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| 13:54 Uhr

Fußball
Zucker für den Nordosten – aber Murks bleibt Murks

RUNDSCHAU-Reporter Jan Lehmann
RUNDSCHAU-Reporter Jan Lehmann FOTO: Sebastian Schubert / LR
Die Regionalliga-Reform ist vom Tisch. Doch die Fußball-Basis sollte den Druck auf das DFB-Präsidium hochhalten. Denn das hat noch nicht kapiert, für wen es wirklich verantwortlich ist. Ein Kommentar von RUNDSCHAU-Reporter Jan Lehmann

Die Regionalliga-Reform ist erstmal vom Tisch, beim DFB-Bundestag in Frankfurt/Main wurde eine Übergangslösung beschlossen. Das ist auf die Schnelle eine vernünftige Entscheidung, weil so verhindert wurde, dass angesichts aufgeheizter Stimmung und unklarer Stimmenverteilung die nächste blödsinnige Struktur festgeschrieben wurde.

Es zeigt aber auch, welchen Druck der DFB braucht, um in letzter Minute darauf einzugehen, eine Expertenkommission an dieses komplexe Thema zu lassen. Die hätte schon eingesetzt werden müssen, als die Stimmen gegen diesen Aufstiegsspiel-Wahnsinn immer lauter geworden waren. Energie-Trainer Claus-Dieter Wollitz hatte bereits im Februar öffentlich über einen Streik nachgedacht und die RUNDSCHAU hatte damals eine Umfrage unter allen 91 Viertligisten vorgelegt: Die überwiegende Mehrheit sprach sich dafür aus, dass die Meister direkt aufsteigen müssen.

Und der DFB? Der tat so, als ob ihn das nichts angehe. DFB-Vizepräsident Peter Frymuth, verantwortlich für die 3. Liga und die
Zukunft des Amateurfußballs, ließ erst nach mehrmaliger RUNDSCHAU-Anfrage knapp ausrichten: „Bitte wenden Sie sich an die
Regionalverbände.“

Erst als der mediale Druck immer größer wurde, weil sich neben Wollitz endlich auch andere Vereinsvertreter aus der Deckung wagten, wurde die Viertklassigkeit zur Chefsache. Vermutlich aus Machtkalkül: Beim DFB musste man befürchten, dass die Delegierten wegen des Regionalliga-Frustes die Zustimmung zum 150-Millionen-Prestigeobjekt DFB-Akademie versagen könnten.

Grindel musste sich also ins vierte Kellergeschoss des deutschen Fußballs herablassen und erlebte dann bei den Regionalliga-Vertretern ziemlich frontal, dass ein DFB-Präsident nicht nur den WM-Pokal, sondern auch die Sorgen und Nöte der sieben Millionen Mitglieder stemmen muss.

Dass man im DFB-Präsidium
jedoch noch immer nicht kapiert hat, wessen Interessen man eigentlich vertreten sollte, zeigen zwei Beispiele vom Bundestag. Dort wurde die Änderung des Grundlagenvertrags zwischen DFB und Deutscher Fußball Liga (DFL) verabschiedet. Darin wird festgelegt, wie der DFB an den DFL-Einnahmen beteiligt wird. Das Geld steht dem Verband zu, weil jene Kicker, die nun dafür sorgen, dass die DFL beispielsweise 1,16 Milliarden Euro nur aus nationalen Fernsehverträgen erhält, einst bei Amateurclubs groß wurden.

Mit der Änderung des Grundlagenvertrags entgehen dem Amateurfußball nach Berechnungen von „Zeit.de“ etwa 25 bis 30 Millionen Euro. Ein Schlag ins Gesicht jedes Ehrenamtlers, der seine D-Junioren nach dem Kreisliga-Spiel schmutzig nach Hause schicken muss, weil die Dusche im Vereinsheim nicht funktioniert.

Das zweite Beispiel ist ausgerechnet jene Übergangslösung für die Regionalliga-Reform. Die bleibt der gleiche Murks, der sie schon vorher war. Dass der Meister der Regionalliga Nordost im Spieljahr 2018/19 direkt aufsteigen darf, ist zwar etwas Zucker für den wütenden Fußballosten, aber nicht logisch zu erklären. Weil der Osten am lautesten protestiert und gar mit Klage gedroht hat, kriegt er nun mehr? Das sorgt nur für neuen Frust und verhärtet die Fronten.

Gerade jetzt, wenn die neue Regionalliga-Aufteilung verhandelt wird, darf der Nordosten dann nicht mehr auf Zugeständnisse von anderen Verbänden hoffen. Mit anderen Worten: Diese Übergangslösung läutet mit hoher Wahrscheinlichkeit das Ende der Regionalliga Nordost ein.