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Auszeit
Gegen diesen Skandal hilft nur eines: Streik!

RUNDSCHAU-Reporter Jan Lehmann
RUNDSCHAU-Reporter Jan Lehmann FOTO: Sebastian Schubert / LR
Cottbus. DFB-Präsident Reinhard Grindel will dem Westen und dem Südwesten ein festes Aufstiegsrecht geben. Für RUNDSCHAU-Reporter Jan Lehmann ist das ein Skandal auf den es nur eine Reaktion geben kann.

Dieser Plan von DFB-Präsident Reinhard Grindel ist schlichtweg ein Skandal und ein Schlag ins Gesicht eines jeden Vereinsmitglieds oder Fußballfans im Norden und Osten dieser Republik. Sollte sich der deutsche Fußball-Boss tatsächlich damit durchsetzen, dass in der Regionalliga künftig nur der Westen und der Südwesten ein festgeschriebenes Aufstiegsrecht haben, würde das die ohnehin schon verschobenen Verhältnisse im deutschen Fußball über Jahrzehnte hinweg zementieren.

De facto würden über die Jahre immer mehr Vereine aus dem Westen und Südwesten die ersten drei Ligen erreichen und könnten sich dort oben festsetzen. Jedes Jahr in einer dieser lukrativen Profi-Ligen würde die Vereine dank der Fernsehgelder weiter stärken. Clubs, die dann clever wirtschaften, könnten ihre Infrastruktur ausbauen und ihre Personalplanung langfristig ansetzen. Der Vorsprung gegenüber Norden und Osten wäre riesig. Und selbst im schlechtesten Fall, dem Abstieg in die Regionalliga, wäre nicht alles vorbei. Dank der oben angefutterten Reserven könnten diese Clubs mit einem hohen finanziellen Einsatz diesen Betriebsunfall mit relativ hoher Wahrscheinlichkeit beheben und schnell wieder aufsteigen.

Und der Fußball-Osten? Hier haben es die Traditionsclubs nach schweren Jahren nach der politischen Wende nur langsam geschafft, sich neu aufzustellen und zu etablieren. Im Oberhaus ist der Osten bis auf den österreichischen Brausebetriebsmannschafts-Ableger in Leipzig und den Hauptstadt-Club aus (West)-Berlin immer noch ein weites, bundesliga-freies Land. Die großen Konzerne, die als Geldgeber für den Profi-Fußball wichtig sind, sitzen halt größtenteils im Westen – und geben meist auch ihre Werbebudgets dort aus. Nicht umsonst spielen Mini-Vereine wie der  Sandhausen oder Heidenheim in der 2. Liga eine gute Rolle.

Im Osten hingegen haben Clubs wie Chemnitz, Jena, Zwickau oder Erfurt trotz eines großen Fanpotenzials mit extremen finanziellen Problemen zu kämpfen und stehen als Drittligisten vor dem Sturz in den sportlichen und wirtschaftlichen Abgrund. Denn nichts anderes ist die 4. Liga, das haben wir ja in Cottbus äußerst schmerzhaft vor Augen geführt bekommen.

Und dass sich künftig diese Traditionsclubs weiter am engsten Nadelöhr des deutschen Fußballs, nämlich dieser vermaledeiten Aufstiegsrelegation abmühen sollen, während im Westen und Südwesten fröhlich ab- und wieder aufgestiegen wird, ist schlichtweg Wettbewerbsverzerrung. Auch wenn der eine oder andere anfangs über den Aufruf von Energie-Trainer Claus-Dieter Wollitz gelächelt haben mag, gegen diesen Skandal hilft nur eins: Streik!

Im Osten und im Norden dürfte kein Ball mehr rollen, wenn sich Grindel nicht schleunigst von diesem hanebüchenen Plan verabschiedet.