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| 07:49 Uhr

RUNDSCHAU-Kommentar
Gruselige Geschäftsgebaren

 Jan Lehmann
Jan Lehmann FOTO: LR / Sebastian Schubert
Cottbus. In der 3. Fußball-Liga taumeln immer mehr Clubs – finanzkräftige Investoren sollen den Vereinen helfen. Doch in Kaiserslautern oder Uerdingen ist zu sehen, wie riskant derartige Finanzkonstrukte sind. RUNDSCHAU-Reporter Jan Lehmann findet es gruselig. Von Jan Lehmann

Gruselig, was bei den Drittliga-Clubs in Kaiserslautern und Uerdingen passiert. Bei Energie Cottbus sollte man trotz aller Finanznöte froh sein, nicht in die Hände undurchsichtiger Geldgeber zu gelangen.

In der Pfalz glaubt doch niemand ernsthaft, dass eine anonyme Investorengruppe dem Traditionsclub tatsächlich ein solider Partner sein kann? Seit Jahren lebt man beim FCK mithilfe der Politik und teils fragwürdigen Finanzkonstrukten über die Verhältnisse. Dass inzwischen das Gelände rund ums Fritz-Walter-Stadion, das städtebaulich als Filetstück gilt, die Investoren offenbar mehr interessiert, als der Fußballrasen, passt ins Bild: Der FCK ist zum Spielball geworden, der im Aus landen könnte.

Beim KFC Uerdingen wird derweil am lebenden Beispiel vorgeführt, wie gefährlich es ist, sich in die Hände nur eines Mannes zu begeben. Der russische Investor Mikhail Ponomarev führt sich auf wie die Karikatur eines fiesen Finanzmenschen, der bei Spielerverpflichtungen mit Geld um sich wirft, der Trainer heuert und feuert, wie er will, dessen Zahlungsmoral dem Vernehmen nach nicht sonderlich ausgeprägt ist und der sich mit vielen ehemaligen Angestellten vor Gericht wieder sieht. Das alles kann man  als schlechten Stil abtun, doch es ist eine große Gefahr für den Spielbetrieb in der Liga. Was ist, wenn Ponomarev keine Lust mehr auf Uerdingen hat oder seine russische Geldquelle versiegt? Schwer vermittelbar, dass dieser Club ohne Bedenken eine Drittliga-Lizenz bekommen kann. Der DFB muss dem Geschäftsgebaren Ponomarevs dringend Einhalt gebieten.

Und Energie? Die Cottbuser müssen für die Drittliga-Lizenz noch finanzielle Nachweise über weitere Sponsoring-Einnahmen vorlegen. Harte Arbeit für die FCE-Geschäftsstelle, die dennoch gut daran tut, sich die Geldgeber weiterhin genau anzuschauen. Nicht dass plötzlich in der Lausitz auch noch jemand auf die Idee kommt, dass der Eliaspark rund um das Stadion der Freundschaft doch ebenfalls ein städtebauliches Filetstück ist.