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Schiefe Bahn

Das hat damals niemand richtig kapiert. Unser Kumpel Ulf und seine Flamme fabrizierten gleich nach der zehnten Klasse voller Überzeugung ein Kind. Euer Paule Bollermann/ebo9

Während der Rest von uns weiter an der Simson schraubte, schob Ulf stolz den Kinderwagen durch den Branitzer Park. Für seinen Sohn machte er über die Jahre alles möglich. Als der Junior im Sportunterricht panische Angst vorm Bockspringen kriegte, mietete Ulf für ein ganzes Wochenende Turnhalle samt Privattrainer. Aus seinem Jungen sollte unbedingt was Besonderes werden. Man brauchte nur nach dem Nachwuchs zu fragen und schon fingen Ulfs Augen an zu leuchten. Bis zu dem Tag, an dem die Polizei klingelte und den Junior zum ersten Mal wegen Ladendiebstahls mit aufs Revier nahm. Danach lernte Ulf seinen Goldsohn und das Jugendstrafgesetz erst richtig kennen. Ähnlich am Boden ist spätestens nach dem dünnen Unentschieden am Samstag wahrscheinlich auch Stefan Krämer. Es wäre auch zu schön gewesen, wenn sein zusammengewürfelter Haufen tatsächlich den speziellen Geist in sich getragen hätte, der nach außen beschworen wurde. Hoffentlich nimmt Ulf und Krämer demnächst mal jemand tröstend in den Arm. An Pubertät und Aufstiegskampf sind schließlich schon ganz andere gescheitert.