Amt, hatte zu Erstliga-Zeiten die Gegenwehr gegen die übermächtigen Spitzenclubs so umschrieben.

Nun feiert Cottbus die Rückkehr der Gallier. Im riesigen WM-Stadion von Kaiserslautern wähnten sich die Lausitzer beinahe im Kolloseum von Rom. Fabio Viteritti gibt zu: „Wir waren ganz schön überrascht, wie groß so ein Stadion sein kann. Aber wir haben zwei Jahre lang hart dafür gearbeitet, vor so einer großen Kulisse kicken zu dürfen.“

Das taten die Cottbuser so unerschrocken wie die Gallier, zum Leidwesen des geschlagenen Aufstiegsfavoriten aus der Pfalz. Lauterns Stürmer Timmy Thiele erklärte beleidigt wie einst der große Cäsar: „Wie die hier spielen ist einfach nur widerlich.“ Er wetterte: „Energie schießt die Dinger irgendwo ins Aus, macht nichts fürs Spiel. Das ist sehr ärgerlich, gegen diese Mannschaft verloren zu haben.“ FCK-Profi Jan Löhmannsröben klagte: „Cottbus hat die Mauer wieder hochgezogen. Jetzt sind wir wieder die Dummen.“

Die Pleite gegen den Aufsteiger, ist für Lautern mehr als nur ein blaues Auge.Bei Energie hingegen freut man sich über den gelungenen Coup mit der Abwehr-Dreierkette, die sich flugs zur Fünferkette verdichtete. Trainer Claus-Dieter Wollitz betonte: „Man muss sich nicht dafür entschuldigen, dass man nur eine Torchance zulässt.“

Wollitz war besonders mit der disziplinierten Arbeit gegen den Ball zufrieden: „Das war unsere Qualität in der Regionalliga, die hatten wir etwas verloren.“ Vom internen Disput sei nichts hängen geblieben, so der Trainer. „Niemand ist nachtragend, ich bin dankbar für die Ehrlichkeit. Wir konnten so Veränderungen vornehmen, die absolut wichtig waren“, betont Wollitz.

Und so wurde in aller Eintracht angestoßen. Ersatzkeeper Kevin Rauhut und Jung-Profi Max Grundmann organisierten in den Katakomben des Fritz-Walter-Stadions die Kaltgetränken und Verteidiger José-Junior Matuwila erklärte: „Freitagabend, Sieg in Lautern, das können wir ein bisschen feiern.“ So wie die Gallier es wohl auch getan hätten.