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| 17:28 Uhr

RUNDSCHAU-Kommentar
Machtspiele schaden Energie Cottbus

 Die Mitgliederversammlung findet am Freitag im Stadion statt.
Die Mitgliederversammlung findet am Freitag im Stadion statt. FOTO: Steffen Beyer
Cottbus. Die Mitglieder von Energie Cottbus wählen an diesem Freitag einen neuen Verwaltungsrat. Es ist eine wegweisende Wahl für den angeschlagenen Verein. Auf der Liste der Kandidaten fehlen jedoch wichtige Namen. Der RUNDSCHAU-Kommentar zur Lage beim FCE. Von Jan Lehmann und Frank Noack

Wenn wir, die RUNDSCHAU-Sportredakteure, dem FC Energie Cottbus einen Verwaltungsrat zusammenstellen könnten (was wir natürlich nicht dürfen), dann hätte dieses Gremium folgende fünf Mitglieder: Je einen Vertreter der Stadt Cottbus, vom Landkreis Spree-Neiße, dem Hauptsponsor Sparkasse Spree-Neiße sowie einen Abgesandten aus Fan­kreisen und dazu noch eine integrative Vereins-Ikone wie die einstigen Publikumslieblinge Detlef Irrgang, Ralf Lempke oder Jens Melzig. Eine derartige Kombination wäre ein ausgewogener Mix, um den FCE durch diese schwierigen Zeiten zu navigieren und die so wichtigen Verbindungen zwischen der Region, der Wirtschaft und der rot-weißen Vereinsseele wieder zu stärken.

Das vorliegende Kandidaten-­Tableau sieht jedoch anders aus. Dass die Stadt und auch die Sparkasse für die anstehende Verwaltungsratswahl bei der FCE-Mitgliederversammlung am Freitag keinen eigenen Kandidaten ins Rennen schicken, ist kein gutes Zeichen. Denn damit werden wichtige Stimmen im Verwaltungsrat fehlen; Stimmen mit Gewicht und auch mit Verantwortung.

Kritik der Energiefans ist Warnsignal

Ein Warnsignal ist auch die harte Kritik der Fans am aktuellen Verwaltungsrat. Die emotionale Diskussion in den Internetforen, bei denen es teils harsche Vorwürfe gibt, zeigt: Der erneute Abstieg in die 4. Liga hat alte Wunden aufgerissen und neue hinzugefügt.

Fakt ist: Bei Energie Cottbus wurden in der Vergangenheit Fehler gemacht, im sportlichen wie auch im wirtschaftlichen Bereich. Die Ausgangslage für den Klassenerhalt in der 3. Liga war eigentlich gar nicht so schlecht, die Verantwortlichen haben die sich bietenden Chancen nicht genutzt – jeder auf seinem Gebiet. Dass in der ohnehin schon so schwierigen Drittliga-Saison tiefe Gräben innerhalb des Vereins zutage traten und im Rücktritt von Präsident Michael Wahlich gipfelten, war fatal.

Energie braucht Hilfe

Fakt ist auch: Der FCE benötigt Hilfe! Diese Hilfe wird jedoch nicht von außen kommen. In der wirtschaftlich so komplizierten Lausitz wird es keinen Heilsbringer geben, der Energie Cottbus im Alleingang mit viel Geld und großer Kompetenz wieder zurück in die 3. oder gar 2. Liga hievt. Stattdessen ist mehr denn je der Zusammenhalt in der Region gefragt.

Das Wir-Gefühl, das der FCE mit dem Schlagwort #WIR befeuern will, ist absolut entscheidend – allerdings nur, wenn es auch von allen Beteiligten aufrichtig gelebt wird. Jene finanzstarken Unternehmer in der Region (ja, die gibt es), die bisher den Verein noch nicht unterstützen, könnten jetzt dem einstigen Stolz der Lausitz mit ihrem Einsatz neuen Glanz verleihen. Und jene, die mit ihren Egos die Vereinsarbeit zu sehr belasten, könnten zum Wohl des Clubs etwas weniger dominant auftreten.

FCE braucht keine Machtspiele

Erneute Machtspiele kann der Verein augenscheinlich nicht mehr aushalten. Bei neun Kandidaten für die vier vakanten Plätze im Verwaltungsrat steht am Freitag eine Zerreiß­probe bevor. Doch die könnte auch eine Chance sein. Die Mitglieder können jetzt ­abseits allen Ärgers über zurückliegende Ereignisse und völlig frei von negativen Emotionen einen Verwaltungsrat zusammenstellen, der für die Zukunft handlungsfähig und dem Vereinsfrieden zuträglich ist.

Die Mitglieder des FC Energie tun gut daran, diese Chance nicht verstreichen zu lassen.

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FOTO: LR / Sebastian Schubert