ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 14:58 Uhr

Interview
Schuppan: „Wenn ich gewusst hätte, dass Wollitz kommt“

FOTO: Imago Sportdienstfoto GmBH / pmk
Cottbus. Der Senftenberger Sebastian Schuppan muss als Würzburger Kapitän mit seinem Team ausgerechnet gegen sein Ex-Club Energie die Trendwende schaffen. Das Spiel am Sonntag ist für ihn ein ganz Besonderes. Von Jan Lehmann

Sebastian Schuppan, was ist bloß in Würzburg los? Es gab gleich drei Niederlagen zum Auftakt.

SCHUPPAN „Das kann man als klassischen Fehlstart bezeichnen, da müssen wir gar nicht drum herumreden.“

Konnten Sie im Verein schon Gründe dafür ausmachen – oder kann man sagen, dass die Spiele einfach auch ein bisschen unglücklich gelaufen sind?

SCHUPPAN „Wir wollen gar nicht erst anfangen, uns nach drei Spieltagen schon selbst zu bemitleiden. Klar hätten die Spiele auch etwas anders laufen können. Aber ein Grund für den schlechten Start liegt auf der Hand: Wir haben zu viele Gegentore bekommen. Dieses Problem müssen wir angehen. Ich bin Abwehrspieler und Kapitän, da sehe ich mich natürlich in der Pflicht. Wir müssen jetzt versuchen, mehr Stabilität ins Spiel zu bekommen – am Sonntag gegen Cottbus sollte das unbedingt besser funktionieren.“

Ausgerechnet gegen Energie Cottbus, Ihren einstigen Ausbildungsverein, soll die Trendwende gelingen. Sie sind seit zehn Jahren aus Cottbus weg. Ist das für Sie trotzdem immer noch ein besonderer Gegner?

SCHUPPAN „Auf jeden Fall. Ich habe mich riesig gefreut, dass Energie wieder aufgestiegen ist. Der Abstieg in die Regionalliga hatte mich tief getroffen. Ich bin dem FCE immer noch unendlich dankbar dafür, dass ich dort die Grundlagen für meine Karriere legen durfte. Deshalb habe ich Cottbus immer besonders im Blick und informiere mich regelmäßig. Die Kontakte in die Lausitz sind noch da.“

Sie sind 2008 nach Paderborn in die 3. Liga gewechselt. Der FCE war damals Erstligist. War das im Rückblick betrachtet die richtige Entscheidung?

SCHUPPAN „Wenn ich gewusst hätte, dass bald ,Pele‘ Wollitz Trainer bei Energie wird, hätte ich vielleicht anders entschieden. Aber die damalige Situation unter Trainer Bojan Prasnikar war für mich nicht tragbar. Es wurde vor allem auf erfahrene Spieler aus dem Balkan gesetzt. Ich habe für mich überhaupt keinen Spielraum für eine positive Entwicklung gesehen und musste etwas ändern. Aber wie gesagt: Im Nachhinein hätte ich vielleicht unter Wollitz auch in Cottbus meinen Weg gehen können.“

Insgesamt ist Ihre Karriere sehr gut gelaufen. Sie haben schon vier Aufstiege miterlebt, das können nur wenige Profis von sich behaupten.

SCHUPPAN „Ja, nach Paderborn ging es für mich auch stetig bergauf. Die Aufstiege waren tolle Momente, leider war auch ein Abstieg mit Dresden dabei, den ich gerne streichen würde. Aber solche Erfahrungen gehören im Leben eben auch dazu.“

Sie waren nach Paderborn bei Dynamo Dresden, Arminia Bielefeld – und sind jetzt in Würzburg gelandet. Wie haben Sie sich persönlich weiterentwickelt?

SCHUPPAN „Ich kam ja aus Senftenberg und war in der Lausitz zu Hause. Dann war ich fremd in Paderborn, musste mich umstellen und schnell selbständig werden. Das hat mich sicher reifen lassen. Ich war bei tollen Traditionsvereinen, wo der Fußball einen extrem hohen Stellenwert hat. Und es waren auch die verschiedenen Regionen mit ihren Besonderheiten, also Ostwestfalen, Sachsen und jetzt noch Bayern, in denen ich viel neu kennengelernt habe. Das hat mich auf alle Fälle sehr bereichert.“

Sie gelten als ein Profi, der auch über den Tellerrand schaut. Derzeit produzieren Sie regelmäßig mit Freunden den Podcast „Rasengeflüster“. Ist das schon der Blick auf die Zukunft?

SCHUPPAN „Ja. Ich denke einfach, dass die Welt viel zu bieten hat und man sich für viele Sachen interessieren kann. Klar will ich auch schon wissen, wie es nach der Fußballerkarriere weitergeht. Dafür probiere ich viel aus und versuche zu erkennen, was mir wirklich Spaß macht. Ich will nach der Karriere nicht in ein Loch fallen, sondern vorbereitet sein.“

Aktuell haben Sie aber noch als Profi alle Hände voll zu tun. Bei Würzburg sind Sie jetzt Kapitän. Was ändert sich da für Sie?

SCHUPPAN „Das war ein Prozess, man ist ja als älterer Spieler nicht auch gleich ein Führungsspieler. Wir hatten schon im vergangenen Jahr einen schweren Start. Dann haben wir uns stabilisiert, dafür war meine Rolle im Team sicher auch ein Faktor. Ich freue mich, dass ich jetzt das Vertrauen bekommen habe. Aber nun müssen wir nach diesem Fehlstart gleich die erste schwere Bewährungsprobe bestehen.“

Was wird das am Sonntag für ein Spiel gegen Cottbus?

SCHUPPAN „Auf alle Fälle ein sehr, sehr schweres Spiel. Die Euphorie bei Energie ist riesengroß, ich habe mir natürlich das Spiel am Mittwoch angesehen. Nach dem späten Ausgleich hat der FCE unglaublich viel Rückenwind. Cottbus ist für mich ohnehin kein typischer Aufsteiger, ich hatte sie schon vor der Saison als Überraschung auf dem Zettel. Das lag daran, dass ich die Energie-Spiele aus alter Verbundenheit regelmäßig beobachtet habe. Man muss einfach nur den Hut davor ziehen, dass der Verein ohne großartige Neuverpflichtungen weiter auf die Mannschaft aus der Regionalliga setzt. Aber diese Eingespieltheit ist dann eben auch ihre Stärke. Dazu haben sie einen sehr erfahrenen Trainer, der alle Tricks und Kniffe kennt.“

Was macht Ihnen Hoffnung?

SCHUPPAN „Irgendwann gibt es für jede Mannschaft auch mal ein Spiel, in dem es nicht so funktioniert. Für uns wäre es gut, wenn das bei Energie am Sonntag der Fall wäre. Aber letztlich müssen wir versuchen, unser Spiel durchzudrücken. Das können wir beeinflussen, alles andere nicht.“

Mit Sebastian Schuppan sprach Jan Lehmann